Werkzeuge
für den Farbauftrag
Werkzeuge sind:
- Haar- oder Borstenpinsel in flacher oder runder Ausführung,
- Spachtel und Messer,
- Lappen und Schwämme.
Diese Werkzeuge hinterlassen die unterschiedlichsten "Werkspuren"
auf dem Bild. Einige Künstler sind bereits an ihrem Farbauftrag,
dem Duktus (lat. = Führung), zu erkennen.
Wie kann man die verschiedenen Malweisen
feststellen?
Unter Malweise versteht man die
verschiedenen Arten des Farbauftrags auf einen Bildträger.
Keine Werkspuren, keine Pinselstriche u. a. lassen darauf schließen,
dass ein linearer Stil (Bild 1)
vorliegt. DÜRERs Bild "am Weiher" lässt keine Malspuren
erkennen.
Scheint der Untergrund durch, ist es ein
lasierender
Farbauftrag. Deutlich wird das im
Gemälde von CÉZANNE "Knabe mit roter Weste" (Bild 2).
Ein
malerischer
Stil zeigt sichtbare Pinselstriche, die in verschiedene Richtungen verlaufen
(Bild 3).
Die Farbe ist fleckhaft oder
punktartig
aufgebracht, wie es z. B. in SEURATs Gemälde "Das Fort Samson
in Grandcamp" (Bild 4) zum Ausdruck kommt.
SEURAT entwickelte um 1885 den
Pointillismus,
indem er das Bild in die einzelnen Farbpunkte aus Komplementärfarben
zerlegte (Video 1).Getupfter oder
gestrichelter
Farbauftrag lässt das Bild plastisch, lebendig erscheinen. Das
spiegelt das Selbstporträt VAN GOGHs deutlich wider (Bild 5).
Farbe wird auch aufgespritzt
(Bild 6) wie es das Bild von POLLOCK zeigt. Das kann mit Zufallswerkzeugen
geschehen, wie Stöcken, Besen oder Stoffbahnen. POLLOCK selbst nannte
das von ihm entwickelte Verfahren "drip painting",
also Tropfbild. Er ließ einen mit Farbe gefüllten löchrigen
Eimer über dem Bild schwingen. Aus den Öffnungen tropfte die
Farbe. Andere nennen das Verfahren POLLOCKs deshalb
"klecksen" oder gar "kleckern".
Leicht plastische, kleinteilig differenzierte Strukturen entstehen beim
sogenannten Abklatschverfahren, der Decalcomanie
(frz. décalmaine = Abziehbild; das Bild entsteht, wenn ein
Papierbogen auf ein mit feuchter Farbe bestrichenes Blatt gelegt und wieder
abgezogen wird).
Die
deckende
Malweise zeigt eine einheitliche Farbschicht, im Gegensatz zum stark
verdünnten, lasierenden Farbauftrag, der die darunter liegenden Schichten
durchscheinen lässt (Bild 7).
Malt man auf ungrundiertem Grund nennt sich das
"Primamalerei"
(ital. alla prima = von Beginn an).
Auf die plastische Wirkung einer Fläche zielt ein pastoser
(ital. pastos = teigig) Auftrag (Bild 8).
Modellierpasten, Strukturgelees mit Quarzpartikeln, Flocken oder Kunststofffasern,
Sand und Gips als Grundierungen lassen Bilder reliefartig erscheinen.
Mehrschichtiges Malen
bedeutet, dass auf einer Untermalung, die die Form- und Farbgebung des
Bildes vorbereitet, eine oder mehrere Übermalungen folgen können.
Es wird stets fett auf mager gemalt, d. h., bindemittelreiche Farbe
wird auf bindemittelarme Farbe aufgetragen.
Bildträger
Als
Bildträger können
alle zwei- und dreidimensionalen Körper und Flächen bezeichnet
werden. Grundsätzlich unterscheidet man die Wand-, Buch- und Tafelmalerei,
wobei Künstler des 20. Jh.s auch Menschenkörper u. zweckfremde
Gegenstände als Bildträger verwendet haben.
Die Wiege der Malerei liegt in der prähistorischen
Höhlenmalerei, als Wände mit Tiermotiven und Jagdszenen versehen
wurden.
Die
Wand- und Deckenmalerei
besaß in allen Stilepochen einen hohen Stellenwert (Bild 9).
Sie ist eng mit der Entwicklung der Architektur und der Raumauffassung verknüpft.
Eine moderne Form dieser Malerei sind die Varianten des
Graffiti
(Bild 10).
Die
Buchmalerei,
die gemalte oder gezeichnete Ausstattung von Handschriften und Büchern,
entwickelte sich vorrangig in Klöstern, wo Mönche auf Pergament
kalligrafisch Schrift mit ornamentalen und figürlichen Motiven verbunden
auf Buchseiten malten. Bereits in den
Buchrollen
des Altertums waren Buchmalereien meist in den Text eingeschaltet oder dienten
als Randzeichnungen zur Veranschaulichung des Textes, z. B. auf ägyptischen,
griechischen und römischen Papyrusrollen.
Mit der Erfindung der Papierherstellung und dem
Buchdruck
ist die Buchillustration verbunden (Bild 11).
Die Tafelmalerei,
sogenannt, weil sie nicht an Wände gebunden ist, umfasst eine Vielzahl
beweglicher Bildträger, wie Leder, Holz, Metall, Leinwand, Pergament,
Papier, Pappe, Kunststoffe u. a. Bis in die Renaissance wurden
für die Malerei mit Gips oder Kreide grundierte Holztafeln verwendet.
Dann wurde die Leinwand,
die über einen hölzernen Keilrahmen gespannt wurde, zum wichtigsten
Bildträger bis in die Gegenwart (Bild 12).
Malkonzepte
Neben der Art des Farbauftrages und des verwendeten Bildträgers bestimmt
die
Malkonzeption den Gesamteindruck
eines Bildes.
Drei sehr unterschiedliche Mal- oder Farbkonzepte können den Gesamteindruck
eines Bildes prägen.
- Koloristisch (lat. coloratus
= farbig) ist ein Bild, wenn die Buntheit der Farben, ihre Sättigung
und Intensität seine Wirkung ausmachen. Die Farbe hat vor
der konturierenden Zeichnung den Vorrang. Den ästhetischen Eigenwert
der Farbe erkannten bereits M. GRÜNEWALD, später vor allem
RUBENS, VERONESE, E. DELACROIX und W. TURNER. Die entscheidende
koloristische Malerei begann mit dem Impressionismus und dessen Nachfolgerichtungen
(Bild 13).
- Im Gegensatz dazu steht das monochrome (griech. monochromatos
= einfarbig) Farbkonzept. Nur eine Farbe dominiert, die in verschiedenen
Stufen gehellt und gedunkelt werden kann. Besonders seit den 1950er-Jahren
ist die monochrome Malerei
ein Malkonzept mit dem Ziel letztmöglicher Konzentration und Vereinfachung
(Bild 14).
- Von Valeurismus (frz.
valeur = [Ton-]Wert) spricht man, wenn feinste Farbdifferenzierungen
ausgeführt worden sind und das besonders in der Gestaltung von
Licht und Schatten und Hell-Dunkel-Modulationen zur Wiedergabe von Körperhaftigkeit
(Bild 15).