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Sakralbau:
Profanbau:
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Gotische Kathedralen scheinen dem Himmel zuzustreben. Somit symbolisieren sie Gottesnähe. Durch neuartige Bauweise gelang es, die Mittelschiffe enorm hoch zu bauen. Die Marienkirche in Lübeck z. B. besitzt mit ihrem 40 m hohen Mittelschiff das höchste gemauerte Backstein-Kirchenschiff der Welt.
Die gotische Architektur verlor an Schwere, die hohen
Kirchenschiffe, die lang gestreckten Fenster und Portale mit ihren Spitzbögen
(Bild unten) und Maßwerken (Bild
oben) ließen die Gebäude geradezu grazil erscheinen. Und das,
obwohl die Baumeister noch nicht über schriftliche Überlieferungen
der Statik verfügten. Mittelalterliche Baumeister gaben ihre Erfahrungen
mündlich an Schüler und Kollegen weiter. Im Inneren der Kirchen
sorgten Pfeiler, die in den Gewölberippen aufgingen, für die
nötige Höhe (inneres Strebewerk, Bild 1,7). Das äußere
Strebewerk mit Strebepfeiler und Strebebögen diente dazu, den Gewölbeschub
nach außen abzuleiten.

gotisches Spitzbogengewölbe (Kreuzrippengewölbe)
Die Abteikirche von Saint-Denis nördlich von Paris ist der Gründungsbau der Gotik. Der Abt SUGER (1081-1151) ließ sie nach eigenen Plänen als dreischiffige Basilika aus romanischen Teilen umbauen. 1137-1140 wurden Fassade und Vorhalle errichtet, anschließend, 1140-1143, der Chor mit Umgang und Kapellenkranz. Abt SUGER bemerkte über die kunstvoll erbaute Kirche, ihre Architektur könne den
"Geist zum Ursprung des Lichtes, zum wahren Licht hinführen, dessen Pforte Christus selber ist".
Der Mittelteil der Kirche blieb noch bis ins nächste Jahrhundert bestehen. PIERRE DE MONTREUIL erbaute Hochchor, Quer- und Langhaus im hochgotischen "Rayonnantstil" (1) .
(1) Rayonnantstil: (von franz. rayonnant: strahlend), Bezug nehmend auf die strahlenförmigen Speichen in den riesigen Fensterrosen der Kathedralen. Damit sollte die Helligkeit des Innenraumes durch eine weitere Auflösung der Wand gesteigert werden (Bild 2, 6).
Große Fensterflächen ließen nach Bauabschluss die Abtei
als die von SUGER beabsichtigte "Architektur
des Lichtes" erscheinen: Kreuzrippengewölbe, Stützen,
Säulen, Pfeiler kennzeichnen das Innere. Die Wandfläche des
Mittelschiffs ist dreigliedrig und besteht aus Arkaden, Emporen und Hochschifffenstern.
Äußere Strebepfeiler übernehmen die Last der Baumassen.
Die ehemalige Abteikirche Saint-Denis war seit dem 8. Jh. Grablege fast
aller französischen Könige. Abt SUGER, Staatsminister LUDWIGs
VI., veranlasste das Begräbnis seines Königs in dieser Kirche.
Zwischen 1211 und 1300, auf dem Höhepunkt der gotischen Architektur, wurde die Kathedrale Notre Dame ("Unsere Liebe Frau") in Reims (Bild 7) erbaut. 1210 war ihr romanischer Vorläufer bei einem Brand zerstört worden. Der Wiederaufbau im gotischen Stil als dreischiffige Basilika
begann ein Jahr später. Die mit Reliefs und Figuren reich verzierte Westfassade misst 48,80 m. Oberhalb der Hauptrosette zeigt die "Galerie der Könige" die Taufe CHLODWIGs I. sowie Statuen seiner Nachfolger. Die Höhe des Langhauses erreicht mit 38 m nicht die Höhe der Kathedrale von Armiens (43 m), ist aber höher als der Vorbildbau der Hochgotik, Notre-Dame de Chartres (Bild 2). Das Gewicht des Gewölbes und des Daches ruht auf lediglich vier Säulen. Eindrucksvoll ist der vergrößerte Lichtgaden der Kathedrale. Die Kirche war einige Jahrhunderte lang Krönungskirche der französischen Könige. 1974 gestaltete MARC CHAGALL die farbigen Glasfenster neu.
Die Kathedrale Notre-Dame
in Patris (Bild 3) befindet sich auf der Île de la Cité
und gehört zu den beeindruckendsten Beispielen gotischer Architektur.
Mit dem Bau begann man 1163, allerdings dauerte der Bau insgesamt 150
Jahre. Die Kirche weist ein reich geschmücktes Westwerk mit drei
Portalen und einem schlichten Rosettenfenster auf. Charakteristisch sind
auch die ungekrönten Türme. Die Kirche war Schauplatz wichtiger
historischer Ereignisse, u. a. krönte sich NAPOLEON BONAPARTE
hier zum Kaiser.

Fassade des Kölner Doms
Der Stephansdom
in Wien wurde zwischen 1230 und 1245 als romanischer Bau begonnen (Reste
sind noch in der Westempore mit ihren Heidentürmen
enthalten), ab 1304 errichtete man den dreischiffigen Hallenchor ("Albertinischer
Chor", nach ALBRECHT II., 1330-1358, benannt) und ab 1349 das
38,9 m breite Langhaus bereits im Stil der Gotik. 1433 war der Bau
des hohen Südturmes (136,7 m) beendet. Ein seit 1450 gebauter
Nordturm wurde ab 1511 nicht mehr vollendet. Charakteristisch für
das Wahrzeichen Wiens sind die selbstständige seitliche Stellung
der Türme sowie das mächtige Steildach mit bunter Ziegelmusterung.
Ein weiteres Beispiel für gotische Kathedralen ist das Münster
St. Vincent in Bern. Es ist der bedeutendste
Sakralbau der Schweiz.
Das Gotteshaus wurde 1421 von MATTHÄUS ENSINGER im Stile der Gotik
begonnen. Es verfügt über ein dekoratives Kreuzrippengewölbe
im Hauptschiff, über Obergaden und Arkaden.

Gotisches Portal von St. Vincent in Bern (Schweiz)
Norddeutsche Backsteingotik Bild 4, 5, 9, 10) verdankt ihre Existenz dem Mangel an geeignetem Baumaterial. So entstanden originäre, äußerlich weniger reich verzierte Sakral- und Profanbauten, die bis heute das Stadtbild Norddeutschlands prägen. Dekorative Elemente stellen glasierte, verschiedenfarbige bzw. Formsteine dar. Die Backsteingotik konnte sich dank des mittelalterlichen Städtebundes, der Hanse, verbreiten. Lübeck, als "Königin der Hanse", war mit seiner Kirche St. Marien Vorbild für weitere Sakralbauten in Wismar, Rostock, Stralsund und darüber hinaus im gesamten Ostseeraum. Das Langschiff von St. Marien ist mit 40 Meter das höchste Backsteingewölbe der Welt und die Kirche selbst die drittgrößte Deutschlands.
Die St. Petrikirche in Rostock (Bild
4) ist die älteste Fischerkirche der Stadt. Sie wurde wurde erstmalig
1252 urkundlich
erwähnt. Die querschifflose Basilika wurde im Zweiten Weltkrieg stark
zerstört und seit den 1960er-Jahren schrittweise wieder aufgebaut.
In den 1990er-Jahren erhielt sie wieder ihre 117 m hohe gotische
Turmhaube.
Es entstanden nicht nur bedeutende Sakralbauten im Ostseeraum, sondern auch prächtige Profanbauten.