Hinter der Auswahl, Anordnung und Abstimmung der bildnerischen Mittel
sind Ordnungsprinzipien
auszumachen, die charakteristisch für eine jeweilige Epoche sind
und den individuellen Stil eines Künstlers kennzeichnen. Kompositionssysteme
folgen einerseits geometrischen Prinzipien und andererseits der Psychologie
des menschlichen Sehens, gefühlsmäßig aus der Sicht des
Künstlers.
Bei der Analyse eines Gemäldes untersucht man die Einzelteile als
solche und ihr Verhältnis zueinander. Diese Beziehungen bestimmen
die Gesamtwirkung einer Komposition.
Zu den formalen wirkungsrelevanten Aspekten gehören:
Technische Gesichtspunkte werden durch den individuellen Umgang des Malers mit den von ihm verwendeten Materialien, z. B. dem unterschiedlichen Farbauftrag (lasierend - deckend - pastos etc.) bestimmt.
Beispiel für einen Bildaufbau
DÜRERs Selbstporträt
lässt die geometrische Proportionierung (Wirkung der Figur) erkennen.
So bildet der Kopf mit den fallenden Haaren ein gleichseitges Dreieck.
Dabei fällt die Spitze des Dreiecks mit der Mitte des oberen Bildrahmens
zusammen. Der pyramidiale Aufbau wird durch die Teilung des Bildes nach
dem goldenen Schnitt
in ein Quadrat - ausgehend von der Grundlinie des Dreiecks (Kopf,
Haare) - und ein Rechteck im unteren Teil des Bildes (Mantel und
Hand) gegliedert.
Die rechte Hand in der unteren Mitte befindet sich genau in der Mittelachse
(Vertikale), während der Zeigefinger diagonal zum Herzen weist.
DÜRER verwandte warme
Farbtöne, wodurch das Bild
Harmonie ausstrahlt. Diese wird nur durch den kälteren lichtblauen
Farbton im rechten Ärmel des Mantels gebrochen. Gleichzeitig weist
diese Brechung im Ärmel diagonal auf die Hand und bildet so mit dem
linken Bildrand ein rechtwinkliges Dreieck.
Die Einhaltung der Proportionen
und die Farben ergeben eine naturgetreue Wiedergabe. Die flächige
Gestaltung, besonders des Pelzes und der Haare durch feine Pinselstriche,
die Abstimmung der Farben rot-braun, der Hell-Dunkel-Kontrast vermitteln
Plastizität und Stofflichkeit.
Der Hintergrund des Porträts ist flächig schwarz.