
Monroe-Doktrin
Die USA betrachteten sich selbst seit
ihrer Gründung als Hort des Antiimperialismus.
In der nach dem damaligen amerikanischen Präsidenten JAMES MONROE benannten
Monroe-Doktrin vom 2. Dezember
1823 verwahrte sich das Land nicht nur gegen weitere Gebietserwerbungen
durch die Europäer in Amerika und deren Einmischung in innere Angelegenheiten
der unabhängigen amerikanischen Staaten. Die Vereinigten Staaten erklärten
gleichzeitig ihre Absicht, sich aus den europäischen Angelegenheiten
herauszuhalten.
Das um 1840 entstandene Schlagwort der "Manifest
Destiny" brachte die Überzeugung der Amerikaner zum Ausdruck,
dass die immer weiter fortschreitende Ausdehnung nach Westen ihre Bestimmung,
ihr Schicksal sei. Damit verbunden war ein religiös-politisch
begründetes Sendungsbewusstsein, in dem die eigenen freiheitlich-demokratischen
Werte zu zukünftigen Menschheitszielen und Menschheitsidealen erklärt
wurden.
Bereits im Krieg mit Mexiko 1846 bis 1848
spielten imperialistische Momente eine Rolle. 1854 wurde durch eine Marineexpedition
die Öffnung Japans für den Handel erzwungen. Der Erwerb Alaskas
von Russland 1867 stand bereits im Zeichen der Vision eines "neuen
Reiches", wobei der Pazifik fest als eigenes
Interessensgebiet angesehen wurde.
Der Zwang zur ökonomischen Expansion
Nach Ende des Bürgerkriegs
1865 erlebte die US-Wirtschaft einen gewaltigen Aufschwung. Ermöglicht
wurde der Aufschwung durch
Nach 1873 war diese Phase des rasanten Aufschwungs vorbei. Immer wieder
kam es zu kleineren Wirtschaftskrisen,
die ihre Ursachen in den beträchtlichen Überkapazitäten
in den Schlüsselindustrien Stahl, Eisen und Textil hatten. Als Folge
kam es zu Arbeiteraufständen. Sozialistische Ideen konnten sich verbreiten.
Dies führte zu einer allgemeinen Verunsicherung der amerikanischen
Geschäftswelt und gipfelte in der "Panik
von 1893".
Die Erschließung
neuer Märkte, besonders in Lateinanmerika und Asien, sollte Abhilfe
schaffen. Dabei stand China im Mittelpunkt
des Interesses. Alle, ob Kaufleute, Diplomaten, Politiker, Missionare,
Militärs oder Journalisten, blickten hoffungsvoll auf das große
Reich im Osten, durch das die amerikanischen Exportschwierigkeiten beseitigt
werden sollten. Der Weg über den Pazifik nach China sollte durch
ein Netzwerk von Marine-, Kabel- und Kohlestützpunkten gesichert
werden. Das Offenhalten
der Außenmärkte war dabei grundlegendes Ziel.
Die China-Vision war auch im Hintergrund die Motivation für die
kurze direkte Phase des amerikanischen Imperialismus. Denn die Gebietserwerbungen
im Gefolge des Spanisch-Amerikanischen Krieges 1898 wurden mit der Absicherung
des Handelsweges nach China begründet.
Spanisch-Amerikanischer Krieg
Der Krieg begann mit der amerikanischen Intervention
in Kuba. Seit 1890/91 hatte es erhebliche amerikanische Investitionen
in Kuba gegeben. Aufgrund eines Aufstandes der Kubaner gegen die spanische
Kolonialherrschaft schienen diese nun gefährdet zu sein. Deshalb
drängten vor allem kriegswillige Geschäftsleute bei dem zögernden
Präsidenten WILLIAM MCKINLEY auf ein amerikansiches Eingreifen. Gleichzeitig
bewirkten die harten spanischen Unterdrückungsmaßnahmen auf
Kuba eine antispanische Stimmung in der amerikanischen Öffentlichkeit.
Eigentlicher Kriegsauslöser war
die Explosion des US-Kreuzers "Maine" im Hafen von Havanna (Bild 2), bei der 260 Matrosen starben. Daraufhin brach in den USA eine
regelrechte Kriegshysterie aus. Der
Präsident und seine Berater begannen nun, den Konflikt zu eskalieren.
Die USA überließen es aber Spanien, am 24. April 1898 formell
den Krieg zu erklären.
Die Spanier erlitten im Krieg vernichtende Niederlagen. Im Dezember 1898
vermittelte Frankreich einen Friedensschluss. Kuba wurde unabhängig, um dann 1901 unter amerikanisches Protektorat zu
kommen. Spanien musste den Vereinigten Staaten
abtreten. Für diese zahlten die USA 20 Millionen Dollar Entschädigung.
Bereits während des Krieges hatten die USA sich Hawaii einverleibt.
1899 einigten sich die Amerikaner mit Großbritannien und dem Deutschen
Reich über die Teilung Samoas.
Einen Aufstand auf den Philippinen gegen ihre Verwaltung unterdrückten die USA mit einer Armee von 70.000
Mann und einer bis dahin ungekannten Schonungslosigkeit.
Gegen diesen kolonialistischen Imperialismus kam es in den USA selbst
zu starken Protesten. Sie führten dazu, dass nach 1901 wieder die Formen wirtschaftlich-indirekter Einflussnahmen vorherrschten. Die Amerikaner waren zwar auch an der Niederschlagung
des Boxeraufstands in China beteiligt, verpflichteten aber alle
Mächte auf eine Politik
der offenen Tür in China.
Sendungsbewusstsein als Grundlage
des amerikanischen Imperialismus
Mit dem Sieg über Spanien 1898 begann der Aufstieg
der USA zur Großmacht. Weite Teile der amerikanischen Öffentlichkeit
wurden nun von traditionellem Sendungsbewusstsein und Missionierungsdrang erfasst, basierend auf der Manifest
Destiny aus den frühen 40er-Jahren. Darin wurde zum Ausdruck
gebracht, dass die USA vom Schicksal dazu auserwählt worden sei,
die demokratische Gesellschaftsordnung über den ganzen amerikanischen
Kontinent zu verbreiten. Diese Mission rechtfertigte auch territoriale
Expansion. Damit wurden der Krieg gegen Mexiko und die Westwanderung begründet.
Nun wurde die Manifest Destiny weitergeführt und internationalisiert.
Ein neuer, agressiver Nationalismus griff in den USA um sich. Er äußerte sich
Hauptsächlich Journalisten und Wissenschaftler trugen zu einer Wiederbelebung des Sendungsbewusstseins der Manifest Destiny bei. Sie propagierten die Überlegenheit der "angelsächsischen Rasse", deren Berufung es sei, andere Völker politisch zu erziehen. Dieser "Anglo-Saxonism" der amerikanischen Eliten erleichterte auch die politische Übereinkunft mit Großbritannien, das schließlich die Vorherrschaft der USA in der westlichen Hemisphäre akzeptierte.
Nach der kurzzeitigen Phase des kolonialistischen Imperialismus bis 1901
erlangte dieses christlich-zivilisatorische Sendungsbewusstsein wieder
stärkeren Einfluss auf die amerikanische Politik.
Aus dem Glauben
an die überlegene Rolle der USA heraus leitete Präsident THEODORE ROOSEVELT eine aktive Verantwortlichkeit
seines Landes gegenüber den vermeintlich rückständigen
Völkern ab. Auch glaubte er, dass die Vereinigten Staaten die Verpflichtung
hätten, diese Völker auf eine Zivilisationsstufe zu heben, die
sich an der amerikanischen orientieren sollte.
"Roosevelt Corollary"
In der "Roosevelt
Corollary" von 1904, einer Ergänzung
der Monroe-Doktrin von 1823, beanspruchte er für die USA das
Recht, in Lateinamerika und der gesamten westlichen Hemisphäre die
Rolle einer internationalen Polizeimacht zu übernehmen, die für
Ordnung, Stabilität und Sicherheit sorgte. Neben den lateinamerikanischen
Regierungen waren die europäischen Staaten die eigentlichen Adressaten
dieser Erklärung. Besonders die Deutschen sollten von einem weiteren
Ausbau ihrer militärischen Präsenz in der westlichen Hemisphäre
abgehalten werden.
Die praktische Anwendung der "Roosevelt Corollary" folgte auf
dem Fuß. 1905 übernahmen die USA die Finanzverwaltung der bankrotten
Dominikanischen Republik. Immer mehr wurde die Karibik im Verständnis
der Amerikaner zum "Hinterhof" der
USA, besonders seit der Fertigstellung
des Panamakanals 1914. Politische Einflussnahme und ökonomische
Durchdringung marschierten hier Hand in Hand.
Diese Polizistenrolle reklamierten
die Vereinigten Staaten bis in die 20er-Jahre hinein für sich. Erst
1928 wurde die "Roosevelt Corollary" widerrufen.
Aber auch heute noch dient den USA diese Ideologie in abgewandelter zeitgenössischer
Form zur Rechtfertigung ihrer interventionistischen Politik.