Bildspannung in der Beziehung der Anordnung
Beziehungen
der Anordnung
Der Betrachter erwartet dem Sehen entsprechend (mittige Sehschärfe
bei starrer Blickrichtung) die kompositionsbestimmenden Motive in der
Bildmitte
(Bild 1 und 1a).
Spannungsvoller wird der Bildaufbau, wenn ein
vorgesehenes
Hauptmotiv mehr
ins obere oder untere Drittel bzw. nach links oder rechts außen verlegt
wird (vgl. goldener Schnitt, Bild 2 und 2a).
Weiterhin wirken kompositionelle Prinzipien, z. B. Gruppierungen kontrastreich
zu einer Einzelform ebenso wie unterschiedliche Abstände zwischen den
Elementen des Bildgefüges.
Bildgegenstände, die als inhaltliche oder formale Elemente zur Sinnerfassung
oder Gliederung des Dargestellten beitragen, also Hauptmotiv und Nebenmotive,
führen je nach ihrer Anordnung zu einer Bildspannung.
Diese kann harmonisch-ruhig wirken, je stärker das Hauptmotiv in
die Bildmitte rückt, oder den Betrachter eher anregen, wenn das Hauptmotiv
stärker aus der Mitte in die Bildränder verlagert wird (vgl.
Bild 1 und 2).
Der goldene
Schnitt
Die bekannteste Proportionsregel ist der
goldene
Schnitt. Sie fand bereits in Kunstwerken
und der Architektur der Antike Anwendung und lässt sich nicht mit rationalen
Zahlen ausdrücken, sondern nur durch Konstruktion erreichen.
Der goldene Schnitt ist die Teilung einer Strecke in der Weise, dass sich
der kleinere Abschnitt (lat. minor) zum größeren Abschnitt (lat.
major) verhält, wie der größere Abschnitt zur gesamten Strecke.
Konstruktionsmöglichkeit:
Man zeichnet die Strecke AB und errichtet über B das Lot BC mit BC=
½ AB. Dann schlägt man einen Kreis um C mit dem Radius CB, der
AC im Punkt D trifft. Danach schlägt man einen Kreis um A mit dem Radius
AD. Er schneidet AB in E.
E ist der goldene Schnitt von AB (Bild 3).
½ AB = BC = CD
AE = AD
EB : AE = AE : AB
Ein Rechteck aus
Major
und
Minor wird
"goldenes
Rechteck" genannt (Bild 4).
Unterteilt man die Höhe des Menschen nach dem goldenen Schnitt, dann
liegt der Punkt E im Nabel. Dies und die Einteilung des menschlichen Körpers
in acht Kopflängen geht auf VITRUV (MARCUS VITRUVIUS POLLIO, römischer
Architekt, Ingenieur und Architekturtheoretiker, schrieb 25 v. Chr.
zehn Bücher "Über die Architektur") zurück.
Der goldene Schnitt lässt sich zwar nicht
errechnen, jedoch in einer
Zahlenreihe
andeuten, die der italienische Mathematiker LEONARDO FIBONACCI (1180-1240)
entwickelt hat. Die
arithmetische Reihe
steigt so an, dass jede Zahl die Summe der beiden vorhergehenden ist: 1,
1, 2, 3, 5, 8, 13, 21, 34, 55... Je höher die Zahl ist, desto mehr
nähert sie sich dem Goldenen Schnitt an. Die darin enthaltenen Verhältnisse
von 3:5 oder 5:8 lassen sich, auch gefühlsmäßig angewandt,
als harmonisch bezeichnen.
LE COURBUSIER (eigentlich CHARLES EDOUARD JEANNERET, 1887-1965; bedeutender
schweiz.-franz. Architekt und Architekturtheoretiker, Mitbegründer
des Purismus, Erfinder des
Modulor)
verwendete noch Mitte des 20 Jh. den auf dem Goldenen Schnitt aufbauenden
"Modulor" (lat. Modulor = Maßregler) für seine Gestaltungsprinzipien.Die Zeichnung zeigt verschiedene Möglichkeiten
der Teilung, ausgehend von einem Menschen mit Körperhöhe 183 cm
(Bild 5).
Aus dem Goldenen Schnitt lässt sich das Pentagramm
(Fünfeck) mit sich stetig nach diesem Prinzip teilenden Strecken
entwickeln (Bild 6).