

Aus Sicht der Architektur ist das 20. Jh. das Zeitalter der "modernen
Architektur". Nach einer zu Beginn des Jahrhunderts als "Väter
der Moderne" bezeichneten, vom Frührationalismus und Funktionalismus
geprägten Phase, sprach man nach dem Ersten Weltkrieg vom "neuen
Bauen" oder der "Moderne".
Der Begriff fasst die zu dieser Zeit in Deutschland entstandenen avantgardistischen
Architekturströmungen zusammen, die sich gegen den Historismus richteten.
Die Vertreter dieser heute als "klassische
Moderne" bezeichneten Richtung gingen in ihren neuen Gestaltungsgrundsätzen
von Verstand und Logik und der reinen Funktionalität der Bauwerke
aus. Die "Moderne" betrifft vor allem den "Funktionalismus",
den "Rationalismus" und seit 1926 die Theorie vom "organischen
Bauen". Der Begriff "International Style" kennzeichnet
die Allgemeingültigkeit dieser Architekturauffassung: Verzicht auf
repräsentative Details, Verwendung von industriell gefertigten Baustoffen,
asymmetrische Gruppierung, kubistische Elemente, weißer Verputz,
Lichtfülle.
Architekturströmungen der Phase
der Klassischen Moderne (ca. 1920-1968) waren:
RUDOLPH STEINER (1861-1925, Zweites Goetheanum,1924-1928, Dornach, Bild 1) vertrat die Meinung, dass von der Architektur geistig-moralische Wirkungen ausgehen. Für ihn war der Bau ein lebendiges Wesen, ein natürlicher Organismus, der geistige Prozesse und kosmische Gesetzmäßigkeiten spiegelt.
Zunächst wurden mit diesem Anspruch Bauwerke mit rundplastischen Formen errichtet (Einsteinturm,1917-1921, Potsdam, ERICH MENDELSOHN, Bild 2, Video 1; Fabrik, 1911-1912, Luban, HANS POELZIG).
In den zwanziger Jahren bevorzugten die Architekten spitze Winkel und
eine Überbetonung der Senkrechten. Das Chilehaus
(1922-1923, Bild 3) in Hamburg von FRITZ
HÖGER sollte mit seiner markanten Ostspitze und dem weit vorkragenden
Dach die Assoziation an den Bug eines Ozeandampfers wecken. In der Grundtvigs-Kirche
(1913-1926) in Kopenhagen symbolisierte der Architekt PEDER
KLINT durch Treppengiebel und Fassadengliederung eine Orgel. Mit charakteristischen
Backsteinbauten hoben sich die Gebäude der sogenannten Amsterdamer
Schule von den Bauwerken der deutschen Expressionisten ab.