Streit zwischen Kaiser und Papst
Im Streit zwischen Kaiser und
Papst seit dem 11. Jahrhundert (Investiturstreit) verlor der Kaiser
in Italien immer mehr an weltlicher Macht. Der Kaiser trachtete danach,
seinen politischen Einfluss sowohl auf die Kirche als auch auf die politisch
wie wirtschaftlich erstarkten oberitalienischen Städte wiederherzustellen,
der Papst dagegen versuchte nicht nur, dies zu verhindern, sondern seine
kirchliche Macht auf die weltliche Sphäre auszudehnen. Und auch die
wirtschaftlich erstarkten Städte wollten sich dem Kaiser nicht beugen.
Das politische Geschehen im beginnenden Duecento wurde darüber hinaus
von den Streitigkeiten zwischen Staufern und
Welfen bestimmt. Diese Faktoren wirkten sich nachhaltig auf die
italienische politische Landkarte aus:
Das Bürgertum
Das Bürgertum in Gestalt
der Kaufleute und Handwerker wurde zur neuen politischen Macht im Italien
des 13. Jahrhunderts. Der wirtschaftliche Aufschwung der Städte war
Folge der florierenden Industrie der Wolltuchherstellung. Es kam zu
Durch den Fernhandel bedingt, kehrte Wohlstand in die mittelitalienischen Stadtstaaten ein. Es gab Anfänge der Geldwirtschaft. Hier wurden die ersten Goldmünzen (Gulden) geprägt. Die Abkürzung fl. für den Gulden deutet auf ihren Ursprung hin, auf Florenz.
Eine Errungenschaft war die Erfindung der doppelten Buchführung (1), das heute fast ausschließlich verwendet wird. Die Erfindung der doppelten Buchführung gilt als Geburtsstunde des Kapitalismus.
(1) Buchführung beinhaltet die zahlenmäßige Erfassung aller wirtschaftlichen Vorgänge. LUCA PACIOLI verfasste 1494 das erste Lehrbuch für die doppelte Buchführung.
Das Bankwesen entwickelte sich und damit der einflussreiche Beruf des Bankiers. Der moderne Geldverkehr führte dazu, dass das erstarkte wohlhabende Bürgertum - neben Klerus und weltlichem Adfel - jetzt selbst zum Mäzen und Auftraggeber für die Kunst wurde.
Politisch emanzipierten sich die oberitalienischen Städterepubliken.
Sie besaßen bald eine rechtliche Sonderstellung. Besonders
Florenz und Venedig wurden zu Zentren bürgerlicher Kultur. Der Bürger
selbst bildete sich, bedingt durch den anwachsenden Handel musste er lesen,
schreiben und rechnen können. Es kam zur Gründung von Stadtschulen
und Universitäten. Dadurch veränderte sich das Verhältnis
des Menschen zur Welt.
FRANZ VON ASSISI
Auch im Inneren der Kirche gab es Veränderungen. Der Wanderprediger
und Ordensstifter FRANZ VON
ASSISI (1181/82-1226) lehrte neue Sichten auf die mittelalterliche
Welt. Statt der Anhäufung von Reichtum, wie er es bei den Bürgern
reicher Städte gesehen hatte, predigte FRANZISKUS die Armut.
"Gegen die Nacht können wir nicht ankämpfen! Aber wir können ein Licht anzünden..." (FRANZ VON ASSISI).
Hartnäckig verfolgte er seinen Weg, stellte sich gegen seinen Vater, schlug das Erbe aus, ging in die Einsiedelei. Somit wurde FRANZ VON ASSISI zu einem Vorbild für Selbstwerdung und Selbstfindung, zum Sinnbild für Freiheit der persönlichen Lebensführung und Verwirklichung der eigenen Identität. Es ging ihm darum, dass die Menschen religiöse Rührung eingedenk der Leiden Christi erführen. FRANZISKUS Vorstellungen vom brüderlichen Gott bewirkten, dass man sich Jesus als Menschensohn näherte. Diese Entwicklung innerhalb der Kirche führte dazu, dass neue Kunstauffassungen Raum greifen konnten, sich ein neuer Realismus durchsetzte, Christus als leidender Mensch dargestellt wurde.
Sizilianische Dichterschule
Die Veränderungen der Gesellschaft in den Künsten begannen sich
zuerst innerhalb der Literatur auszuwirken. Am Hofe Kaiser FRIEDRICHS
II. in Sizilien setzte sich im Duecento, nachdem es bis dahin üblich
war, in Latein zu dichten, eine volkssprachliche Tendenz (lingua volgare)
mit weltlicher Thematik durch, die Sizilianische
Dichterschule ("Scuola poetica, siciliana", 1220-1250).
Sie breitete sich nach Norden immer weiter aus, wurde zum "Dolce
Stil Nouvo" (1280-1310) der Dichter GUIDO GUINIZELLI (ca. 1235-1276),
CINO DA PISTOIA (1270-1337) und GUIDO CAVALCANTI (1255-1300)
und kulminierte in den Werken Dante Alighieris (1265-1313). Mit seinen
Werken "Divina Commedia" und "Vita Nuova" begründete
DANTE die italienische Klassik. Mit FRANCESCO PETRARCA und GIOVANNI BOCCACCIO
war DANTE einer der sogenannten tre corone. DANTE gab der neuen literarischen
Strömung "Dolce Stil Nouvo" auch ihren Namen. Dieser Stil
war gekennzeichnet durch lebensnahe Menschen. Bildende Künstler setzten
diese Ideale der italienischen Literatur in Skulpturen und Gemälden
um. Dazu betötigten sie neue Raum-, Zeit- und Perspektiverfahrungen.