
Frührationalismus
In den neunziger Jahren des 19. Jh., als in Europa der Jugendstil
in Mode kam, entwickelte sich daneben eine andere Strömung -
ein kritischer Rationalismus (Frührationalismus).
Diese Tendenz lehnte den Überschwang an Dekoration zugunsten der
Konstruktion ab. Die Entwürfe zeigen für die damalige Zeit eine
extreme Klarheit und maximale Sparsamkeit unter Einbeziehung technischer
Neuerungen. Zu den Architekten
des Frührationalismus gehörten u. a.:
Der österreichische Architekt OTTO
WAGNER baute für seine Zeit mit sparsamerer Ornamentik konstruktiv,
funktional und materialbestimmt. Sein bekanntestes Bauwerk ist das Postsparkassenamt
in Wien (1904-1906, Bild 2), das durch technische Neuerungen
- eine Marmorverkleidung außen und ein tonnengewölbtes
Glasdach sowie einen Fußboden aus Glas innen - bestimmt wurde.
Ein Schüler WAGNERs, ADOLF
LOOS, verzichtete radikal auf jedes
Ornament. Er nannte Dekor ein "Verbrechen" und forderte seine
Abschaffung. Flächen am Bau wurden unter Verwendung kostbarer Materialien
gestaltet. Architektur bestand für ihn aus kubischen Elementen. Großen
Einfluss übte er auf die Architekten des International Styles aus.
Auch PETER BEHRENS verbindet
das Bekenntnis zur Technik mit anspruchsvoller Formgebung.