




Der
Tempelbau
Die vornehmste Aufgabe der Architektur war der Tempelbau. Tempel bildeten den kultischen Mittelpunkt der Stadtstaaten und dienten
als schützende architektonische Hülle für das Götterstandbild.
Der eigentliche Götterkult war öffentlich und wurde an Altären zelebriert, die im Freien
standen. Die frühesten Tempel aus Holz und luftgetrockneten Lehmziegeln
stammen aus der Zeit um 800 v.Chr. Damit die empfindlichen Wände nicht
der Witterung unmittelbar ausgesetzt waren, schützte man sie durch
weit vorkragende abgestützte Dächer. Spätestens im 7. Jh. v.Chr.
entwickelte sich daraus der Säulenumgang - die Ringhalle (Peristase) - als Kunstform. Trotz Grundrissvariationen war auch die Cella - ein fensterloser Raum für das Kultbild - allen Tempeln gemeinsam.
Zunehmend wurde Stein als Baumaterial benutzt - häufig war es
Marmor - und farbig bemalt. In der Folgezeit konnte die Cella dreischiffig
sein und eine offene Vorhalle im Osten (Pronaos) und eine offene Halle im
Westen (Opisthodomus) erhalten. Unterschiede im Tempelbau ergaben sich aus
veränderten Proportionen, Maßen, Größen, der Anwendung
verschiedener Dekorationssysteme (Säulenordnungen) und der bauplastischen
Ausstattung (Bild 1).
Eine Maßeinheit, die als Berechnungsgrundlage für alle anderen Maße diente, war oft der Durchmesser einer Säule an ihrer dünnsten Stelle. Die Säulenordnungen unterscheiden sich nicht nur durch die unterschiedlichen Kapitellformen, sondern auch durch das Verhältnis von Höhe, Durchmesser und Abstand der Säulen, durch Unterschiede der Proportionen und der Dekoration von Gesims und Gebälk.
Bauwerke
In archaischer Zeit entstanden monumentale,
schlichte Tempel in dorischer Säulenordnung
(Apollotempel in Korinth; Aphaiatempel auf Ägina). Ihre Giebel
wurden mit plastischen Bildwerken, die Metopen (Zwischenfelder) zwischen
den Triglyphen (Dreischlitze) des Architravs mit Reliefs geschmückt.
Die Architektur der klassischen Zeit verfeinerte die allmählich leichter und schlanker werdenden Formen
der dorischen Tempel (Zeustempel in Olympia, Parthenon in Athen, Poseidontempel
in Sunion). Tempel in ionischer Ordnung (Erechteion in Athen, Artemistempel in Ephesus, Niketempel in Athen) kommen
in der klassischen Zeit hinzu. Im Verlauf des 4. Jh.s bis in die hellenistische
Zeit werden zunehmend Tempel in korinthischer
Ordnung (Side, Aphrodisias) gebaut.
Als Vollendung dorischer Baukunst gilt bis heute der Parthenon (447-438 v.Chr.; Grundriss 30,88 m x 69,50 m) auf der Akropolis in Athen aus der klassischen Periode (Bild 5). Der Säulenumgang besteht aus je 8 x 17 Säulen. An den Schmalseiten wird der Innenraum nochmals durch sechs Säulen vor der Vorhalle (Pronaos) und der hinteren Halle (Opisthodomos) gegliedert. Im Kernbau befindet sich die Cella, in der ehemals das Kultbild der Athena von Phidias (um 440 v.Chr.) stand, u-förmig umgeben von einem zweistöckig angeordneten Säulenumgang. Die 11 m hohe Statue der Athene war mit Goldplatten behängt, die ca. eine Tonne gewogen haben sollen. Das Gold war im Bedarfsfall abnehmbar und zu Finanzierungszwecken für die Staatskasse verwendbar.
Vollständig abgetrennt und nur von der Westseite zugänglich
liegt das "Schatzhaus" für die Weihegeschenke. Hier tragen
vier zusätzliche ionische Säulen das Dach aus Marmorziegeln.
Feine Korrekturen - winzige Abweichungen von den Horizontalen und
Vertikalen - sollten die optische Wirkung des Tempels noch steigern.
Kultgebäude wurden ab dem 4. Jh. v.Chr. häufig in
Form des Rundbaus (griech. tholos) gebaut
(Delphi, Epidaurus, Olympia).
Akropolis und Agora bildeten die beiden Zentren in der griechischen Stadt. Dafür begann man in der klassischen Periode Architekturkomplexe zu schaffen (Propyläen, Erechteion, Niketempel auf der Akropolis in Athen, Agora von Athen). Für kulturelle und sportliche Aktivitäten wurden öffentliche Bauten neben den Heiligtümern oder in den Städten errichtet: Theater (Bild 6), Gymnasien (Hallen zum Laufen), Palästren (Hallen zum Ringen und Boxen), Umkleide- und Waschräume. Die Stoa fungierte als Treffpunkt, Ladenstraße, Ausstellungs- und Schulungsraum.
Um übermäßige Terrassierungsarbeiten zu vermeiden, wurden Theater im Freien meist muschelförmig am Hang eines Hügels angelegt (Epidaurus, Pergamon). Eine Mauer, die später zu einem komplexen Gebäude ausgebaut wurde, schloss die Anlage ab (Aspendos). Im Hellenismus kommen außerdem Bibliotheken als städtische Bauwerke hinzu.