





Im gleichen Jahr ging er auf Wanderschaft
und veranlasst durch den berühmten Gießer IGNAZ KOPP kam er
nach Würzburg. Hier arbeitete er als Geselle bei dem berühmten
Gießer.
1712 trat er in die fränkische Kreisartillerie
ein. Dort lernte NEUMANN den Ingenieurhauptmann A. MÜLLER, der im
Würzburger Bauwesen eine bedeutende Rolle hatte. MÜLLER war
nicht nur NEUMANNs Vorgesetzter, sondern auch sein Lehrer. Er erkannte
die Begabung NEUMANNs und riet ihm, sich in Architektur weiterzubilden.
Diesen Rat befolgte NEUMANN und studierte Geometrie, Feldmesserei und
Architektur. Bereits 1715 zeichnete er zur Verschönerung der Stadt
Würzburg einen ersten Plan.
1717 nahm BALTHASAR NEUMAN am Türkenfeldzug
teil und erlebte die Belagerung und Eroberung Belgrads.
Über Wien kehrt er schließlich 1718 nach Würzburg zurück.
Als Oberst der fränkischen Artillerie erwarb er sich weitere Kenntnisse
im Ingenieurwesen,
im Wasser- und Festungsbau und in der Landvermessung. Dies kam ihm bei
seinen späteren Bauaufgaben zugute.
1719 wurde er von Bischof JOHANN FRANZ VON SCHÖNBORN zum fürstbischöflichen
Baudirektor in Würzburg
ernannt und leitete seit 1720 den Bau der
Würzburger Residenz.
In jenen Jahren löste in Deutschland eine verstärkte Orientierung
an französischen Architekturvorbildern die Vorherrschaft italienisch-hochbarocker
Muster ab, und so unternahm auch NEUMANN 1723 eine ausgedehnte Studienreise
nach Paris.
Von den königlichen Architekten ROBERT
DE COTTE und GERMAIN BOFFRAND ließ er seine Pläne für
die Würzburger Residenz begutachten. Zurückgekehrt begann NEUMANN
seit 1719 unter FRIEDRICH CARL VON SCHÖNBORN seine großen Bauprojekte
in Würzburg - u. a. Residenz, Hofkirche und Theatinerstraße,
die ihn bis an sein Lebensende beschäftigen sollten.
1731 erhielt er einen Lehrstuhl
für Zivil- und Militärbaukunst an der Würzburger Universität.
Mit dem Tod seines Auftragsgebers 1746 wurde NEUMANN für einige Jahre
seiner Ämter enthoben. 1749 nahm er seine Aufgaben als Baudirektor
in Bamberg und Würzburg wieder auf, die er bis zu seinem Tod 1753
erfüllte.
BALTHASAR NEUMANN wurde 1753 in der Marienkapelle in Würzburg beigesetzt.
Als der damalige Konkurrent, der Wiener Architekt JOHANN LUCAS VON HILDEBRANDT, die statische Zuverlässigkeit des Projektes anzweifelte, war sich der Oberst der fränkischen Artillerie NEUMANN seiner Sache so sicher, dass er anbot, nach Abschluss der Bauarbeiten unter dem Gewölbe Kanonen abfeuern zu lassen. Dazu ist es nicht gekommen, aber das Gewölbe überstand sogar die schwere Bombennacht 1945. Mit zum Ruhm dieses in Mitteleuropa einzigartigen Treppengebäudes trugen die dann in den Jahren 1751-1753 von GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO ausgeführten Fresken bei, die als das Haupt- und Meisterwerk des italienischen Malers gelten.
Um 1732-1743 errichtete Neumann auch die Hofkirche im Südflügel der Residenz. Wie zumeist bei den Kirchenbauten NEUMANNs umschließt auch bei der Hofkirche ein rahmendes Rechteck als Außenbau bewegte Raumfolgen, hier bestehend aus drei Ovalen. Die Ausstattung mit Stuck und Stuckmarmor wird ergänzt durch Fresken von TIEPOLO.
Als Oberbaudirektor war
NEUMANN für die Pläne und die Organisation der Arbeiten zuständig,
aber er kümmerte sich auch um die Ausstattung und Einrichtung der
Gebäude. Glas und Spiegel lieferte er teilweise selbst, da er als
selbstständiger Unternehmer eine Glashütte im Steigerwald und eine Spiegelschleiferei in Würzburg unterhielt.
Bemerkenswert sind auch NEUMANNs Lösungen für
die Raumgestaltungen der Treppen der Schlösser Bruchsal
(1731-1733) und Augustusburg zu Brühl (bei Köln; 1744-1748).
Gemeinsam mit JOHANN LUCAS VON HILDEBRAND schuf NEUMANN in den Jahren
1733-1745 das Sommerschloss Werneck für FRIEDRICH CARL VON SCHÖNBORN.
Es folgten die Benediktinerklosterkirche Münsterschwarzach
(1727-1743), die 1821 zerstört wurde, die Wallfahrtskirche Gößweinstein
(1730-1739), die Kirche Sankt Paulin in Trier (1734-1753) und
dann die Wallfahrtskirche Käppele
in Würzburg.
Das Käppele liegt auf dem Nikolausberg in Würzburg (Bild 5).
Es entstand in den Jahren 1747-1752 als letztes Bauwerk BALTHASAR
NEUMANNs.
1743 erarbeitete er einen Plan für sein Hauptwerk,
die Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen bei Bamberg, in dem er in einem langrechteckigen Außenbau
verschieden große elliptische Räume in der Grundriss- und in
der Gewölbezone ineinander übergehen ließ. Diese "kurvierte",
den Kirchenraum in "Schwingungen" versetzende Innenarchitektur,
die an die böhmischen Barockbauten JOHANN DIENTZENHOFERs anknüpfte
und die Gedanken des italienischen Architekten GUARINO GUARINI zur Raumdurchdringung
vollendet sowie der runde oder ovale überkuppelte Raum über
der Vierung wurden zu BALTHASAR NEUMANNs
"Markenzeichen".
In der Benediktinerabteikirche Neresheim (um 1746 begonnen) variiert
er die ovale Grundrissform durch frei stehende schlanke Säulen,
die die monumentale Mittelkuppel tragen und dadurch den Eindruck völliger
Schwerelosigkeit vermitteln.