






Nur ein Augenblick in der Geschichte
Die Entstehung des altägyptischen Staates wird von Historikern auf etwa 3100
v. Chr. datiert. Die eigenständige Entwicklung dieses Staates endete im Jahre
332 v. Chr., also nach rund 3000 Jahren, mit
der Eroberung des Landes durch ALEXANDER DEN GROSSEN.
Wird über Ägypten
gesprochen, dann werden häufig im gleichen Atemzug die monumentalen Königsgräber,
die Pyramiden, als bedeutendste seiner
kulturellen Zeugnisse genannt.
Dabei wird aber übersehen, dass die Zeit der Pyramiden nur etwa 190 Jahre in der 3000-jährigen Geschichte Ägyptens umfasste. In diesem relativ kurzen Zeitabschnitt, nur einem Wimpernschlag in der Geschichte, entstanden die großen Pyramiden der 3. und 4. Dynastie der Pharaonen, der altägyptischen Könige des Alten Reiches:
Pyramiden wurden von ägyptischen Königen zwar noch weitere neun Jahrhunderte bis zur 12. Dynastie zum Ende des Mittleren Reiches (1797 v. Chr.) als königliche Grabstätten erbaut. Jedoch waren diese in ihren Ausmaßen bedeutend bescheidener als die des Alten Reiches.
DJOSER
setzt sich in Sakkara ein Denkmal
Der ägyptische König DJOSER
ließ sich noch zu Lebzeiten von seinem Baumeister IMHOTEP seine Grabstätte
errichten. Es ist eine Stufenpyramide,
die als erstes monumentales Bauwerk in der Geschichte ganz
aus Stein errichtet wurde (Bild 2).
Die Pyramide besteht aus sechs aufeinander gesetzten und sich jeweils verjüngenden
Mastabas - den für Könige und
Würdenträger typischen kastenförmigen Gräbern. Die Felsblöcke,
aus denen die Pyramide erbaut ist, sind wie Ziegel behauen und übereinandergeschichtet worden. Das erinnert noch an die bis dahin übliche Ziegelbauweise.
Neben der Pyramide mit einer Grundfläche von 126 m X 105 m Seitenlänge
und 60 m Höhe befindet sich der Tempelbezirk mit Höfen und Kapellen. In einer unterirdischen
Kammer befanden sich bis in die erste Hälfte des 20. Jh. noch Teile
von Mumien, zu denen ein vergoldeter Schädel und vergoldete Fußsohlen
gehörten.
Im Inneren der Pyramide befindet sich in einer ehemals
zugemauerten Kammer eine aus Kalkstein gehauene Sitzfigur
des Königs. Sie weist als erste lebensgroße altägyptische
Steinplastik die schon deutlich herausgearbeiteten Gesichtszüge des Königs
auf.
Die ganze Anlage ist überdies reich mit
Plastiken geschmückt, die Djoser, seine Familie und verschiedene Gottheiten
darstellen.
Die Pyramiden wachsen noch
Die Pyramiden, die von den Pharaonen der 4. Dynastie erbaut werden, sind nicht nur
bedeutend größer als ihre Vorgänger.
Sie besitzen auch einen quadratischen Grundriss und echte Pyramidenform mit glatten Seitenflächen
ohne Stufen.
Die erste dieser Pyramiden ist die Rote Pyramide von Dahschur. Sie wurde von König Snofru zusammen mit der sogenannten Knickpyramide erbaut. Die Form beider Pyramiden war fortan das Vorbild für den Bau aller weiteren Königsgräber im Alten Reich.
Die Nachfolger
von SNOFRU - CHEOPS, CHEFREN
und MYKERINOS - waren die Erbauer
der bedeutendsten Pyramidengruppe in Ägypten. Sie entstand im Verlauf von
etwa 100 Jahren bei Giseh (Bild
4–6):
In der Nähe der Pyramiden wurden Totentempel
errichtet, in denen die Beisetzungsfeierlichkeiten stattfanden. Weitere Tempel
wurden den Gottheiten gewidmet, die vom in der Pyramide bestatteten Pharao besonders
verehrt wurden.
Am Rande des Pyramidenbezirkes liegen auch die Magazine
und die Kasernen der beim Bau der Pyramiden beschäftigten Arbeiter. Die über
100 m langen Kasernenräume boten etwa für 5500 Menschen Platz. Sie lassen
auch erahnen unter welchen Arbeitsbedingungen die gewaltigen Leistungen des Pyramidenbaus
erbracht werden mussten.
Der
Bau
Die Hilfsmittel, die für
den Bau der Pyramiden zur Verfügung
standen, waren sehr bescheiden, um nicht zu sagen primitiv: Hämmer aus Diorit
(ein hartes vulkanisches Gestein), Kupfersägen und -beile sowie Poliersteine
aus Quarzit.
Die Steinquader wurden während
der Überschwemmungsmonate auf dem Nil zur Baustelle transportiert. Von dort
gelangten sie dann mit hölzernen Transportschlitten, die von Hunderten von
Arbeitern gezogen wurden, über das Land. Die schweren Blöcke wurden
dann mittels aufgeschütteter Rampen aus
Gesteinsschutt und mit Holzgerüsten an
ihren vorbestimmten Platz in der Pyramide gebracht. Sie waren so genau behauen
worden, dass die Fugen zwischen ihnen weniger als 1 mm breit waren und keinerlei
Mörtel bzw. Bindemittel für ihren Zusammenhalt notwendig war.
Die Arbeit beim Bau der Pyramiden war für ihre Erbauer ein religiöses
Werk. Sie wurde vom Volk für den König geleistet, der die Verkörperung
des Weltgottes war. Dieser Gottkönig sollte
noch vom Jenseits aus seinen segensreichen Einfluss auf die Geschicke des Volkes
ausüben.
Um 2500 v. Chr. endet das
Zeitalter der großen Pyramiden. Schon SCHEPSESKAF, der letzte Pharao
der 4. Dynastie, brach mit der Tradition des Pyramidenbaus. Er ließ sich
ein Grabmal in Form eines riesigen Sarkophages (aus Stein gefertigter Sarg) neben
den Pyramiden von Sakkara erbauen.
