

ANDY WARHOL - Kultfigur der Pop-Generation
ANDY WARHOL, eigentlich ANDREW WARHOLA, wurde am 6. August 1928
als Sohn von Einwanderern aus dem Gebiet der heutigen Ostslowakei in Pittsburgh
geboren. Nach einer Ausbildung
als Schaufensterdekorateur und einem Grafikdesignstudium am Carnegie Institute
of Technology in Pittsburgh ging er 1949 nach New York.
Dort arbeitete er zunächst erfolgreich als Werbegrafiker
und Illustrator, bevor er in den 1960er-Jahren als führender Vertreter
der amerikanischen Pop-Art hervortrat.
Für seine Bilder übernahm er Motive aus der Alltagswelt, aus
der Werbung oder Fotografien aus Massenmedien und reproduzierte sie in
Variationen. Seit 1962 erarbeitete er die meisten Bilder gemeinsam
mit seinen Mitarbeitern in seiner "Factory"
genannten kollektiven Arbeits- und Wohnstätte, die innerhalb New
Yorks mehrmals den Standort wechselte: 1963 bis 1968 East 47th Street,
1968 bis 1974 Union Square West, 1974 bis 1981 Broadway, ab 1981
Madison Avenue. Ab 1963 produzierte WARHOL auch Filme
(Bild 1).
Konsequenter als alle anderen erhob ANDY WARHOL die Pop-Art
zu seinem Lebensstil und wurde mit seinen Werken zum Inbegriff einer kommerziellen
Kunst. Er erkannte früh die Mechanismen einer Gesellschaft, in der
Stars an die Stelle von Heiligen treten. Ihr Leben wird zur Legende, sie
erscheinen in unüberschaubarer Zahl auf Plakaten, in Zeitungen und
Zeitschriften oder in der U-Bahn. ELVIS PRESLEY, LIZ TAYLOR oder MARILYN
MONROE sind solche Gestalten, die WARHOL wiederholt auch in seine Kunst
übernimmt.
Wie kaum ein anderer Künstler inszenierte er sich auch selbst konsequent
in der Öffentlichkeit
als Kunstwerk: Perücke, Sonnenbrille, Schminke, schwarze Kleidung,
wilde Partys.Die von allen Museen begehrten Bilder aus der Welt des amerikanischen
Konsums machten ihn zu einem Medienstar.
In die Schlagzeilen geriet er aber auch ungewollt: Am 3. Juni 1968
feuerte VALERIE SOLANAS, eine frühere Mitarbeiterin, mehrere Schüsse
auf WARHOL ab. Eine Notoperation rettete sein Leben. Die Rundfunkanstalten
unterbrachen ihre Programme und die Morgenzeitungen berichteten auf den
Titelseiten über das Attentat.
Diese Publicity währte allerdings nur kurz. Denn einen Tag später
wurde ROBERT F. KENNEDY, der demokratische Präsidentschaftskandidat
und Bruder des ermordeten amerikanischen Präsidenten JOHN F. KENNEDY,
Opfer eines Mordanschlags in Los Angeles,
an dessen Folgen er zwei Tage später starb.
Von WARHOL gingen in der bildenden Kunst und im Film nachhaltige Impulse
aus. Immer wieder scharte er Gleichgesinnte und Gruppen um sich, die in
seiner "Factory" seine Ideen und Konzepte realisierten. WARHOL
starb am 22. Februar 1987 in New York.
"Ikonen" der Alltagswelt
WARHOL entnahm die Vorlagen für seine Bilder der vor allem amerikanischen
Alltagswelt:
Comic Strips, Konsumartikel (Konservendosen, Bild 2; Coca Cola-Flaschen),
Idole (ELVIS PRESLEY, MARILYN MONROE, JACKIE KENNEDY) oder schockierende
Ereignisse aus der Tagespresse und den Medien (Autounfälle, Flugzeugabstürze,
Hinrichtungen auf dem elektrischen Stuhl).
Für seine bildnerische Umsetzung dieser Motive, deren Details er
mitunter auch stark vergrößerte, benutzte WARHOL die für
ihn zum "Markenzeichen" gewordene Technik des Siebdrucks.
Dieses Produktionsverfahren war für ihn eine bewusst eingesetzte
populäre Wiedergabeform, die den plakativen Charakter seiner Arbeiten
steigerte und den Stellenwert eines Originals infrage stellte.
Auch für das Bild "Two Elvis"
(1963; Köln, Museum Ludwig) benutzte WARHOL die Technik des Siebdrucks.
Gemeinsam mit der Doppelung des Motivs
- die Wiederholung oder die geringfügige Variation eines Motivs
hat er bisweilen bis auf über zwanzig Mal hochgetrieben, wie in "Fünfundzwanzig farbige
Marilyns" (1962; Fort Worth, Modern Art Museum of Fort Worth) -
setzte er hier seine wesentlichen Gestaltungsmittel ein.
Sie unterstreichen, dass es dem Künstler nicht darum geht, einen
Menschen aus Fleisch und Blut zu porträtieren, sondern moderne
Helden zu inszenieren, auf die Wünsche, Sehnsüchte und Klischees
projiziert werden können: ELVIS PRESLEY, das Idol der Teenager, hier
gezeigt als Schauspieler im Western "Flammender Stern" (1960)
in heroischer Pose mit gezogenem Revolver und lasziv geöffneten Beinen
wie bei dem berühmten Hüftschwung des Rock n Roll-Sängers.
Man kann in WARHOLs Bildern auch eine Würdigung und kritische Fortführung
der Gedanken sehen, die WALTER BENJAMIN in seinem berühmten Essay
"Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit"
(1936) geäußert hatte: Indem Lithographie, Druckverfahren,
Fotografie und Film die massenhafte und billige
Vervielfältigung und Verbreitung von Bildern und Abbildern
ermöglichten, hätten sie die Einmaligkeit, die "Aura"
des Originals, des "echten" Kunstwerks aufgehoben und es zur
Massenware degradiert.
WARHOLs Bilder sind letztlich Reproduktionen, die bewusst auf Originalität
und persönliche Handschrift des Künstlers verzichten (Bild 3).
Um die Produktivität bei der Herstellung dieser Siebdrucke zu erhöhen,
beschäftigte der Künstler im Laufe der Jahre eine Vielzahl von
Assistenten, sodass in der "Factory" beispielsweise von August
bis Dezember 1962 etwa 2 000 Bilder fabriziert werden konnten.