Kunst
Gestaltung in der Architektur: Form
Canadian Museum of CivilizationReichstagskuppel in BerlinJüdisches Museum in BerlinFuge als Textur im Mauerwerk

Gestaltung
Unter Gestaltung sind Entwurf und Prozess zur Herstellung eines bewusst geformten Kunstwerkes (Bild, Plastik, Bauwerk, Designobjekt) zu verstehen. In der Architektur hat Gestaltung elementare künstlerische Prinzipien mit Statik und Konstruktion zu verbinden.

Gestaltung
Form
Raum
Licht
Farbe

Form
Unter Form wird die äußere Erscheinung eines Bauwerkes verstanden, seine Struktur, die Gesamtheit seiner Elemente und ihre Beziehungen untereinander. Der Zweck eines Baues beeinflusst die Form. Die Form wird zum Ausdrucksträger (Bild 1). Sie fungiert als Träger


Selbst die einfachsten architektonischen Bauten erzeugen durch die Notwendigkeit, bestimmte Funktionen erfüllen zu müssen, Formprobleme. Entscheidungen über

bestimmen wesentlich die Gestaltung. Hinzu kommen ökonomische Erwägungen (Energie und Material sparend, kostengünstig) und die Wünsche der Auftraggeber, die die Ideen zur Formgebung beeinflussen. Trotzdem hat der Architekt gerade bei sogenannten "Sonderbauten" (Kommunalbauten und sakrale Bauwerke) einen ausreichenden gestalterischen Spielraum, seine Ideen zu verwirklichen.

Der Charakter der Materialien bestimmt entscheidend die Form, den Raum und den Eindruck der Architektur. Im "Löwentor" von Mykene (13. Jh. v.Chr., Bild 4) wird mit den Mitteln der Steingröße und der Steinbearbeitung die im Hintergrund wirkende Macht des Bauherren deutlich. In die gewaltigen Ausmaße des Zyklopenmauerwerkes ist das Löwenrelief als besondere Betonung des Eingangs eingefügt. Der beabsichtigte Ausdruck wird in den Eindruck von Unbezwingbarkeit der Festung und Dauerhaftigkeit verwandelt. Auch bei der Architektur moderner Bankgebäude werden diese Mittel der Quantität von Steinen, der kostbaren und sorgfältigen Verarbeitung und der Aufmerksamkeit heischenden, in die Straße vorragenden Portalkonstruktionen verwendet.

Materialien haben also einen symbolischen Gehalt. Sie können

verkörpern. Die Bedeutungen von Holz, Stein, Beton, Metall, Stoff oder Kunststoff verändern sich mit Technologie und Kultur. Ihre Grundeigenschaften und ihre Festigkeit bleiben jedoch weit gehend unverändert. So wird das Material nach

ausgewählt. Strapazierfähig, Dampf diffundierend, aber doch wasserdicht, frostbeständig, fleckresistent, umweltverträglich und vor allem recyclingfähig beispielsweise sind die Anforderungen für Fußbodenbeläge kommunaler Bauwerke.

Auf die Formwahrnehmung hat auch die Stärke des Materials Einfluss. Dickere Mauern z. B. vermitteln durch das Massive den Eindruck von Sicherheit und Dauerhaftigkeit. "Dünnes" Material, das u. a. in den Raumtragwerken (Gitterschalen, Netze usw.) Verwendung findet, wirkt leicht, elegant, schwerelos und poetisch.

Die Oberflächenstruktur (Textur), die Bearbeitungsspuren des Materials, geben der Form und dem Raum den eigentlichen Charakter, seinen "Status" und seine "Temperatur". Material kann zart oder robust, weich oder hart sein. Bei entsprechender Oberflächenbehandlung - z. B. beim Schliff - kann dasselbe Material glatt oder rauh, matt, satiniert oder glänzend sein. Handwerkliche Präzision beim Verlegen von Ziegelmauerwerk erzeugt die Fuge als wichtige Textur, die ein Muster ergibt und auch die Wandfläche gliedert (Bild 5). Römische Maurer verwendeten im Altertum eine gemischte Mauerkonstruktion im Wechsel aus grob behauenen Steinen und Schichten gleichmäßiger Ziegel. Fenster und Maueröffnungen wurden mit Ziegelreihen umrahmt. Auf diese Weise steigerte die Textur die Form- und Zierwirkung.
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