Grundaufgaben der Baustatik: Aussteifen
In Abhängigkeit von der Funktion eines Bauwerkes werden die Probleme
der Lasten und Kräfte statisch berechnet. Hinsichtlich der Baustatik
sind dabei folgende Grundaufgaben zu berücksichtigen:
- Überspannen,
- Stützen,
- Aussteifen,
- Gründen.
Für die sichere Ableitung der auf das Gebäude einwirkenden Horizontallasten
(Wind, Erddruck, Anprallasten von Autos, Erdbeben) ist das Aussteifen
eines Bauwerkes erforderlich. Aussteifungselemente sind:
- Scheiben,
- Fachwerke,
- Rahmen,
- eingespannte Stützen,
- Abspannungen.
Bei Scheiben und Fachwerken
sind die Verformungen durch horizontal wirkende Lasten sehr gering. Die
Aussteifung mit Rahmen wird nur
bei niedrigen Gebäuden (maximal drei Geschosse) angewendet,
weil die Verformung durch Biegung relativ hoch ist.
Das spektakulärste Bauwerk der Gegenwart
ist
"Taipeh 101"
(1999-2004, Architekten: C. Y. LEE & Partners, Bild 1)
- das mit 508 m Höhe höchste Gebäude der Welt in
Taiwans Hauptstadt Taipeh. Es ist 56 m höher als die Petronas
Twin Towers in Kuala Lumpur. Viele Architekten Europas lehnen diese
Gigantomanie ab, denn bei den häufigen Erdbeben bis Stärke 7
auf der Richterskala und einem Winddruck von 1,4 t/qm scheint eine
Katastrophe vorprogrammiert.
Der jadegrüne, verglaste, bambusförmige Turm ragt auf einer Grundfläche
von 62x62 m empor (Bild 2). Acht stählerne "Megasäulen",
an jeder Ecke zwei, bestehen aus 80 mm dicken Stahlwänden, die
bis zum 62. Stock mit Spezialbeton voll gepumpt wurden, um das Gebäude
gegen den Winddruck
auszusteifen. Nach
jeweils acht Stockwerken sind die Megasäulen außerdem mit
einem Kern aus weiteren 16 Säulen verstrebt. Ein der Fassadenform
angepasstes, dehnbares Gitternetz zieht sich um die Außenstützen.
Es soll die Erschütterung von Erdbeben abfedern und deren seismische
Energie absorbieren. Eine statische Neuheit ist eine 660 t schwere
Stahlkugel, die zwischen dem 87. und 92. Stockwerk wie ein Pendel
den Turm bei Erdbeben und starken Stürmen ausbalancieren soll. Trotzdem
würde der Turm bei einem starken Taifun mit einer (nicht seltenen)
Windgeschwindigkeiten von 250 km/h immer noch 1,30 m ausschlagen.
Durch das ausgesteifte
konstruktive Stahlskelett
würde der Turm jedoch standhalten.