



hergestellt wurde. Diese Platten hatten zum Teil ein Relief bis zu fünf
Millimeter Tiefe und konnten mittels einer Druckvorrichtung vervielfältigt
werden.
Die Münzpressung
ist eine Vervielfältigungsart mithilfe von Metalldruckformen. Von
besonderer Bedeutung war die Gleichartigkeit
der Abdrücke und die schon seitenverkehrte Ausarbeitung des
Entwurfs. In allen diesen Druckvorgängen entstanden zunächst
plastische, reliefartige Abformungen.
Steinabreibung
Das aus China stammende Verfahren der Steinabreibung
ist das wahrscheinlich erste farbverwendende
Druckverfahren, welches den Bedruckstoff Papier benutzte. Ähnlich
wie die Farbübertragung von Tontafeln auf Seide erfolgte, wurde vermutlich
dieses Verfahren in der Han-Dynastie (206 v. Chr. bis 220 n. Chr.) weiterentwickelt.
In eine Steinplatte wurde die Zeichnung als Relief
herausgearbeitet. Das angefeuchtete und präparierte Papier wurde
mit verschiedenen Hilfsmitteln, z. B. harten Pinseln, solange in
das Relief gedrückt, bis es genau die eingeschnittenen Formen wiedergab.
Das getrocknete Papier wird auf der Rückseite auf den hervortretenden
Teilen mit Farbe überzogen und macht so die geschnittenen Formen
sichtbar. Der Vorteil des Verfahrens lag vor allem darin, dass es keine
Seitenverkehrung gab. Mithilfe des Steinabriebs konnten bildhafte
und schriftliche Informationen in größeren Mengen ohne Inhaltsverlust
oder Verfälschungen verbreitet werden. Bis in das 6. Jh. n. Chr.
war das Abreiben von Bildern und Texten ein geläufiges Druckverfahren.
So wurden später auch die Porträts von hohen Staatsbeamten in
Stein geschnitten und durch das Abriebverfahren verbreitet.
Der Holzschnitt
Etwa 105 n. Chr. wurde in China das Papier erfunden. Das war die Voraussetzung
für die Entstehung des Holzschnitts
(Bild 2). Einem kaiserlichen Erlass aus der Sui-Dynastie
(581-618 n. Chr.) zufolge sollten die Schriftzeichen und
Bilder seit 593 nicht mehr in Stein gehauen, sondern aus Holzplatten
als Negativbild herausgeschnitzt werden. Diese ersten Drucke waren
Sie dienten vor allem der Verbreitung buddhistischer
Texte. Der Holzplattendruck verbreitete sich rasch in Ostasien.
Seit 770 gab es ihn z. B. in Japan. Die Song-Dynastie
(960-1278) kannte bereits reich illustrierte Bücher in Blockdruck,
d.h. Bild und Text wurden auf einem Block geschnitten und gedruckt.
Seit dem 12. Jahrhundert wurde in Ostasien bereits mehrfarbig gedruckt.
In Europa kannte man zu jener Zeit erst den Stempeldruck.
Der Holzdruck entwickelte sich hier erst im 15. Jh meist als Einblattholzschnitt,
d. h., man druckte Einzelblätter als Andachtsbilder,
die später auch mit Gebettexten versehen waren.
Buchdruck
Mittels Blockdruck entstanden Bücher. Zunftmäßig organisierte
Berufe, wie
übernahmen die Fertigung.
Der Buchdruck um 1400 war also arbeitsteilig organisiert.
Verbreitet war der sogenannte Linienschnitt, der der Linienführung der Zeichnung folgte. Später kam die Schraffierung hinzu, die dem Druck Räumlichkeit verlieh und Hell-Dunkel-Partien schuf.
Im 16. Jahrhundert entwickelte man den
Clair-Obscur-Holzschnitt, einen
Holzschnitt mit mehreren Platten, wobei die erste Platte zumeist den (schwarzen)
Linienschnitt enthielt, mit der zweiten, dritten usw. Platte farbliche
Abstufungen gedruckt werden konnten.
Weil das Holz als Druckstock
bei der künstlerischen Umsetzung der Zeichnung - den Intentionen
des Künstlers - an seine Grenzen stieß, nutzte man auf
eine neue Technik, den Kupferstich.
Der Holzschnitt verlor zwar seine Stellung als dominierende Drucktechnik,
er blieb aber über Jahrhunderte hinweg im Bewusstsein der Künstler.
Er wurde im Jugendstil durch Anregungen japanischer Holzschnittkunst wieder
vermehrt aufgegriffen und hier sowie im Expressionismus
zu neuer Meisterschaft geführt.
Maler und Grafiker der Künstlergruppen "Brücke" und
"Der blaue Reiter", wie ERICH HECKEL (1883-1970), FRANZ
MARC (1880-1916), EMIL NOLDE (1867-1956), ERNST LUDWIG KIRCHNER
(1880-1938), MAX PECHSTEIN (1881-1955), GABRIELE MÜNTER (1877-1959)
und KARL SCHMIDT-ROTTLUFF(1884-1976), aber auch Künstler mit
anderen Kunstkonzepten, wie KÄTHE KOLLWITZ (1867-1945) und HAP
GRIESHABER (1909-1981) nutzten die kräftige, expressive Sprache
des Holzschnitts mit seinen scharfen Kontrasten, kräftigen Linien
und Flächen für ihre Bildaussagen. CHRISTIAN ROHLFS (1849-1938),
PABLO PICASSO (1881-1973) u. a. experimentierten mit dem neuen
Werkstoff Linoleum und entwickelten so den Linolschnitt, entdeckten den
Einplatten-Farbdruck.
Neue Drucktechniken entstehen
Der Kupferstich (Bild 3) wurde
als erstes Tiefdruckverfahren
in der Renaissance aus der Gravierkunst der Goldschmiede entwickelt. Mit
sogenannten Grabsticheln ritzten sie Dekore aus dem Metall von Rüstungen,
Schmuckstücken, Kannen etc. Die entstehende Vertiefung wurde Creux
(frz. = hohl, tief) genannt. Man erkannte, dass plane Metallplatten sich
auch gut für den Druck von Grafiken eigneten. Erste Kupferstiche
entstanden um 1430, Tiefdrucke mit Kaltnadel nach 1465. ALBRECHT DÜRER
arbeitete daneben bereits mit den neuen Ätzverfahren, z. B.
der Radierung.
Im 17./18. Jahrhundert wurden diese weiterentwickelt. Mit dem Vernis
mou (Weichgrundätzung) gelang es, dem Druck die Optik einer Kreidezeichnung
zu verleihen.
Für die Crayon-Manier (Kreidemanier), deren Erfinder JEAN CHARLES FRANCOIS ist, werden spezielle Werkzeuge benötigt, um dem fertigen Druck einen zeichnerischen Gestus zu geben. Man verwendet
Seit etwa 1740 experimentierte FRANÇOIS in dieser Technik. Die
Aquatinta entstand 1765/68, als man begann, nicht nur Linien, sondern
auch ganze Flächen zu ätzen. Als Erfinder dieser Technik gilt
JEAN-BAPTISTE LE PRINCE (1734-1781). FRANSISCO DE GOYA (Bild 4) brachte
diese Technik vor allem in seinem Zyklus "Desastres de la Guerra"
(deutsch: "Schrecken des Krieges") zu einer besonderen Meisterschaft.
Flachdrucktechniken
entstanden durch das von ALOIS SENEFELDER (1771-1834) im Jahre 1798
entwickelte Verfahren der Lithografie
(Bild 5). Dieses Verfahren ist zwar ein wenig zeitaufwendig, es
hat aber den Vorteil, dass man den Druckstein, den Lithostein, mehrfach
verwenden kann. Das Verfahren wurde schnell beliebt, weil die Künstler
nun auch mit gewohnten Zeichengeräten, wie Feder und Kreide, arbeiten
konnten. HONORÉ DAUMIER benutzte das Verfahren für seine berühmt
gewordenen Karikaturen und HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC für seine Plakate
und für die damalige Zeit freizügigen Darstellungen von Frauen
des Pariser Kneipenmilieus. Im 20. Jh. nutzten die Expressionisten
die Lithografie (u. a. EDVARD MUNCH, ERNST LUDWIG KIRCHNER, EMIL
NOLDE). Auch KÄTHE KOLLWITZ arbeitete mit der Lithografie. Sie griff
viele sozialkritische Themen auf, klagte mit ihrer Kunst bessere Lebensverhältnisse
für die Armen ein.
Erst in den 1960er-Jahren setzte sich mit dem Durchdruck in Form des Siebdruckes ein neues Verfahren als künstlerische Drucktechnik durch. Es wurde vor allem durch die Pop-Art-Künstler verwendet. Dabei entstehen flächig wirkende Grafiken. Mit dem Siebdruckverfahren arbeiteten u.a. WILLI BAUMEISTER (1889-1955), HENRI MATISSE (1869-1954), ROY LICHTENSTEIN (1923-1997), ANDY WARHOL (1928-1987), VICTOR VASARELY (1908-1997), ROBERT RAUSCHENBERG (geb. 1925) sowie in jüngerer Zeit u. a. FRIEDENSREICH HUNDERTWASSER (1928-2000), KEITH HARING (1958-1990) und ELVIRA BACH (geb. 1951).