
Doch anders als das deutsche Design mit seinem sozialen Anspruch, qualitativ
hochwertiges und dennoch preiswertes Design für breite Bevölkerungsschichten
zu schaffen, erkennt die amerikanische Marktwirtschaft
die Bedeutung des Designs für die Absatzsteigerung.
Das Styling war geboren. Einer
der bedeutendsten Vertreter des Styling war der Designer RAYMOND LOEWY
(1893-1986). Sein Anspruch, allen Dingen eine schöne Hülle
zu verpassen, führte zu zahlreichen "Modernisierungen"
schon vorhandener Produkte, um sie attraktiver und damit verkäuflicher
zu machen.
Neu war auch die Einführung von Produkten nach einer gründlichen Marktanalyse und mit erheblichem Werbeaufwand. Als Zeichen des amerikanischen Designs dieser Zeit gelten noch heute sein Coca-Cola-Zapfgerät (1947), der Grayhound-Reisebus (1954) oder seine Verpackung für Lucky Strike.
Von internationalem Einfluss waren seine Produktgestaltungen im Stromliniendesign (streamline). Anfangs förderte die Tropfenform in der Automobilbranche die Leistung und verminderte den Energieverbrauch von Verkehrsfahrzeugen durch eine bessere Aerodynamik. Doch schon bald eroberte sie den gesamten Markt der Haushaltsprodukte. Radiogeräte, Anspitzer, Möbel, Rasierer, Staubsauger usw. erhielten ein Stromliniendesign und vermittelten den Eindruck dynamischer Moderne weltweit.
Von entscheidendem Einfluss auf die Entwicklung des Designs des Nachkriegsamerika war die Arbeit des Architektenehepaares CHARLES (1907-1978) und RAY (1912-1988) EAMES. Sie experimentierten mit neuartigen Materialien, wie geformten Schichtholz oder mit Glasfieber verstärktem Kunstharz. Neben bequemen Sitz- und Ruhemöbeln entwickelten sie u. a. modulare Schrankbausysteme und beschäftigten sich mit der Suche nach Designlösungen, welche den menschlichen Grundbedürfnissen entsprechen und industrielle und handwerkliche Produktion sinnvoll miteinander verbinden. Eindrucksvolles Beispiel dafür ist ihr eigenes Wohnhaus (Case Study House Nr. 8, Nähe Los Angeles). Als die berühmtesten Möbel von CHARLES EAMES gelten bis heute der luxuriöse und bequeme Lounge Chair (1955) und die Stühle der Aluminium Group (1958).
New Bauhaus
Nach der Schließung des Bauhauses 1933 durch die Nationalsozialisten
emigrierten viele Künstler ins Ausland. WALTER GROPIUS, LUDWIG MIES
VAN DER ROHE, MARCEL BREUER und LYONEL FEININGER und LÁSZLÓ
MOHOLY-NAGY gingen nach Amerika, wo NAGY 1937 in Chicago "The New Bauhaus" gründete. Die wesentlichen Grundsätze wurden übernommen
und die Traditionen mit Ergänzungen naturwissenschaftlicher Inhalte
und maschineller Produktionstechniken fortgesetzt. Die Lehrmethoden des
Bauhauses galten für die amerikanischen Designschulen als vorbildlich
und wurden von vielen übernommen. 1944 wurde die Schule in "Institute
of Design" umbenannt.
Italien
Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich in Italien besonders auch unter der Mithilfe Amerikas die Stahlindustrie, was einen
Aufschwung der Produktion in den technischen Bereichen zur Folge hatte.
So wurden vor allem Automobile, Motorräder oder Schreibmaschinen zu
Exportschlagern. Bei diesen Produkten zeigte sich deutlich der amerikanische
Einfluss mit seinen organischen geschwungenen Formen (Vespa-Roller, Fiat 500,
Schreibmaschine "Lettera 22").
Für die enorme Entwicklung des italienischen Designs war vor allem die Zusammenarbeit kleinerer flexiblerer Produktionsbetriebe mit Architekten und Künstlern von Vorteil. So konnten vor allem die Architekten, zum Beispiel ACHILLE CASTIGLIONI (geb.1918), CARLO MOLLINO (1905-1973) oder GIÓ PONTI (1891-1979) ihre oft experimentalen, individualistischen Designentwürfe verwirklichen.
Merkmale des Designs waren dynamische,
elegante Formen, neue Materialien und Techniken, die innovative Formgebungen
ermöglichten (Bild 1).
Die wachsende Bedeutung des Designs in Italien widerspiegelte auch die
Triennale in Mailand, die sich zur wichtigsten europäischen Designausstellung
entwickelte.
Der Einfluss der internationalen Moderne zeigte sich vor allem in den Arbeiten des Dänen VERNER PANTON (1926-1998), der mit Stahldraht und starkfarbigen Kunststoffen experimentierte ("Eistütenstuhl", Ende der 50er-Jahre, "Panton Chair",1967).