Kunst
Farbauftrag und Malweise
ALBRECHT DÜRER: "Weiher im Walde"PAUL CÉZANNE: "Knabe mit roter Weste"AUGUST MACKE: "Dame in grüner Jacke"GEORGES SEURAT: "Das Fort Samson in Grandcamp"VINCENT VAN GOGH: "Selbstporträt mit grauem Filzhut"JACKSON POLLOCK: Composition No. 16JAN VAN EYCK: "Porträt des Giovanni Arnolfini"RICHARD GERSTL: "Sonnige Wiese mit Obstbäumen"Ägyptischer Maler um 1360 v. Chr.: Wandmalerei aus El-AmaranaGraffitiGIULIO CLOVIO: Colonna-MissaleTafelmalerei Meister von Moulins: "Maria mit Kind und Engeln"AUGUST MACKE: "Leute am blauen See"EGON SCHIELE: "Porträt des Arthur Rössler"GEORG FLEGEL: "Stilleben mit Nelken"
Werkzeuge für den Farbauftrag
Werkzeuge sind:

Diese Werkzeuge hinterlassen die unterschiedlichsten "Werkspuren" auf dem Bild. Einige Künstler sind bereits an ihrem Farbauftrag, dem Duktus (lat. = Führung), zu erkennen.

Wie kann man die verschiedenen Malweisen feststellen?
Unter Malweise versteht man die verschiedenen Arten des Farbauftrags auf einen Bildträger.

Keine Werkspuren, keine Pinselstriche u. a. lassen darauf schließen, dass ein linearer Stil (Bild 1) vorliegt. DÜRERs Bild "am Weiher" lässt keine Malspuren erkennen.

Scheint der Untergrund durch, ist es ein lasierender Farbauftrag. Deutlich wird das im Gemälde von CÉZANNE "Knabe mit roter Weste" (Bild 2).
Ein malerischer Stil zeigt sichtbare Pinselstriche, die in verschiedene Richtungen verlaufen (Bild 3).
Die Farbe ist fleckhaft oder punktartig aufgebracht, wie es z. B. in SEURATs Gemälde "Das Fort Samson in Grandcamp" (Bild 4) zum Ausdruck kommt.
SEURAT entwickelte um 1885 den Pointillismus, indem er das Bild in die einzelnen Farbpunkte aus Komplementärfarben zerlegte (Video 1).Getupfter oder gestrichelter Farbauftrag lässt das Bild plastisch, lebendig erscheinen. Das spiegelt das Selbstporträt VAN GOGHs deutlich wider (Bild 5).

Farbe wird auch aufgespritzt (Bild 6) wie es das Bild von POLLOCK zeigt. Das kann mit Zufallswerkzeugen geschehen, wie Stöcken, Besen oder Stoffbahnen. POLLOCK selbst nannte das von ihm entwickelte Verfahren "drip painting", also Tropfbild. Er ließ einen mit Farbe gefüllten löchrigen Eimer über dem Bild schwingen. Aus den Öffnungen tropfte die Farbe. Andere nennen das Verfahren POLLOCKs deshalb "klecksen" oder gar "kleckern".

Leicht plastische, kleinteilig differenzierte Strukturen entstehen beim sogenannten Abklatschverfahren, der Decalcomanie (frz. décalmaine = Abziehbild; das Bild entsteht, wenn ein Papierbogen auf ein mit feuchter Farbe bestrichenes Blatt gelegt und wieder abgezogen wird).

Die deckende Malweise zeigt eine einheitliche Farbschicht, im Gegensatz zum stark verdünnten, lasierenden Farbauftrag, der die darunter liegenden Schichten durchscheinen lässt (Bild 7).
Malt man auf ungrundiertem Grund nennt sich das "Primamalerei" (ital. alla prima = von Beginn an).

Auf die plastische Wirkung einer Fläche zielt ein pastoser (ital. pastos = teigig) Auftrag (Bild 8).
Modellierpasten, Strukturgelees mit Quarzpartikeln, Flocken oder Kunststofffasern, Sand und Gips als Grundierungen lassen Bilder reliefartig erscheinen.
Mehrschichtiges Malen bedeutet, dass auf einer Untermalung, die die Form- und Farbgebung des Bildes vorbereitet, eine oder mehrere Übermalungen folgen können. Es wird stets fett auf mager gemalt, d. h., bindemittelreiche Farbe wird auf bindemittelarme Farbe aufgetragen.

Bildträger
Als Bildträger können alle zwei- und dreidimensionalen Körper und Flächen bezeichnet werden. Grundsätzlich unterscheidet man die Wand-, Buch- und Tafelmalerei, wobei Künstler des 20. Jh.s auch Menschenkörper u. zweckfremde Gegenstände als Bildträger verwendet haben.
Die Wiege der Malerei liegt in der prähistorischen Höhlenmalerei, als Wände mit Tiermotiven und Jagdszenen versehen wurden.
Die Wand- und Deckenmalerei besaß in allen Stilepochen einen hohen Stellenwert (Bild 9). Sie ist eng mit der Entwicklung der Architektur und der Raumauffassung verknüpft. Eine moderne Form dieser Malerei sind die Varianten des Graffiti (Bild 10).
Die Buchmalerei, die gemalte oder gezeichnete Ausstattung von Handschriften und Büchern, entwickelte sich vorrangig in Klöstern, wo Mönche auf Pergament kalligrafisch Schrift mit ornamentalen und figürlichen Motiven verbunden auf Buchseiten malten. Bereits in den Buchrollen des Altertums waren Buchmalereien meist in den Text eingeschaltet oder dienten als Randzeichnungen zur Veranschaulichung des Textes, z. B. auf ägyptischen, griechischen und römischen Papyrusrollen.
Mit der Erfindung der Papierherstellung und dem Buchdruck ist die Buchillustration verbunden (Bild 11).

Die Tafelmalerei, sogenannt, weil sie nicht an Wände gebunden ist, umfasst eine Vielzahl beweglicher Bildträger, wie Leder, Holz, Metall, Leinwand, Pergament, Papier, Pappe, Kunststoffe u. a. Bis in die Renaissance wurden für die Malerei mit Gips oder Kreide grundierte Holztafeln verwendet. Dann wurde die Leinwand, die über einen hölzernen Keilrahmen gespannt wurde, zum wichtigsten Bildträger bis in die Gegenwart (Bild 12).

Malkonzepte
Neben der Art des Farbauftrages und des verwendeten Bildträgers bestimmt die Malkonzeption den Gesamteindruck eines Bildes.
Drei sehr unterschiedliche Mal- oder Farbkonzepte können den Gesamteindruck eines Bildes prägen.
  1. Koloristisch (lat. coloratus = farbig) ist ein Bild, wenn die Buntheit der Farben, ihre Sättigung und Intensität seine Wirkung ausmachen. Die Farbe hat vor der konturierenden Zeichnung den Vorrang. Den ästhetischen Eigenwert der Farbe erkannten bereits M. GRÜNEWALD, später vor allem RUBENS, VERONESE, E. DELACROIX und W. TURNER. Die entscheidende koloristische Malerei begann mit dem Impressionismus und dessen Nachfolgerichtungen (Bild 13).
  1. Im Gegensatz dazu steht das monochrome (griech. monochromatos = einfarbig) Farbkonzept. Nur eine Farbe dominiert, die in verschiedenen Stufen gehellt und gedunkelt werden kann. Besonders seit den 1950er-Jahren ist die monochrome Malerei ein Malkonzept mit dem Ziel letztmöglicher Konzentration und Vereinfachung (Bild 14).
  1. Von Valeurismus (frz. valeur = [Ton-]Wert) spricht man, wenn feinste Farbdifferenzierungen ausgeführt worden sind und das besonders in der Gestaltung von Licht und Schatten und Hell-Dunkel-Modulationen zur Wiedergabe von Körperhaftigkeit (Bild 15).
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