





Der Begriff Grafik umfasst im weitesten Sinne zunächst alle künstlerisch technischen Vorgänge, bei denen mithilfe grafischer Gestaltungsmittel künstlerisch gestaltete Blätter entstehen. Grafik ist eine Gattung der bildenden Kunst. Die Teilgebiete der Grafik sind Handzeichnung und Druckgrafik (Bild 1 und 2).

Handzeichnung
Als Handzeichnung (Bild
3) bezeichnet man die grafische Gestaltung auf der Fläche durch Linien,
Schraffuren u. a. Das Wort "Hand" im Begriff "Handzeichnung"
verweist eindeutig auf Charakter und Entstehung, denn die Hand führt
beim Zeichnen den Stift übers Papier, gesteuert von Auge und Hirn.
Die künstlerische Zeichnung kann
Die Zeichnung versteht sich in vielen Perioden der Kunstgeschichte als
unmittelbare Formulierung dessen, was der Künstler wahrnimmt oder
sich vorstellt; ihr spezifisches Kriterium ist dann die Spontaneität.
Als knappe Verkürzung auf das Wesentliche kann sich ihre Aussage
zur Chiffre verdichten. Durch Reduktion der Form mitunter bis zum Andeuten
einiger weniger Striche ist der Zeichnung das Fragmentarische eigen. Wie
bei der Handschrift spielt die Individualität des Duktus eine große
Rolle.
Die Handzeichnung bedient sich "einfacher" Mittel und ist leicht
handhabbar: Der Bildträger ist gewöhnlich Papier und das Zeichenmaterial
der Stift.
Der Mensch ist direkt beteiligt an der Entstehung der Zeichnung, nämlich
als "Handwerker". Anders als bei programmierten Systemen oder
gesteuerten Maschinen ist das "Handzeichnen" eine unmittelbare,
ja persönliche, zuweilen sogar intime Tätigkeit.
Die Linie
Die Dominanz in der Handzeichnung besitzt die
Linie. Ihre Spur auf dem Zeichengrund
umreißt Silhouetten und Konturen des Darzustellenden, sie schafft
Abgrenzungen, teilt Flächen, verdichtet sich zu Flecken, Kringeln
und Ornamenten. Der Charakter der Linie - dünn oder stark, kurz
oder lang, gerade oder schwingend - bestimmt wesentlich den Charakter
der Aussage und unterstützt den emotionalen Eindruck, den eine Handzeichnung
beim Betrachter hinterlassen kann. Gerade der sparsame und konzentrierte
Einsatz von Linien im Beschreiben eines Sachverhaltes, eines Motivs, zeugt
von einem hohen Abstraktionsvermögen des Zeichners. Auch oder gerade
beim Zeichnen ist es durchaus als eine hohe künstlerische Leistung
zu bewerten, mit wenigen Mitteln Wesentliches zu notieren. Die Arbeiten
bedeutender Künstler wie die von HENRI MATISSE (1869-1954), GUSTAV
KLIMT (1867-1918) und EGON SCHIELE (1890-1918; Bild 5) bezeugen die Ausdruckskraft
und die Faszination sparsamer linearer Zeichnungen.
Weitere Gestaltungsmittel
Die Zeichenkunst ist reich an weiteren vielfältigen Gestaltungsmitteln.
Schraffuren, Flecken und Punkte, gewischte Flächen und Korrekturspuren
steigern sich in ihrem Zusammenspiel über nuancenreiche Grautönungen
bis hin zum tiefen Schwarz. Sie können vom Zeichner beabsichtigte
Raumillusionen auf der zweidimensionalen Fläche erzeugen, stützen
und wesentlich mitgestalten. Zur Intensivierung der Aussage einer Zeichnung
verwenden viele Künstler auch farbige Kreiden, Buntstifte, Aquarellfarben
oder Tuschen (Bild 4), sogar Papiere werden eingeklebt (collagieren -
Collage). Keineswegs sind also die Zeichenmaterialien auf Bleistifte reduziert.
Zeichengründe sind oft Papiere in verschiedenen Qualitäten und Farbnuancen, Leinen und andere Materialien. Man spricht dann in Weiterführung der klassischen Kohle- oder Bleistiftzeichnungen von Mischtechniken. Den Kombinationsmöglichkeiten der Mittel sind keine Grenzen gesetzt, die Übergänge zur Malerei sind oft fließend.
Druckgrafik
Der Begriff Grafik im engeren Sinne wird oft synonym mit dem Begriff Druckgrafik
verwendet und meint im Gegensatz zur Handzeichnung die in drucktechnischen
Verfahren entstandenen und vervielfältigten Bildwerke. Die Druckgrafik
kann in Gebrauchsgrafik und Künstlergrafik unterschieden werden.
Für die bildende Kunst ist nur die Künstlergrafik
interessant.
Originalgrafik
Diese Originalgrafiken
sind eigenständig entstandene Kunstwerke und nutzen lediglich die
grafischen Drucktechniken und den Vorgang des Druckens zur Erreichung
eines bestimmten künstlerischen Ausdrucks.
Während in der Malerei und in der Plastik die einmalig geschaffenen
Kunstwerke als Original bezeichnet werden, stellt sich im Bereich der
Grafik die Frage nach dem Original anders. Die Einmaligkeit besteht hier
in der Ausarbeitung einer eigenständigen künstlerischen Idee,
die nur mithilfe drucktechnischer Verfahren umgesetzt werden kann. Als
Original-Druckgrafiken gelten deshalb alle Werke, deren Druckform bzw.
Druckvorlage vom Künstler selbst geschaffen wurde. Jedes Blatt muss
die Signatur des Künstlers tragen. Die Gesamtauflage und Seriennummer
sind mit Bleistift notiert.
Am Beginn der Druckgrafik in der Zeit der Renaissance schuf der Künstler
oft lediglich die künstlerische Idee als "entwerfender Künstler",
der "ausführende Künstler" schnitt diese ins Holz
bzw. stach sie ins Metall. So schuf ALBRECHT DÜRER für seine
ersten Holzschnitte nur die Zeichnungen, die ein anderer dann ins Holz
schnitt (Bild 1). Seine Kupferstiche und Radierungen führte er jedoch
selbst aus sowohl in der zeichnerischen Vorlage als auch in der drucktechnischen
Umsetzung. Auch PAUL CÉZANNE schuf seine Grafiken selbst als "entwerfender
Künstler" und "ausführende Künstler" (Bild
6).
Die ältesten Funde, die einem Druckvorgang zugerechnet werden können,
sind die Handabdrücke
aus steinzeitlichen Höhlen (Höhle von Gargas - 25 000 Jahre
alt, Höhle in Pech Merle - 20 000 Jahre alt, Frankreich). Hier
wurden die Hände direkt eingefärbt und abgedruckt, oder sie
wurden mithilfe von Knochenröhrchen mit Farbe umsprüht, sodass
ein Negativbild entsteht. In der Höhle von Gargas finden sich über
150 Handabdrücke. Sie werden als mystische Zeichen der Besitzergreifung
des Ortes gedeutet.
Die wahrscheinlich ältesten speziell hergestellten Druckformen waren
in Steine geschnittene Ornamente und bildhafte Zeichen, die als
gearbeitet wurden. Aus dem 4. Jahrtausend vor Christus stammen die ältesten
Funde von Stempelsteinen.
Die Bildformen wurden positiv eingeschnitten (die aufgezeichnete Linie
oder Form wird aus dem Material herausgeholt) und erzeugen beim Eindrücken
in weiches Tonmaterial einen Negativabdruck. Der Abdruck hatte neben seiner
kultischen und magischen Bedeutung
vor allem die Funktion der Besitzanzeige von
privatem Eigentum. Die ursprünglich nur als Bildform existierenden
Siegel entwickelten sich mit der Schrift zu einer Form, die beides in
sich vereinte.
In den Jahrhunderten nach Christi Geburt veränderte sich die Ringform
des Siegels zu einer kleinen Metallplatte, die von Goldschmieden aus Bronze,
Messing, Silber, Eisen oder aus Mineralien hergestellt wurde. Diese Platten
hatten zum Teil ein Relief bis zu fünf Millimeter Tiefe und konnten
mittels einer Druckvorrichtung vervielfältigt werden.
Die Münzpressung
ist eine Vervielfältigungsart mithilfe von Metalldruckformen. Von
besonderer Bedeutung war die Gleichartigkeit der Abdrücke und die
schon seitenverkehrte Ausarbeitung des Entwurfs. In allen diesen Druckvorgängen
entstanden zunächst plastische, reliefartige Abformungen.
Steinabreibung
Das aus China stammende Verfahren der Steinabreibung
ist das wahrscheinlich erste farbverwendende
Druckverfahren, welches den Bedruckstoff
Papier benutzte. Ähnlich wie die Farbübertragung von
Tontafeln auf Seide erfolgte, wurde vermutlich dieses Verfahren in der
Han-Dynastie (206 v. Chr.-220 n. Chr.) entwickelt.
In eine Steinplatte wurde die Zeichnung als Relief herausgearbeitet. Das
angefeuchtete und präparierte Papier wurde mit verschiedenen Hilfsmitteln,
z. B. harten Pinseln, solange in das Relief gedrückt, bis es
genau die eingeschnittenen Formen wiedergab. Das getrocknete Papier wird
auf der Rückseite auf den hervortretenden Teilen mit Farbe überzogen
und macht so die geschnittenen Formen sichtbar. Der Vorteil des Verfahrens
lag vor allem darin, dass es keine Seitenverkehrung gab. Mithilfe des
Steinabriebs konnten bildhafte und schriftliche Informationen in größeren
Mengen ohne Inhaltsverlust oder Verfälschungen verbreitet werden.
Bis in das 6. Jh. war das Abreiben von Bildern und Texten ein geläufiges
Druckverfahren. So wurden später auch die Porträts von hohen
Staatsbeamten in Stein geschnitten und durch das Abriebverfahren verbreitet.
Drucktechniken

Allen Drucktechniken ist
gemeinsam, dass das Bild spiegelverkehrt in die Druckstöcke eingearbeitet
wird. Die klassischen Techniken werden seit ihrer Entstehung bereits miteinander
vermischt, kombiniert.
Beim Hochdruck schneidet man die nicht
zu druckenden Flächen aus dem Druckstock heraus. Es werden nur erhabene
Linien und Flächen gedruckt.
Beim Tiefdruck (Bild 7) drucken alle
Vertiefungen in einem Druckstock. In diese wird Farbe eingebracht, indem
man die Platte einschwärzt und dann die glatten Flächen säubert.
Beim Flachdruck liegen zu druckende
und nicht zu druckende Teile auf einer Ebene.