Kunst
Joan Miró
JOAN MIRÓ (1893-1983)JOAN MIRÓ: "Karneval der Harlekine"JOAN MIRÓ: "Karneval der Harlekine"
JOAN MIRÓ - ein spanischer Künstler des Surrealismus
JOAN MIRÓ wurde am 20. April 1893 in Barcelona geboren (Bild 1). Sein Vater, MIQUEL MIRÓ ADZERIAS, war Goldschmied und Uhrmacher, seine Mutter, DOLORES FERRÀ OROMI, die Tochter eines Kunsttischlers aus Palma de Mallorca.
Bereits während des Besuches der Grundschule erhielt der junge MIRÓ Zeichenunterricht und so sind aus dem Jahr 1901 auch schon erste Zeichnungen MIRÓs überliefert.
Von 1907 bis 1910 besucht MIRÓ die Handelsschule in Barcelona und gleichzeitig die Kunstakademie La Lonja. Mit Beginn seiner Tätigkeit als Buchhalter erkrankt er an Typhus und zieht sich zur Genesung zurück nach Montroig, wo sein Vater ein Landhaus gekauft hatte.
MIRÓ beschließt, sich künftig ganz der Malerei zu widmen und schreibt sich an der Kunstschule von FRANCESC GALÍ ein. Erste Ölbilder entstehen und der Kunsthändler JOSEP DALMAU beginnt sich für MIRÓs Werke zu interessieren. MIRÓ hatte inzwischen zusammen mit ENRIC CRISTÒFOL RICART ein Atelier in Barcelona gemietet. 1919 reist MIRÓ erstmals nach Paris und begegnet dort auch PABLO PICASSO. 1920 lässt er sich in Paris nieder - wenngleich er immer wieder seine katalanische Heimat besucht, lebt und arbeitet in der Rue Blomet 45 und befreundet sich mit dem Künstler ANDRÉ MASSON, der sein Nachbar ist.
Über MASSON bekommt MIRÓ Kontakt zu den Pariser Surrealisten MAX JACOB, MICHEL LEIRIS und ANDRÉ BRETON und schließt sich dieser Künstlergruppe an. Die surrealistischen Arbeitsweisen und Techniken haben großen Einfluss auf seine Malerei. 1929 heiratet MIRÓ in Palma de Mallorca PILAR JUNCOSA, das Paar hat eine Tochter, MARIA DOLORES. Um diese Zeit entstehen MIRÓS erste Objekte und Collagen. Wegen des bevorstehenden Spanischen Bürgerkriegs verlässt MIRÓ mit seiner Familie Spanien und zieht nach Frankreich, zunächst nach Paris, 1939 nach Varengeville-sur-Mer in der Normandie.
1940 flieht er nach Palma de Mallorca, findet Unterschlupf bei seiner Schwester, bevor er 1942 nach Barcelona zurückkehrt. 1944 beginnt MIRÓ gemeinsam mit dem Freund seit Studienzeiten JOSEP LLORENS ARTIGAS mit keramischen Arbeiten. Im selben Jahr nimmt MIRÓ auch die Leinwandmalerei wieder auf, die er 1939 aufgegeben hatte. Von nun an arbeitet er in den verschiedensten Gattungen der Kunst: neben den großformatigen Gemälden entstehen Bronzeplastiken wie der "Monument" (1970; Bild 2), Keramiken, Buchillustrationen, Theaterausstattungen und Theaterstücke. 1983 finden zahlreiche Veranstaltungen und Ausstellungen anlässlich des 90. Geburtstags des Künstlers statt, bevor MIRÓ am 25. Dezember 1983 in Palma de Mallorca stirbt. Er wird auf dem Montjuïc-Friedhof in Barcelona beigesetzt.
MIRÓs Wege zur surrealistischen Malerei
Von 1915 bis 1919 malte MIRÓ in einem Stil, den er selbst dem Fauvismus verpflichtet sah.
Landschaftsdarstellungen wie "Montroig - Sant Ramon" (1916; New York, Kouros Gallery) in starken und kräftigen Farben oder Bilder wie "Akt mit Spiegel" (1919) zeigen aber auch mit der Zersplitterung der Formen Einflüsse der kubistischen Malerei.
Nachdem MIRÓ sich 1924 den Pariser Surrealisten um ANDRÉ MASSON, ANDRÉ BRETON und YVES TANGUY angeschlossen hatte, gab er seinen detailbetonten Realismus der vorausgehenden Jahre auf zugunsten einer assoziierenden "Traummalerei" mit fantastischen Szenerien aus biomorphen Formen, mit Strichfiguren, eingestreuten Worten und Zahlen. "Danseuse II" ("Tänzerin II", 1925) ist ein Beispiel dieser rätselhaften Bildwelten. Ein Mond, ein großes rotes Herz und eine Spinne sind in der rechten Bildhälfte auf dem blauen Grund zu erkennen. Mit der zugehörigen Fantasie lässt sich daraus eine Frauenfigur bilden, deren tänzerische Bewegung die gepunktete Linie in der linken Bildhälfte wiedergibt.
Der im Jahr zuvor entstandene "Karneval der Harlekine" (1924; Bild 3) ist eines der viel publizierten Bilder Mirós dieser Schaffensphase. Die Farbpalette ist reduziert, außer dem zeichnerischen Schwarz werden vorwiegend die Grundfarben Rot, Gelb und Blau eingesetzt.
In den Jahren ab 1935 entstehen monströse, ungeheuerliche Figurationen wie "Tête d’homme" ("Kopf eines Mannes", 1935), die in ihrer magisch beängstigenden Farbigkeit eine Bedrohlichkeit ausstrahlen, die immer wieder als Vorausahnung der Schrecken des Spanischen Bürgerkriegs gedeutet wurden.
Um 1940/41 entstehen die ersten der zahlreichen Arbeiten, die als Serie unter der Bezeichnung "Constellations" ("Konstellationen"/"Sternbilder") zusammengefasst werden. Kleinteilige, figurative und abstrakte Bildzeichen und Lineaturen überziehen wie ein Netz die Bildgründe. Erkennbar sind Vögel, Augen, kosmische Elemente wie Sterne, Sonnen oder Monde, die fortan zum bildnerischen Vokabular des Künstlers gehören werden.
Die Gouache "Ziffern und Sternbilder, in eine Frau verliebt (1941) ist als ein Beispiel zu nennen. Jene Bildwelten werden dann auch mit typisch spanischen Themen und Motiven verbunden, wie in "La course de taureaux" ("Der Stierkampf", 1945).
Poetische Titel tragen zur Rätselhaftigkeit der Bilder bei wie "La petite blonde au parc d’attractions" (Kleine Blonde im Vergnügungspark", 1950) oder "Libellule aux ailerons rouges à la poursuite d’un serpant glissant en spirale vers l’étoile-comète" ("Libelle mit roten Flügeln verfolgt eine Schlange, die in Spiralen zum Kometenstern gleitet", 1951).
Im malerischen Spätwerk werden diese einzelnen Bildelemente isoliert und immens vergrößert auf die Leinwand gebracht: 243,5 x 174 cm misst das Bild "Femme et oiseaux dans un paysage" ("Frau und Vögel in einer Landschaft", 1970-1974).


Keramik
Keramisches Arbeiten spielt im Werk JOAN MIRÓs eine bedeutende Rolle. 1944 hatte der Künstler zusammen mit dem Studienfreund und Keramiker JOSEP LLORENS ARTIGAS begonnen, in dieser Technik zu arbeiten. Es entstanden Teller, Vasen und Kannen, glasierte Bruchstücke, die zum Kunstwerk erklärt wurden und skurrile Objekt-Plastiken wie "Personnage" ("Figur", 1955).
Einem großen Publikum bekannt wurde MIRÓ aber vor allem mit seinen monumentalen Keramikfassaden und -wänden. 1955 erhielten er und ARTIGAS den Auftrag, zwei Keramikwände für das UNESCO-Gebäude in Paris zu gestalten. Es folgten weiter elf Keramikwände, unter anderem für die Havard-Universität (1960), für die Handelshochschule in St. Gallen (1964), im Solomon R. Guggenheim Museum in New York (1966), am Flughafengebäude in Barcelona (1970), im Kunsthaus Zürich (1971/72) und am Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen am Rhein (1979).


Literaturillustrationen und Theaterarbeiten
Früh zeigte der Bildkünstler MIRÓ Interesse an der Literatur und bekundete, dass ihn die surrealistischen Dichter, die ANDRÉ MASSON ihm in Paris vorstellte, oftmals mehr interessierten als die Maler der Zeit.
MIRÓ fertigte immer wieder Einzelblätter oder Blattfolgen zu Texten von unter anderem MICHEL LEIRIS und JACQUES PRÉVERT an. Eine fast lebenslange Beschäftigung MIRÓs aber galt dem Theaterstück "Ubu Roi" ("König Ubu"), das der französische Autor ALFRED JARRY in den 1880er-Jahren des 19. Jahrhunderts geschrieben hatte und das 1896 in Paris uraufgeführt wurde.
Dieses Skandalstück der europäischen Literaturgeschichte, das mit dem Wort "merdre" beginnt, was eine Verballhornung des französischen "merde" ("Scheiße") ist, war bei den französischen Surrealisten beliebt. Sie schätzten diese derben Szenen um den grotesken Tyrannen König Ubu.

1966 erschienen in einer Buchausgabe 13 Lithografien MIRÓs zum Text ALFRED JARRYs. In "Ubu aux Baléares" (Ubu auf den Balearen) aus dem Jahr 1971 verbindet MIRÓ eigene obszöne und absurde Texte mit 15 Lithografien, in "L’enfance d’Ubu" ("Die Kindheit Ubus", 1975) stellt er mallorquinischen Sprichwörtern 24 Lithografien zur Seite, die menschliche und tierische Ungeheuer wiedergeben, die bereits Züge der überlebensgroßen Puppen tragen, die MIRÓ für sein Theaterstück "Mori el Merma" ("Tod dem Tyrannen") anfertigte.
Jene neun Riesenpuppen aus verschiedenen Stoffen, Federn und Nylonschaum, in die Schauspieler schlüpften, kamen 1978 aus Anlass des Endes der Franco-Didaktur mit der Gruppe Teatre de la Claca im Teatre del Liceu in Barcelona zur Aufführung und sind heute eine Attraktion in der Fundació Joan Miró in Barcelona.
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