
Funktionalismus
Unter Funktionalismus
versteht man das Gestaltungsprinzip in Architektur und Design, d. h.,
ein Bauwerk oder ein Gebrauchsgegenstand wird aus seiner Funktion abgeleitet.
Alle Teile eines Baus oder eines Produktes werden ihrem Zweck entsprechend
gestaltet. Form und Funktion sollen eine Einheit bilden.
Der Funktionalismus bedeutete die Überwindung von Eklektizismus und
Historismus. Die funktionale, material- und sachgerechte Formgebung von
Gebrauchsgegenständen begann mit WILLIAM MORRIS und dem Arts and
Crafts Movement. Die Zielvorstellungen des Funktionalismus wurden im Deutschen
Werkbund und am Bauhaus weiterentwickelt. Ähnlich dem Bauhaus verlief
die Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung in Ulm, wo besonders
der hier entwickelte Gedanke des Systemdesigns bis in die 1960er-Jahre
das deutsche Industriedesign beeinflusste.
Neue Tendenzen und Strömungen
des Alltags und der Technik (z. B. Weltraumfahrt, Comic usw.) fanden
Eingang in die Formensprache der neuen Ästhetik und führten
oft zu parodistischen Lösungen (Bild 1).
In Italien gründeten Designer
1976 unter der Leitung von ALESSANDRO MENDINI (geb. 1931) das "Studio
Alchemia". Der Anlass war auch hier die Unzufriedenheit mit dem rational
und wirtschaftsorientierten Massendesign. Die von der Gruppe hergestellten
Verfremdungen etablierter Möbelklassiker
erhoben mehr den Anspruch auf neuartige ästhetische Wahrnehmungen
und nicht die maximale Verkörperung der Gebrauchsfunktion.
Die 1981 entstandene Gruppe "Memphis" schockierte mit schrill bunter Farbigkeit und unbekannten Form- und Materialkombinationen. Führender Kopf der Gruppe war der erfolgreiche Industriedesigner ETTORE SOTTSASS (geb. 1917). Seine Auffassung vom Design eröffnete neue Wege fern des Diktats des Funktionalismus mit seinen sozialen Verpflichtungen. Er forderte die Wiederentdeckung des Reichtums an Formen, Materialien, Farben und Dekoren (Bild 2).