

In den Jahren 1871 bis 1874 ist das Leben und Schaffen ROSSETTIs durch die Beziehung zu JANE MORRIS, Frau des Künstlers WILLIAM MORRIS (1834-1896), geprägt, die auf vielen seiner Bilder als Modell verewigt ist - zum Beispiel Proserpine (1873-77; Tate Gallery, London). In seiner letzten Lebensphase litt ROSSETTI unter Halluzinationen. Er zog sich aus der Öffentlichkeit zurück, malte und dichtete aber weiter. Am 9. April 1882 starb er im Landhaus eines Freundes in Birchington-on-Sea (Kent).
Künstlerisches Schaffen:
Pre-Raphaelite-Brotherhood
ROSSETTI war Mitbegründer der Pre-Raphaelite-Brotherhood
(PRB). Bei den Präraffaeliten handelte es sich um eine 1848
gegründete englische Künstlervereinigung, die sich gegen die
gängigen viktorianischen Kunstschulen richtete, der sich an der Malerei
der italienischen Renaissance orientierte. Der Name Präraffaeliten
suggeriert, die Künstler hätten RAFFAEL
zu ihrem Vorbild gewählt, was aber täuscht. Die Vorsilbe -pre,
also -vor deutet darauf hin, dass vielmehr
die Kunst vor RAFFAEL idealisiert wurde.
Es wurde das Mittelalter bevorzugt, wie die spätmittelalterliche
italienische Freskomalerei, aber mit der Genauigkeit des 19. Jahrhunderts
gemalt. Daneben ließen sich die Präraffaeliten auch von den
Gedichten und Malereien der Romantiker, vor allem von JOHN
KEATS (1795-1821), inspirieren. Ebenso gelten die deutschen
Nazarener um FRANZ PFORR (1788-1812),
FRIEDRICH OVERBECK (1789-1869) und LUDWIG VOGEL (1810-1870)
als Vorbilder für die Präraffaeliten. Kennzeichen
prärafaelitischer Kunst ist die Wiederentdeckung der Natur. Die
Maler studierten die Naturwissenschaften, versuchten hinter die Geheimnisse
der Natur zu kommen, die sie mikroskopisch genau abzubilden trachteten.
Sie bildeten jedoch die Natur nicht lediglich ab, sondern malten sie quasi,
indem sie, wie später die Impressionisten, die Ateliers verließen
und direkt in der Natur malten. Zweites großes Thema der Präraffaeliten
war die Religion.
Jugendstil
ROSSETTI und die anderen Präraffaeliten neigten bald einem phantasievollen
Ästhetizismus zu,
der das ästhetische Erleben der Welt (Weltflucht, schöner Schein)
ins Zentrum rückte. Ihre Motive bezogen sie meist aus literarischen
Vorlagen: der Bibel, der Artus-Sage, den Werken DANTEs, SHAKESPEAREs und
ALFRED LORD TENNYSONs.
Mit seinen poetischen Aquarellen, die in ihrer Flächigkeit und Farbgebung
an mittelalterliche Glasmalereien und Miniaturen angelehnt sind und sich
durch Detailgenauigkeit auszeichnen, beeinflusste ROSSETTI den englischen
Kunsthandwerker, Sozialreformer und Kunstschriftsteller WILLIAM MORRIS
und das Arts and Crafts Movement. In
diesem Sinne gelten die präraffaeliten auch als Wegbereiter des Jugendstils.
Ab 1858 schuf ROSSETTI großformatige Frauenbildnisse, darunter Beata Beatrix (1863; Tate Gallery, London, Bild 1), ein Gemälde, das ROSSETTI in Trauer um seine Frau malte.
DANTE ALIGHIERI
ROSSETTI und seine künstlerischen Wegbegleiter verehrten auch die
Werke des italienischen Dichters DANTE
(1265-1321) und seiner Zeitgenossen. So fertigte ROSSETTI Zeichnungen
zu Motiven aus DANTEs "Divina Commedia" an und übersetzte
Schriften aus dem Dantekreis. Der Einfluss DANTEs reicht bis in ROSSETTIs
mystisch-symbolische Lyrik hinein, die sich durch ihr ausgeprägtes
Formbewusstsein, die Ausdrucksfülle und einen dekorativen, detailverliebten
Realismus auszeichnet.
Literarischer Symbolismus
Im Stil des Symbolismus,
zu dessen Wegbereitern ROSSETTI gehörte, verfasste er den Sonettzyklus
"The House of Life", der als Klage über den Tod seiner
Frau ebenso beispielhaft für ROSSETTIs Lyrik ist, wie die Textsammlung
"Ballads and Sonnets" aus dem Jahr 1881. In seiner Dichtung
versucht er, die Spannung zwischen sinnlichem Schönheitskult und
Vergänglichkeit aufzuheben. ROSSETTIs bedeutendste Prosaschrift ist
das Künstlerbekenntnis "Hand and Soul" (1850). Auch war
er maßgeblich an der Konzeption der Präraffaeliten- Zeitschrift
"The Germ" (1850) beteiligt. Seine Neigung zum Ästhetizismus
beeinflusste u. a. WALTER HORATIO PATER (1839-1894) und OSCAR WILDE
(1854-1900).
Weitere Werke ROSSETTIs:
Bildende Kunst
Ecce Ancilla Domini (1849-50; Tate Gallery, London)
The Girlhood of Mary Virgin (1848-49; Tate Gallery, London)
Monna Vanna (1866; Tate Gallery, London)
Mariana (1868-70; Aberdeen, Art Gallery and Museum)
Astarte Syriaca (1875-77; Manchester, City Art Gallery)
Gedichte und Balladen
Übersetzungen aus dem Italienischen