Architekturstile des 20. Jahrhunderts: Ökologische Architektur
Aus Sicht der Architektur
ist das 20. Jh. das Zeitalter der "modernen Architektur".
Nach einer zu Beginn des Jahrhunderts als "Väter der Moderne"
bezeichneten, vom Frührationalismus und Funktionalismus geprägten
Phase folgte zunächst die Phase der "klassischen Moderne",
die durch avantgardistische, gegen den Historismus gerichtete Architekturströmungen
gekennzeichnet war.
Die in der 2. Hälfte des 20. Jh. entstandenen unterschiedlichsten
Richtungen der Architektur wurden als sogenannte
"Nach-Moderne"
zusammengefasst. Vor allem galten die Prinzipien der klassischen Moderne
und des International Style nicht mehr unangefochten. An ihre Stelle traten
eine Vielzahl unterschiedlicher Bautypen und Stile. Forderungen nach mehr
Symbolkraft, deutlichem Bezug zu historischen Vorbildern, Infragestellung
der Gesetze der Tektonik u. a. prägen bis in die Gegenwart diesen
Entwicklungsabschnitt. Neue Theorien und Anschauungen über Architektur,
wie sie z. B. im Minimalismus und Dekonstruktivismus, aber auch im
ökologischen Bauen sichtbar werden, setzten sich durch. Neue Technologien
ermöglichen neue Gestaltungs- und Formfindungsprozesse. Bauteile und
ganze -systeme wurden industriell vorgefertigt und erst am Einbauort montiert,
Versorgungssysteme nicht mehr versteckt, der Entwurf vom Reißbrett
zum Computer verlagert.
Architekturströmungen der Phase
der Nach-Moderne (ca. 1968 bis zur Gegenwart) waren und sind:
- antirationale Architektur,
- Postmoderne,
- ökologische Architektur,
- High-Tech-Architektur,
- Dekonstruktivismus,
- rationale Architektur.
Ökologische Architektur
Seit mehreren Jahrhunderten beschäftigen sich Architekten mit "gesundem"
Bauen ("ökologische
Architektur", ökologisches
Bauen). Vorläufer der heutigen Auffassungen wirkten bereits bei der
Planung und Ausführung von Laubenkolonien, in den Licht- und Lufthütten
der Lebensreformer (1904), in der Glas- und Gewächshausarchitektur
und der Gartenstadtbewegung. 1932 wurden auf einer internationalen Bauausstellung
in Berlin Häuser gefordert, die nach biologischen Gesetzen "wachsen".
1977 entstand in Stockholm das sogenannte "Naturhaus". Durch die Verwirklichung eines "Haus im Haus-Prinzips" wurden
Haus, Wintergarten bzw. Gewächshaus thermodynamisch verknüpft.
In den 1970er-Jahren des 20. Jh. wurde unter ökologischer Architektur
ganz allgemein die Umweltfreundlichkeit von Bauwerken verstanden. Dabei waren folgende acht Prinzipien zu beachten:
- Minimierung der vom Bauen und der Gebäudenutzung ausgehenden
Umweltbelastung und Schonung natürlicher Ressourcen;
- sparsamer Umgang mit Grund und Boden, Erhalt und Schaffung von Grünflächen;
- benutzerfreundliche Planungsbeteiligung;
- kritische Auswahl umweltgerechter Baustoffe (natürliche, recycelbare
Baustoffe);
- Energie sparendes Bauen (Heizung, Warmwasser, Elektroenergie, Trinkwasser);
- Maßnahmen zur Kleinklimaverbesserung (Dach- und Fassadenbegrünung,
Minimierung von Oberflächenversiegelung);
- harmonische Einbindung in die Umgebung;
- ästhetische Lösung
Nach der weltweiten Ölkrise zu
Beginn der 1970er-Jahre begannen viele Architekten und ihre Auftraggeber,
sich ihrer wachsenden Verantwortung bei Bautätigkeit und Bauprozessen
bewusst zu werden. Es galt als Notwendigkeit, die Erde für zukünftige
Generationen vor einer Umweltkatastrophe zu bewahren. Dieses Bewusstsein
ist unter dem Begriff "nachhaltige
Entwicklung" gesellschaftsfähig
geworden. Unter "Nachhaltigkeit" ist ein Kompromiss zwischen
vollständigem Entwicklungsstopp und einem Wachstum innerhalb bestimmter
Grenzen zu verstehen.
Breit gefächert sind die Diskussionen um den richtigen Weg der "ökologischen"
Architektur. Fragen der Anwendung
von Technik - insbesondere von Hochtechnologie - innerhalb
eines ökologischen Rahmens spielen dabei eine entscheidende Rolle.
Drei Hauptstandpunkte sind erkennbar:
- Der Einsatz von Technik ist zur Rettung von Umwelt unverzichtbar.
Dieser Standpunkt ist am verbreitetsten (Pavillon
von Großbritannien, Expo 92, Sevilla, NICHOLAS
GRIMSHAW; Projekt Eden, ab 1997,
Cornwall, MICHAEL HOPKINS; Solarhaus "Heliotrop", Freiburg,
1994, Architekturbüro ROLF DISCH, Bild 1).
- Technik soll dort eingesetzt werden, wo sie angebracht und angemessen
ist (Tjibaou-Kulturzentrum, 1991-1997,
Neukaledonien, RENZO PIANO, Bild 2; Bebauungsplan für ein
Gebiet in La Palma, 1994, RICHARD ROGERS).
- Technologische Lösungen werden kategorisch abgelehnt (Eco
House, 1995/96, Irland, Gaia Associates; Rocky
Mountain Institute, 1984, Colorado, Aspen Design Group).
Ökologisches Bauen benutzt viele Möglichkeiten der ästhetischen
Gestaltung und so kann ein Bauwerk heute kaum noch von außen als
ökologisch oder nicht ökologisches Gebäude eingestuft werden.
Aber das Konzept der erneuerbaren und nachhaltigen Energie ist fast immer
ein wichtiger Schwerpunkt gegenwärtiger architektonischer Entwürfe.
Zu den Architekten der ökologischen
Architektur gehören u. a.:
- FREI OTTO (* 1925),
- RICHARD ROGERS (* 1933),
- RENZO PIANO (* 1937),
- Gaia Associates/PAUL LEECH (* 1950).