
Zunächst erhielt er die erste Ausbildung im Atelier seines Vaters. Danach besuchte HEISIG von 1941 bis 1942 die Kunstgewerbeschule in Breslau (Polen).
Mit nur 16 Jahren ging HEISIG 1942 freiwillig zur SS-Panzerdivision „Hitlerjugend“ und zog in den Zweiten Weltkrieg. Zu Kriegsende nahm er ausgerechnet an den Kämpfen um die „Festung“ Breslau teil und verteidigte seine Heimatstadt. Schwer verletzt geriet HEISIG in sowjetische Kriegsgefangenschaft und kehrte 1945 vom Krieg geprägt nicht nur als Invalide nach Breslau zurück. Viele Jahre später hielt er seine schrecklichen Kriegserfahrungen in zum Teil großformatigen Bildern fest. Zunächst fand er Arbeit als Grafiker beim polnischen Amt für Information in Wroclaw.
Zwei Jahre später siedelte HEISIG nach Zeitz um und arbeitete in grafischen Betrieben. Hier trat er in die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands (SED) ein. Seit 1948 studierte er an der Gewerbeschule, der späteren Fachhochschule für angewandte Kunst in Leipzig und im Anschluss ab 1949 an der Akademie für grafische Kunst und Buchgewerbe Leipzig, der heutigen Hochschule für Grafik und Buchkunst.
Nachdem HEISIG 1951 das Studium abgebrochen hatte, arbeitete er bis zum Jahr 1954 freiberuflich in Leipzig. Seinen Schwerpunkt legte er in den 1950er-Jahren auf Zeichnungen und Lithografien der 1848er-Revolution und der Pariser Kommune von 1871. Bis hinein in die 1960er-Jahre schuf HEISIG acht Blätter zu LUDWIG RENNs Roman „Der Krieg“ und Buchillustrationen für Werke von
Im Jahr 1951 heiratete er BRUNHILDE EISLER, mit der er zwei Söhne hat. Seine Ehe wurde 1956 geschieden. Sein Söhne JOHANNES HEISIG und WALTER EISLER sind ebenfalls bekannte Maler und Grafiker.
HEISIG wurde 1954 zum Dozenten an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig berufen. Zunächst übertrug man ihm die Leitung des Grundstudiums, dann eine Fachklasse für Grafik. Neben seinem künstlerischen Schaffen war er von 1956–1959 als Vorsitzender des Verbandes Bildender Künstler (VBK) im Bezirk Leipzig aktiv. Im Jahr 1961 wurde HEISIG zum Professor ernannt und zum Rektor der Hochschule gewählt.
Leipziger Schule
Zusammen mit WERNER TÜBKE und WOLFGANG MATTHEUER, die ebenfalls an der Akademie studiert hatten, ist er einer der Gründungsväter der „Leipziger Schule“. Die Leipziger Schule steht, Stil und Generationen übergreifend, für einen hohen künstlerischen Anspruch, verbunden mit bewusster Analyse der Gesellschaft. Von den Studenten wird ein hohes handwerkliches Können gefordert. Lehrmäßig wurden zwei Strömungen vertreten:
Als Hochschullehrer prägten die Gründungsväter eine ganze Generation von Malern und Grafikern. Neben der von HEISIG 1961 gegründeten Malklasse etablierte sich in dieser Zeit ein Kreis freischaffender Künstler. Seit Anfang der 1960er-Jahre, besonders aber in den 1970ern, machte sich das als prägender, schulbildender Unterschied zu anderen deutschen und auch europäischen Kunstentwicklungen bemerkbar. Erst durch die Leipziger Schule wird die traditionsreiche Buch- und Musikstadt auch zum wichtigen Zentrum der Malerei.
Die 1960er-Jahre
Die 1960er-Jahre wurden für den Maler und Grafiker zu einer Zeit harter Prüfungen. Auf dem V. Kongress des Verbandes Bildender Künstler (VBK) 1964 kritisierte HEISIG die restriktiv gewordene Kulturpolitik und fragwürdigen künstlerischen Ergebnisse des „Bitterfelder Weges“. Daraufhin wurde er wegen „Nichterfüllung der erzieherischen Aufgaben gegenüber den Studenten“ als Rektor abgesetzt. Weiterhin trat er für das Recht des Künstlers ein, „Kritik an seiner Zeit“ zu üben. HEISIG blieb als Dozent und Leiter der Abteilung Grafik und Malerei an der Hochschule und Buchkunst Leipzig. Aber im Jahr 1968 kündigte er die Lehrtätigkeit, die ihm aufgrund des zunehmenden Dogmatismus an der Kunsthochschule sehr erschwert wurde. Danach war er wieder freiberuflich tätig.
Erste Ausstellungen
Erste Ausstellungen seiner Werke fanden 1966 in Leipzig, Erfurt und Würzburg statt.
Nach der Kündigung seiner Lehrtätigkeit beschäftigte sich HEISIG wieder als Maler auch mit dem Kommune-Thema. Schon seit 1965 hatte er sich PICASSO zugewandt: Die kubistische und postkubistische Zergliederung und Multiperspektivität (die Gleichzeitigkeit verschiedener Sichtweisen), die wechselseitige Durchdringung von Figuren, Raum, Grund machten auch seine Bildräume vielschichtig und facettenreich. Nach weiteren Kommune-Bildern, arbeitete er vorrangig an historisch-politischen und gesellschaftlichen Panoramen mit einem expressiven Malstil in der Tradition von MAX BECKMANN, OTTO DIX und OSKAR KOKOSCHKA. Den Begriff „Historienbild“ wies er entschieden zurück. Seine Werke sollte man als Bilder verstehen, „die sich mit Hilfe der Historie zur Zeit äußern“. HEISIG kämpfte energisch für eine Kunst, die sich auch den „Problemen der Zeit“, den „Schattenseiten des Lebens“ stellt. Ebenso argumentierte er gegen eine östliche Kunst der Verdrängung wie gegen eine westliche der Unverbindlichkeit.
„Der faschistische Albtraum“
Während der Arbeit an seinem bedeutendsten grafischen Zyklus,
„Der faschistische Albtraum“ (1965/66) durchlitt er den Nationalsozialismus noch einmal mit selbstquälerischer Intensität. Die grausamen Erlebnisse des jungen Soldaten HEISIG und die Geschichte flossen auch in seine düsteren Untergangsbilder zur
„Festung Breslau“ (1969) ein, in denen Nazigrößen und Soldaten mit ihren Opfern unlöslich verbunden waren. Ein Vierteljahrhundert Abstand brauchte HEISIG, bis aus den Albträumen, Erinnerungen und Reflexionen Gemälde werden konnten.
Die 1970er-Jahre: Porträts
Nach seinem Mitte der 1970er-Jahre entstandenen Preußen-Komplex entdeckte HEISIG für sich die alte Aufgabe des Porträts. Die ergreifendsten Bildnisse schuf er von seiner Mutter, von dem Chirurgen DR. MÄTTIG, von Frauen und Freunden. Berühmt wurde HEISIG u. a. mit dem Porträt des Dirigenten VACLAV NEUMANN. Vor allem Porträts von westdeutschen Politikern, wie das vom ehemaligen Bundeskanzler HELLMUT SCHMIDT (1986), zeigen seine Vielseitigkeit und machten ihn einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.
Die Städte Leipzig und Dresden präsentierten in HEISIG-Ausstellungen 1973 seine umfassenden Werke. Später zogen andere Städte nach. Erst jetzt wurden ihm staatliche Ehrung und öffentliche Anerkennung zuteil.
Im Jahr 1976 kehrte BERNHARD HEISIG an die Leipziger Hochschule zurück und wurde wieder deren Rektor bis zu seiner Pensionierung 1987. Nach der Übergabe dieser Funktion an seinen Schüler und Nachfolger ARNO RINK ging er weiterhin seinen Lehrverpflichtungen nach. Der Maler NEO RAUCH war sein Meisterschüler und in den Jahren von 1993 bis 1998 sein Assistent.
BERNHARD HEISIG – ein „Staatskünstler“?
Im Oktober 1989 gab HEISIG aus Protest die ihm 1972 und 1978 verliehenen Nationalpreise zurück und trat im Dezember 1989 aus der SED aus.
Seine Begründung lautete: „Das bisher bekannt gewordene Ausmaß an Machtmißbrauch und Korruption in der ehemaligen Führungsspitze der DDR läßt mich die durch die damalige Staatsführung für meine künstlerische Arbeit mir erwiesenen Ehrungen nicht mehr als solche empfinden.“ (in: Neues Deutschland, Berliner Ausgabe, 6.12. 1989).
Die 80000 DDR-Mark, die mit den Nationalpreisen verbunden waren, nahm der damalige Kulturminister nicht an, daraufhin übergab HEISIG das Geld an die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig.
Die Etikettierung „Staatskünstler“ wollte er, dessen einziger Staatsauftrag das „Ikarus“-Bild (Bild 2) im Ostberliner Palast der Republik gewesen war, nicht gelten lassen.
Künstlerkollegen sahen dies anders. GEORG BASELITZ antwortete im Interview von AXEL HECHT und ALFRED WELTI, danach gefragt, ob die DDR-Maler im Stil und Gestus eines BERNHARD HEISIG oder WOLFGANG MATTHEUER Maler seien, „Das sind Interpreten, die ein Programm des Systems in der DDR ausgefüllt haben. Die Künstler sind zu Propagandisten der Ideologie verkommen. Sie haben sich in den Dienst der 'guten Sache' gestellt. Auf dem addierten, dem sogenannten historisch richtigen Weg, haben sie die Phantasie, die Liebe, die Verrücktheit verraten" (in: art 1990, H. 6, S. 70.).
Eine Debatte hub an nach der Wiedervereinigung 1990, die ausschließlich den Funktionär BERNHARD HEISIG berücksichtigte und seine Kunst der Funktion unterordnete, die der Maler ausgeübt hatte. Dagegen regte sich Widerstand auch von Seiten der „Altbundesdeutschen“. Der Kunstkritiker EDUARD BEAUCAMP zweifelte z. B. am Bild vom Staatskünstler HEISIG: „Zum Bild der Staatskunst will nicht der tiefe Pessimismus, die Fortschrittsfeindlichkeit, die Düsternis und der oft apokalyptische Furor der DDR-Kunst passen“ (EDUARD BEAUCAMP: „Staatsmaler?“, FAZ vom 27.11.1989), äußerte er. A.R. PENCK, der die DDR auch wegen der Repressionen, die ihm entgegen geschlagen ware, verlassen hatte, gab zu: „Die haben ja trotz allem ein eigenständiges Werk. Sie zeigen die Problematik eines geschichtlichen Prozesses an ihrer eigenen Person auf.“
Neue Eindrücke angesichts der Leipziger Demonstrationen, die Faszination der Masse auf der Straße, auch Konflikt und Konfrontation sind neue Themen der Bilder HEISIGs nach dem Umbruch in der DDR.
Obwohl HEISIG Mitglied in der Waffen-SS und in der DDR kulturpolitisch aktiv tätig war, schloss ihn der Kulturbeirat des Deutschen Bundestages nicht von der Beteiligung an der Ausgestaltung des neuen Parlamentssitzes in Berlin aus. Gegenwärtig arbeitet er im Auftrag der Stadt Leipzig an einem Porträt von HERBERT BLOMSTEDT, der als Gewandhauskapellmeister verabschiedet wurde.
HEISIG zählt zu den bedeutendsten zeitgenössischen Malern und Grafikern der DDR, gilt inzwischen auch in den alten Bundesländern als einer der wichtigsten Repräsentanten der DDR-Kunst. Anlässlich des 80. Geburtstages des Künstlers wurde er mit einer Sonderschau „BERNHARD HEISIG – Die Wut der Bilder“ mit Malerei und Grafik 2005 zuerst in Leipzig, dann in Düsseldorf und in Berlin im Martin-Gropius-Bau geehrt. „Er ist eigentlich der erste (...), der mit der Doktrin des Sozialistischen Realismus in der DDR gebrochen hat, indem er Bilder des Zweifels und der Verzweiflung, eigentlich der Zerstörung durch den Krieg gemalt hat.“ (WERNER SCHMIDT) So steht es im Katalog zur Ausstellung.
Jetzt nach dem Bau eines Atelierhauses leben und arbeiten BERNHARD HEISIG und seine Lebensgefährtin, GUDRUN BRÜNE, die an der Hochschule bei ihm Malerei studiert hatte, seit 1992 in Strodehne im Landkreis Havelland in Brandenburg.
Kunststil
HEISIGs expressiver Malstil ist vor allem an LOVIS CORINTH, OSKAR KOKOSCHKA, MAX BECKMANN und OTTO DIX geschult. Als Mitbegründer der Leipziger Schule wandte er sich mehr der expressiven Strömung zu, deren Werke sich durch leidenschaftliche Farbbehandlung auszeichnen. Kennzeichnend ist auch der Drang zur gedanken- und fantasiereichen und tiefgründigen Deutung von Themen der Geschichte bis zu intimen Bereichen unserer Umwelt.
Von PICASSO studierte er die Technik und nutzte sie für seine Malerei: Die kubistische und postkubistische Zergliederung und Multispektivität, die wechselseitige Durchdringung von Figuren, Raum, Grund machten auch seine Bildräume vielschichtig und facettenreich.
„Zwei deutsche Maler“
HEISIGs Doppelporträt „Zwei deutsche Maler“ von 1992 zeigt im Vordergrund den deutsch-jüdischen Kollegen FELIX NUSSBAUM in der Haltung, wie sich der 1944 im Vernichtungslager Auschwitz Ermordete 1943 selbst gemalt hatte. Aus der Mitte des Bildes tritt uns MAX LIEBERMANN entgegen, wie man ihn kannte, statt in leichtem, hellem Sommaranzug in langem, dunklem, weitem Wintermantel, einen grauen statt weißen Hut auf dem Kopf, frierend, doch scheinbar bereit, der sich drohend hinter ihm auftürmenden Masse Nationalsozialisten zu entfliehen und sich ihr zugleich zur Wehr zu setzen. Aber es gibt kein Entrinnen: Zu mächtig, zu gefährlich prangt das verzerrte Porträt ADOLF HITLERs auf einem Plakat hinter ihm.
HEISIG denunziert hier nicht, er greift zwei bekannte Bildmotive der Kunstgeschichte auf, fügt sie zusammen und nennt den Titel: „Zwei deutsche Maler“, nicht „Zwei jüdische Maler“. Damit trägt er Schuld ab, rückt ideologisch zurecht, was zurechtgerückt gehört. NUSSBAUM und LIEBERMANN hatten sich als Deutsche gefühlt und die Werke beider gehören unstrittig zur deutschen Kunstgeschichte – ebenso wie das Werk HEISIGs.
Beide Maler hatten keine Chance nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 zu überleben. LIEBERMANN hatte seinen Austritt aus der Preußischen Akademie der Künste erklärt. Zwei Jahre später starb der Sohn eines jüdischen Fabrikanten verbittert und vereinsamt in Berlin. Der über Italien nach Belgien emigrierte und nach der Besetzung durch deutsche Truppen versteckt lebende NUSSBAUM wurde 1944 denunziert, nach Auschwitz verschleppt und ermordet. HEISIG gehörte zu jener Zeit als Angehöriger der Waffen-SS den Tätern an und lud Schuld auf sich, an der er sein Leben lang litt. Dieses persönliche Kriegstrauma verarbeitete er in seinen Bildern und dokumentierte damit künstlerisch, dass er nicht nur Täter, sondern zugleich Opfer war, Opfer der eigenen Verführung und zugleich Opfer einer menschenverachtenden, ja, barbarischen Ideologie einer „Herrenrasse“, die sich selbstherrlich über andere Völker stellte und skrupellos das Leben der Menschen auslöschte. Die Maler in seinem Doppelporträt waren nicht verführbar, sie wurden Opfer wie HEISIG, quasi nur auf der anderen Seite der Barrikade und sie starben, während HEISIG überlebte. Aber dieses Überleben muss der Maler stets auch als Chance begriffen haben, malend zu beschreiben, was die Getöteten nicht mehr sehen konnten, was die Wahnsinnig-Gewordenen nicht mehr hören wollten, was den Erniedrigten die Sprache verschlagen hatte. Insofern ordnet sich HEISIG mit seinem Doppelporträt in die Tradition jener Malerei ein, die von NUSSBAUM, LIEBERMANN und so vielen anderen vertreten wurde und wird und die es zu bewahren gilt.
Ausstellungen (Auswahl):
1973, 1985, 1997 – in Leipzig
1973 – in Dresden
1977 – „documenta 6“ in Kassel
1979 bis 1980 – in Halle
1986 – in Bonn
1989 bis 1990 – in Bonn und München; umfassende Retrospektive
1994 – in Herford und Reutlingen
1996 – in Goslar
Auszeichnungen (Auswahl):
1965 – Preis des Illustrationen-Wettbewerbs der Internationalen Buchkunstausstellung in Leipzig (iba) für seine Illustrationen zu BERTOLT BRECHTs „Mutter Courage“;
Goldmedaille der iba für die Lithografie-Folge „Der faschistische Albtraum“
1970 – Kunstpreis der Stadt Leipzig
1971 – Preis der Intergraphik
1972 – Nationalpreis der DDR 2. Klasse (1989 zurückgegeben)
1978 – Nationalpreis der DDR 1. Klasse (1989 zurückgegeben)
Werke (Auswahl):
1960 – „Die Barrikade“, „Pariser Märztage“, I, II
1965 – „Faschistischer Alptraum“
1969 – „Festung Breslau - Die Stadt und ihre Mörder“
1970 – „Der Brigadier“
1971 – „Lenin“
1977 – „Beharrlichkeit des Vergessens“
1981 – „Ardennenschlacht“, „Der Zauberlehrling II“
1986 – „Christus verweigert den Gehorsam“
Porträts u. a.:
1973 – „Vaclac Neumann“
1986 – „Peter Ludwig“, „Henri Nannen“, „Helmut Schmidt“