Die Heilige Allianz
Der russische Zar ALEXANDER I. (Bild 1)
legte nach dem Wiener Kongress dem Kaiser von Österreich und dem König von Preußen ein
Manifest zur gemeinsamen Unterzeichnung vor. In diesem Schriftstück
schlug er den beiden Monarchen vor, fortan die christlichen
Gebote als alleinige Richtschnur für die Politik zu betrachten.
Der Entwurf des Manifestes wurde von METTERNICH noch einer abschließenden
Bearbeitung unterzogen. Auf dieser Grundlage schlossen dann die drei Monarchen
am 26. September 1815 die Heilige
Allianz.
Die Bearbeitung des
Entwurfs durch METTERNICH hatte aus der Heiligen
Allianz ein Bündnis zur Absicherung der durch den Wiener
Kongress von 1814 vorgenommenen politischen Neuordnung
Europas gemacht. Mit dieser Neuordnung Europas war vor allem zweierlei
erreicht worden:
Der Zerfall der heiligen Allianz
Das durch den Wiener Kongress eingeleitete
Werk der Restauration war von Anfang an der heftigen
Kritik von national denkenden Demokraten und liberalen Gruppierungen
in ganz Europa ausgesetzt. Deshalb brachten die europischen Revolutionen
und Freiheitsbestrebungen von 1830, z. B. die Julirevolution in Frankreich,
auch die Heilige Allianz ins Wanken.Der
Hauptgrund des Zerfalls der Heiligen Allianz waren aber die Interessengegensätze
zwischen den europäischen Großmächten.
Diese existierten von ihrer Gründung an und traten zwischen den einzelnen
Mitgliedsstaaten mehr oder weniger stark hervor, wie die folgenden Beispiele zeigen.
So enthüllte
der griechische Freiheitskampf 1821-1829
gegen die türkische Fremdherrschaft die Brüchigkeit der Bündniskonstruktion
der Heiligen Allianz. Großbritannien ergriff im Ringen des griechischen Volkes um nationale Unabhängigkeit
von der Türkei die Partei der
Griechen, die auch die Monarchie als Regierungsform infrage stellten und
nach einer Republik strebten.
In der Folge
des Revolutionsjahrs 1830
wurde Frankreich nach der Flucht
KARLS X. vom Bürgerkönig LOUIS
PHILIPPE regiert. Das Land wechselte in das Lager der
liberalen europäischen Nationen und unterstützte beispielsweise
das Ringen Belgiens um seine nationale Unabhängigkeit vom Königreich
der Niederlande. Russland strebte nach der Beherrschung der türkischen Marmara-Meerenge, um
den ungehinderten Zugang vom Schwarzen Meer zum Mittelmeer zu erhalten.
Großbritannien, das wiederum
seine Vormachtstellung im Mittelmeer erhalten wollte, unterstützte
die Türkei in der Auseinandersetzung mit Russland und verhinderte
so die russischen Bestrebungen nach Einfluss im Mittelmeerraum. Österreich befürchtete auch die Vormachtstellung Russlands auf dem Balkan und
zugleich ein Übergreifen von nationalen Unabhängigkeitsbestrebungen
auf die slawischen Völker in seinem Vielvölkerstaat. Deshalb
unterstützte es auch die türkische Seite.
An diesen, sich
Mitte des 19. Jahrhunderts verstärkenden Interessengegensätzen
der europäischen Großmächte zerbrach schließlich
die Heilige Allianz.