





Europäische Megalithkultur
In Zentralanatolien (Türkei) entstand in der Jungsteinzeit
(Neolithikum) um 6500 v.Chr. mit Catal
Hüyük eine der ersten Städte der Welt. Wahrscheinlich
lebten in den dicht aneinander gebauten Lehmziegelhäusern, die nur
mit einer Leiter über die Dächer zu erreichen waren, ca. 5000
Menschen. Die Wände der Räume mit rechteckigem Grundriss waren
meist bemalt. Jagdszenen, geometrische Muster aber auch gebärende
Frauen waren dargestellt. Unter den Schlafplattformen der Häuser
wurden die Toten begraben (Bild 1).
Besondere Bedeutung erlangte die europäische Megalithkultur
(Megalith: griech. großer Stein = großer unbehauener
Steinblock). Steine galten als kraft- und machtgeladen, als Symbol für
Dauer und Festigkeit, als Sitz höherer Wesen und als Wohnstätte
vergangener und zukünftiger Generationen.
Großartige Anlagen aus unbehauenen Steinen dienten als Grabbauten,
wurden für astronomische Bestimmungen bzw. religiöse Zeremonien
benutzt.
Die ersten Megalithgräber waren Dolmen
- sogenannte Steintische (Bild 3).
In Frankreich wurden diese schon sehr früh zu Dolmengruppen vereint
und mit Hügeln bedeckt. Diese Hügelgräber
werden Tumuli genannt.
Viele Grabmonumente wurden ständig verändert und erweitert.
Manche erhielten Seitenkammern, wie das Langhügelgrab von West Kennet
in Südengland (3600-2500 v.Chr.).
Die langen Zeitspannen der Benutzung geben Hinweise auf eine kultische
Tradition. Ab 3000 v.Chr. wurde in Portugal, Westfrankreich, auf den Britischen
Inseln, in Südskandinavien und Norddeutschland zunehmend das rechteckige
Ganggrab gebräuchlich. Die jüngsten "Hünengräber"
fand man in Mecklenburg.
Bauweisen norddeutscher Megalithanlagen
Den Henges werden astronomische Bedeutungen
zugeschrieben. Neben Sonne und Mond seien auch Sterne - vor allem
der Sirius - beobachtet worden. Stonehenge
in Südengland (ca. 3300 v.Chr.-1800 v.Chr.) ist das
berühmteste Hengemonument (Bild 5).
Die älteste Bauphase von Stonehenge
wurde auf 3300 v. Chr. datiert. Damals bestand der Komplex aus einer
kreisförmigen Mauer mit Gräben, an denen entlang eine Reihe
von Opfergruben verliefen. 500 Jahre später wurde der innere Steinkreis
errichtet. Das heute sichtbare Hengemonument mit seinen Trilithen (Dreistein,
Joch aus Pfeilern und Träger) baute man zu Beginn der Bronzezeit
ca. 1800 v.Chr. 30 graugrüne 4 m hohe Sandsteinpfeiler
wurden im Kreis aufgestellt und durch einen Steinplattenkranz miteinander
verbunden (Sarsenkreis). Ein zweiter Kreis aus 60 sehr viel kleineren
Blausteinblöcken, die man 300 km weit aus den wallisischen Bergen
herantransportierte, wurde innerhalb dieses großen Kreises aufgerichtet.
Wahrscheinlich hatten bestimmte Gesteinsarten eine besondere Bedeutung.
Innerhalb der zwei kreisförmigen Umgänge folgten hufeisenförmig
angeordnet fünf riesenhafte Trilithen. Weiter nach innen wurden nochmals
in Hufeisenform Blausteinblöcke gesetzt. Ein fünf Meter langer
"Altarstein" befand sich im Zentrum der Anlage - im Innern
der Umgänge.
Die Funktion der beeindruckenden Anlage ist wissenschaftlich umstritten.
Die besondere Stellung der Steine und der Achsenverlauf dieser Steinsetzungen
in Richtung Sonnenaufgang zur Sommersonnenwende lassen ein Heiligtum des
Sonnenkultes vermuten. Wahrscheinlich fanden zur Sommer-
und Wintersonnenwende rituelle Zeremonien
statt. Eine große Zahl von Rund- und Langhügeln in der unmittelbaren
Umgebung deuten aber auch auf die Bedeutung im Zusammenhang mit einem
Totenkult hin. Kunstgeschichtlich wertvoll ist Stonehenge wegen seiner
bemerkenswerten Präzision, der Einheitlichkeit seiner Konzeption
und der technischen Fähigkeiten seiner Erbauer.
Vielleicht stellte der größere die Mutter und der kleinere die Tochter der göttlichen Familie dar. Oder es handelt sich um die verschiedenen Aspekte derselben Göttin - Symbole für Jugend und Reife bzw. für Tod und Erneuerung. Die zu den Tempeln gehörenden Vorhöfe mit großen durchbohrten Steinen in der Nähe des Eingangs (Tarxien, Hàgar Qim, Mnajdra) deuten darauf hin, dass dort größere Tiere zur Opferung angebunden worden waren. In den meisten Tempeln befanden sich mehrere Altartische. Brandspuren, Tierknochen und Trinkgefäße verweisen auf rituelle Opferungen, die im Zusammenhang mit der Verehrung einer Muttergottheit standen.