Architekturstile des 20. Jahrhunderts: Antirationale Architektur
Aus Sicht der Architektur
ist das 20. Jh. das Zeitalter der "Modernen Architektur".
Nach einer zu Beginn des Jahrhunderts als "Väter der Moderne"
bezeichneten, vom Frührationalismus und Funktionalismus geprägten
Phase folgte zunächst die Phase der "Klassischen Moderne",
die durch avantgardistische, gegen den Historismus gerichtete Architekturströmungen
gekennzeichnet war.
Die in der 2. Hälfte des 20. Jh. entstandenen unterschiedlichsten
Richtungen der Architektur wurden als sogenannte
"Nach-Moderne"
zusammengefasst. Vor allem galten die Prinzipien der Klassischen Moderne
und des International Style nicht mehr unangefochten. An ihre Stelle traten
eine Vielzahl unterschiedlicher Bautypen und Stile. Forderungen nach mehr
Symbolkraft, deutlichem Bezug zu historischen Vorbildern, Infragestellung
der Gesetze der Tektonik u. a. prägen bis in die Gegenwart diesen
Entwicklungsabschnitt. Neue Theorien und Anschauungen über Architektur,
wie sie z. B. im Minimalismus und Dekonstruktivismus, aber auch im
ökologischen Bauen sichtbar wurden, setzten sich durch. Neue Technologien
ermöglichten neue Gestaltungs- und Formfindungsprozesse. Bauteile und
ganze -systeme wurden industriell vorgefertigt und erst am Einbauort montiert,
Versorgungssysteme nicht mehr versteckt, der Entwurf vom Reißbrett
zum Computer verlagert.
Architekturströmungen der Phase
der Nach-Moderne (ca. 1968-Gegenwart) waren und sind:
- antirationale Architektur,
- Postmoderne,
- ökologische Architektur,
- High-Tech-Architektur,
- Dekonstruktivismus,
- rationale Architektur.
Antirationale
Architektur
Der Begriff
"antirationale
Architektur" kennzeichnet eine
seit den achtziger Jahren des 20. Jh. vor allem vom österreichischen
Maler
FRIEDENSREICH
HUNDERTWASSER (1928-2000) vertretene Architekturauffassung, die
rationale Baumaße - vor allem den rechten Winkel - außer
Kraft setzte (Bilder 1 bis 3). In einem sogenannten
"Verschimmelungsmanifest"
verkündete er bereits 1958 sein Architekturkonzept, das sich gegen
"Schachtelkonstruktionen", die von "Linealmenschen"
gebaut wurden, richtete. Statt funktioneller Architektur sollten besser
die wildwuchernden Elendsviertel als Grundlage für Bauverbesserungen
dienen.
HUNDERTWASSER verlangte von der Baukunst eine
Rückkehr zum menschlichen Maß, die Kreativität jedes einzelnen
Bewohners von Häusern und einen "Friedensschluss" mit der
Natur (1993). Seine Ideen waren in der Ablehnung von Technikhörigkeit
und den Zielen, in Harmonie mit der Natur zu leben, stark ökologisch
geprägt. Unter Einbeziehung der natürlichen Umgebung (Grasdachhäuser,
Grubenhäuser) plante er städtische Projekte. Wellige Böden,
vielfarbige Säulen und Zwiebeltürme, abwechslungsreiche, unregelmäßige
Fassaden, kurvige Linien, scheinbare Unvollkommenheit kennzeichnen seine
"ketzerischen" Architekturen.
Zu den Architekten der antirationalen Architektur gehört(e) u. a.
FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER.