Das
Format
In Malerei und Grafik wählen die Künstler bewusst die Größe
der Bildfläche (Format; lat. Formatum = das Geformte, das Genormte,
das Geordnete). In das Format gehen die ausdrucksbestimmenden Richtungswerte
(Hochformat, Querformat, zentriertes Format ...) und Begrenzungslinien ein.
Das
Bildformat ist wesentlich
mitbestimmend für die Motivbetonung.
Beim
Tafelbild
herrscht das rechteckige Hoch- oder Querformat vor dem Quadrat, dem Dreieck
oder dem Tondo (kreisrundes Format, Rundbild) vor. Tondo war ein beliebtes
Format in der Florentiner Kunst des 15. und 16. Jahrhunderts.
Daneben gibt es Kombinationen, z. B. Hochformat mit Spitzbogen oder
Halbkreis als oberem Abschluss oder völlig eigenwillige und mehrteilige
Formate.
Oft werden bei der Untersuchung von Kunstwerken
Kompositionslinien
in unterschiedlichen Richtungen nachvollzogen, die bewusst oder unbewusst
konstruiert wurden. So kann die Gliederung eines rechteckigen Formats
randparallel erfolgen. Es ergeben sich die
Senkrechte
und die Horizontale. Die das Bild vertikal Halbierende, die Mittelsenkrechte,
ergibt eine Symmetrie mit der Wirkung von Ausgewogenheit (Bild 1).
Solche symmetrische vertikale oder horizontale Teilung kann sowohl harmonisch
als auch eintönig wirken, weshalb Künstler den Schwerpunkt des
Bildes häufig bewusst aus der Mitte verlagerten und damit ein sogenanntes
"optisches Gleichgewicht" erzielten (Bild 2). Bei einer Gliederung mittels der Diagonalen entsteht
eine dynamische Wirkung.
Die Kompositionslinien, die nicht immer deutlich zu erkennen sind, sondern
auch fiktiv sein können durch bewusst gesetzte Blickpunkte, die das
Auge lenken, helfen zu erkennen, wo der Künstler Schwerpunkte im Bild
gesetzt hat.
Es gibt aber auch weitaus kompliziertere geometrische Kompositionsfiguren,
die einen starken symbolischen Charakter besitzen. Dazu gehören der
Halbkreis und der Kreis als Zeichen der Vollkommenheit des Himmels, das
Quadrat, das die Erde symbolisiert und das Dreieck - das Zeichen
für göttliche Dreifaltigkeit.
Diese Figuren fanden, auch in Kombination, besonders in der Renaissance
Anwendung, während im Barock Diagonalen, Ellipsen und gedrehte Figuren
Kompositionsprinzipien in Verbindung mit extremen Perspektiven und uneinheitlichen
Lichtquellen waren (Bild 3 und 4).
Solche Schemata sind also charakteristisch für verschiedene Epochen
und geben damit auch Auskunft über das jeweilige Weltbild und geistige
Haltungen.
Kompositionsfiguren einzeichnen.
Wirkung von
Bildelementen im Format
Wesentlich für die Wirkung eines Gemäldes sind die Größe
und die Anzahl der
Bildelemente
im Format.
Einzelne Elemente können auf der Bildfläche z. B. unübersehbar,
besonders wichtig oder isoliert wirken. Eine Vielzahl von Bildelementen
strahlt eher Unruhe aus, besonders, wenn diese unterschiedlich ausgerichtet
sind. Die Größe der Bildelemente ruft in direkter Abhängigkeit
zur Formatgröße Wirkungen von winzig klein bis riesengroß,
das Format "sprengend" hervor (Bild 5 und 6).