








Nach einer kurzen Lehrzeit bei FRANCISCO DE HERRERA, einem bedeutenden Vertreter der barocken Malerschule in Sevilla, trat er als Lehrling in die Werkstatt seines späteren Schwiegervaters FRANCISCO PACHECO ein. Von PACHECO, dem humanistisch gebildeten Verfasser des Malerei-Traktates "El Arte de la Pintura" (1649; "Die Kunst der Malerei"), einem der wichtigsten Malereitraktate Spaniens, lernte der junge VELÁZQUEZ die künstlerischen Techniken und wurde in den Themen der christlichen Ikonografie geschult. PACHECOS Haus in Sevilla war auch ein Treffpunkt für Gelehrte und Literaten, was VELÁZQUEZ entscheidend prägte.
1617 legte er die Meisterprüfung ab und wurde in die Malergilde der Stadt Sevilla aufgenommen. In seiner Frühzeit in Sevilla malte VELÁZQUEZ vor allem von den Licht- und Schatteneffekten des italienischen Künstlers CARAVAGGIO beeinflusste Genreszenen.So "Die alte Köchin" (1618, Bild 2), ein sogenanntes
Bodegón, die spanische Variante des Küchenstücks, Darstellungen
alltäglicher Küchenszenen
oder Wirtshausszenen, in denen Menschen des einfachen Volkes mit stilllebenartigen
Darstellungen verbunden wurden.
1623 berief ihn GRAF VON OLIVARES, der leitende Minister des spanischen
Königs PHILIPPs IV., an den Hof nach Madrid.
Mit höfischen Porträts, die in gemessener Haltung und Schwarz-Weiß-Tönen
der spanischen Tradition entsprachen, erlangte er die Gunst des Königs.
Anregungen für seine Malerei erhielt er um 1628 durch die Begegnung
mit dem in Madrid in diplomatischer Mission weilenden flämischen
Maler PETER PAUL RUBENS und durch einen ersten Italienaufenthalt.
VELÁZQUEZ' Karriere am spanischen Hof erreichte ihren ersten Höhepunkt 1643,
als er zum königlichen Hofmaler
ernannt wurde. 1652 erfolgte die Berufung zum Hofmarschall,
1658 wurde er in den Ritterstand
erhoben. Dieser Werdegang war in Spanien außergewöhnlich, weil
hier die Maler im 17. Jahrhundert noch den gesellschaftlichen Rang
von Handwerkern innehatten. So gilt er als bedeutendster Maler des "Sigle d'oro",
des 17. Jahrhunderts in Spanien.
Dargestellt ist die
Kapitulation Flanderns nach Monaten langer Kämpfe: Am 2. Juni 1625
übergab JUSTIN VON NASSAU den spanischen Truppen unter AMBROGIO SPINOLA
die Festung.
VELÁZQUEZ schildert eine Schlüsselübergabe, die so nie
stattgefunden hat. Gleichwohl handelt es sich hier um ein Historienbild
oder streng genommen um ein Ereignisbild, weil ein geschichtlich genau
bestimmbares Ereignis gezeigt wird und es damit von mythologischen und
religiösen Szenen, die noch der Gattung Historienbild zugerechnet
werden, abzugrenzen ist.
Der Maler der Königsfamilie sowie
der Narren und Zwerge
Im Auftrag des spanischen Hofes schuf VELÁZQUEZ unzählige
Einzel- und einige Gruppenbildnisse. Dazu gehören die in traditioneller
Weise erstellten Porträts
wie die des Königs PHILIPPs IV. (1623/28, Bild 6) oder
des Infanten DON CARLOS (1628) und die Kinderbildnisse der Infantinnen
und Prinzen mit ihren durch außergewöhnliche Beherrschung der
Maltechnik schimmernden und glänzenden Kleidern und Gewändern
("Infantin Margarete", 1659; "Prinz Felipe Prospero",1659;
wie auch "Prinz Baltasar Carlos zu Pferde", 1634/35, Bild 7).
Im Verlauf seiner Porträtmalerei
im Auftrag des Hofes wandelte sich die Malweise
des Künstlers: Von der kontrastreichen Hell-Dunkel-Malerei mit den
klaren und scharfen Konturen gelangte VELÁZQUEZ zu einer geradezu
impressionistisch zu
bezeichnenden Weise des Farbauftrags.
Kleine, leicht oder pastos aufgetragene Farbakzente lockerte er durch
Bindungen mit Weißtönen auf und erzielte damit eine unvergleichliche
Wirkung der Stofflichkeit und Materien.