Kunst
Genremalerei (oder Sittenbild)
ADRIAEN BROUWER: "Das Schlachtfest"ANTOINE WATTEAU: "Die Schäfer"DANIEL NIKOLAUS CHODOWIECKI: "Die Wochenstube"CARL SPITZWEG: "Italienische Straßensänger"HONORÉ DAUMIER: "Wagen dritter Klasse"WILHELM MARIA HUBERTUS LEIBL: "Die Spinnerin"

Inhalt der Genremalerei oder des Sittenbildes
Als Genrebild (frz. genre = Art oder Gattung) gelten Darstellungen von Sitten und Gebräuchen verschiedener Standes- und Berufsgruppen.
Die Bilder haben keine historisch bedeutsamen Ereignisse zum Thema, auf ihnen werden Alltagsszenen wiedergegeben.
Bereits im Altertum gab es Genredarstellungen, z. B. bei ägyptischen Wandbildern oder auf griechischen Vasen.
In der Spätgotik finden sich solche Szenen in Holzschnitten, Kupferstichen und auf Wandteppichen.
Im Barock erreichte das Genrebild als eigenständige Gattung besonders in der niederländischen Malerei seinen Höhepunkt.
Im Realismus des 19. Jahrhundert gab es in Europa ein breites Spektrum der Darstellung von Szenen aus dem Alltagsleben des Adels, der Stadtbürger, Handwerker oder Bauern. Verbreitete Motive waren die Jagd, Bauernhochzeiten, Ernteeinbringung, Gasthausszenen oder Werkstattausschnitte.


Entwicklung des Genrebildes
Das abendländische Genrebild entwickelte sich aus der mittelalterlichen Buch- und Tafelmalerei (Heiligenleben, Monatsbilder). Gegenüber der Darstellung mythologischer Szenen oder der Historienmalerei galt es lange Zeit als "minderwertige" Gattung. Seinen ersten Höhepunkt erreichte das Genrebild in der niederländischen Malerei des 17. Jahrhunderts mit der Wiedergabe häuslicher Tätigkeiten und mit Schilderungen volkstümlichen Festtreibens sowie derber Wirtshausszenen mit trinkenden, spielenden und sich prügelnden Bauern (WILLEM BUYTEWECH, JACOB JORDAENS, ADRIAEN BROUWER, ADRAEN VON OSTRADE, DAVID TENIERS DER JÜNGERE, GERARD TERBORCH, JAN STEEN, GABRIEL METSU; Bild 1).Die Schilderungen geselligen Beisammenseins werden ihren Motiven nach als Gesellschaftsstücke (Konversationsstücke) bezeichnet, zu denen auch die im 18. Jahrhundert in Frankreich kreierten höfischen Fêtes galantes, Darstellungen höfischer Festgesellschaften in idyllischen Parklandschaften, gerechnet werden (ANTOINE WATTEAU, NICOLAS LANCRET, JEAN BAPTISTE PATER, FRANÇOIS BOUCHER, JEAN HONORÉ FRAGONARD; Bild 2).
Dem bäuerlichen Genre widmeten sich in Frankreich die Brüder ANTOINE, LOUIS und MATHIEU LE NAIN, dem bürgerlichen JEAN-SIMÉON CHARDIN und JEAN-BAPTISTE GREUZE.Genremaler in Italien war PIETRO LONGHI, in Deutschland DANIEL CHODOWIECKI (Bild 3).
In Spanien hatte die Genremalerei bedeutende Vertreter in DIEGO VELÁSQUEZ, BARTOLOMÉ MURILLO und FRANCISCO DE GOYA Y LYCIENTES.
In den szenischen Darstellungen menschlicher Torheit, Eitelkeit und Laster von WILLIAM HOGARTH in England klingt eine neue, satirische Komponente an.
Auch zur Zeit des Biedermeiers waren Genrebilder beliebt (GEORG KERSTING, FERDINAND GEORG WALDMÜLLER, PETER FENDI, JOSEPH FRANZ DANHAUSER, CARL SPITZWEG, THEODOR HOSEMANN; Bild 4). Die Genremalerei der Düsseldorfer Schule glitt nach sozialkritischen Ansätzen von JOHANN PETER HASENCLEVER und CARL WILHELM HÜBNER ins Anekdotische und Triviale ab.

In Frankreich trugen im 19. Jahrhundert HONORÉ DAUMIER (Bild 5), GUSTAV COURBET und JEAN-FRANÇOIS MILLET in Genrebildern sozialkritischen Aspekten Rechnung.

Zu den Höhepunkten der Genremalerei im 19. Jahrhundert gehören die Werke von ÉDOUARD MANET, EDGAR DEGAS, CLAUDE MONET, AUGUSTE RENOIR, PAUL CÉZANNE, PAUL GAUGIN, VINCENT VAN GOGH und HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC, in Deutschland Bilder von ADOLPH MENZEL, WILHELM LEIBL (Bild 6) und MAX LIEBERMANN.

Im 20. Jahrhundert erlangte die Genremalerei noch einmal Bedeutung durch Künstler wie PABLO PICASSO und MARC CHAGALL. Genrehafte Züge tragen z. T. auch die von sozialem und politischem Engagement getragenen Werke von KÄTHE KOLLWITZ, OTTO DIX, RENATO GUTTUSO, JOSÉ CLEMENTE OROZCO und DAVID ALFARO SIQUEIROS.

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