Kunst der Steinzeit:
Jüngere Altsteinzeit/
Jungpaläolithikum
(ca. 50 000 - 8000 v.Chr.) |
Mittelsteinzeit/
Mesolithikum
(ca. 8000-4000 v.Chr.) |
Jungsteinzeit/ Neolithikum
(ca. 7000- 3000 v.Chr. im Nahen Osten,
ca. 4000-1800 v.Chr. in Europa) |
Felskunst:
naturnahe Tierdarstellungen in Höhlen
Chauvet, ca.30 000 v.Chr.
Lascaux, ca.16 500 v.Chr.
Altamira, ca.16 000 v.Chr.
Kleinplastiken ("Venus von Willendorf", ca.30 000 v.Chr.,
Tierfiguren) |
Szenische Darstellungen mit Menschen u. Tieren an Felsüberhängen
in Sizilien u. Spanien |
Fortsetzung der Felsbildkunst,
Steingravierungen auf Felsplatten
Wandmalerei in Kulträumen
Schmuck auf Gefäßkeramik
"Große Mutter", Malta
Kleinplastiken, die Göttinnen symbolisieren
Megalithbauwerke:
(Kercado/F, West Kenneth/GB,
"Hünengräber"" Norddeutschlands,
Stonehenge /GB, Tempel /Malta und Gozo ) |
Die Lebensbedingungen in der Steinzeit
Starke klimatische Schwankungen (Warm- und Kaltzeiten/Eiszeiten) haben
die Fauna und Flora und damit die
Lebensbedingungen der Menschen in der Altsteinzeit beeinflusst. Die Gemeinschaften lebten
vom Jagen und Sammeln, waren noch nicht sesshaft und bearbeiteten Stein
zur Herstellung von Werkzeugen und Waffen. In der jüngeren Altsteinzeit
wurde durch
Klimaveränderung fast 1/3 der Festlandsoberfläche wieder mit Eis bedeckt. Die Menschen,
die gelernt hatten das Feuer zu nutzen, lebten in einer mehrere hundert
Kilometer breiten Zone zwischen Eistundra und Landschaften mit gemäßigtem
Klima. Am Rand des Eises zwischen französischer Atlantikküste,
Baikalsee und Tschuktschen-Halbinsel spezialisierten sich die Sippen der
Jäger und Sammler auf besondere
Jagdmethoden für Großwild: Rentiere, Mammuts, Wildpferde und Bisons. Nicht
nur als Nahrungsquelle, sondern auch für die Herstellung von Hütten,
Zelten und Kleidung, von Werkzeugen und anderen Gebrauchsgegenständen
wurde die erjagte Beute unverzichtbar (Bild 1). Aus diesem Grund entwickelten
die Menschen eine starke Bindung zu ihren Jagdtieren und deren vermuteten
Geistern. Die Wissenschaftler sind sich noch nicht einig, wie diese Beziehung
ausgesehen haben könnte. Sicher ist, dass
Totemismus,
Schamanismus und
Rituale eine
wichtige Rolle im Leben und bei der Entstehung der
frühen
Kunst gespielt haben müssen (Tab. 1).
Entstehung
der frühen Kunst
Längere Zeit wurde der sogenannte
"Jagdzauber" als Zweck und Anlass für
Felszeichnungen vermutet (Bild 2). Vielleicht sollte eine genaue bildliche Darstellung dem
eiszeitlichen Jäger Gewalt über das abgebildete Tier verschaffen.
Das Jagdglück wurde mit kultischem Tanz und dem Beschuss des Tierabbildes
heraufbeschworen. Malerei, Kulttanz und symbolische Tötung sollten
gleichsam eine Vorwegnahme des gewünschten Jagdverlaufes erreichen.
Eine andere These geht davon aus, dass die altsteinzeitlichen Jäger
Tiere als gleichberechtigte Lebewesen achteten. Durch die bildliche Darstellung
versuchten die Jäger, den Tiergeist vor oder nach der Tötung zu
versöhnen, zu verewigen oder vielleicht aus Angst in den Stein zu bannen.
Tiere fungierten als Schutzherren des Lebensraumes und waren als
Ahnengeister eng mit dem Ursprung der eigenen Sippe oder des Clans verbunden. Man glaubte,
dass der "Herr der Tiere" den Jägern die Jagdtiere vorenthalten
könne, wenn sie mutwillig töteten oder erlegtes Wild unehrerbietig
behandelten. Wenn aber alle mit der Jagd verbundenen rituellen Handlungen
vollzogen würden, stünde dem Erfolg nichts im Wege. Vermutlich
spielte in diesem Zusammenhang die "Verewigung" der beabsichtigten
Beute als genaues Abbild eine magische Rolle.
In der
Mittelsteinzeit (Mesolithikum)
zogen sich durch Erwärmung die Gletscher in Mitteleuropa zurück.
Neue
Wasserstände schufen viele
der noch heute existierenden geographischen Gegebenheiten - z. B.
die Abtrennung der Britischen Inseln vom europäischen Kontinent. Wälder
breiteten sich aus und behinderten die Mobilität. Der
Bogen als Jagdwaffe und das
Kanu zum Fischfang
entstanden, Hunde wurden gezähmt. Diese Wandlungen spiegeln sich in
der Kunst wider, deren wichtigste Veränderungen im Mittelmeerraum geschahen.
In der
Jungsteinzeit (Neolithikum)
erfolgte der Übergang vom Jagen und Sammeln zum Anbau von Pflanzen
und zur Zähmung und Haltung von Haustieren. Die
Landwirtschaft machte ein sesshaftes Leben notwendig und möglich. Es entstanden dauerhafte
Niederlassungen, die verlegt wurden, wenn der Boden erschöpft war.
Die Herausbildung von
Ackerbau und Viehhaltung fand in einem langen Zeitraum statt. So gab es große Unterschiede
zwischen den besiedelten Gebieten.
Während in fast ganz
Europa mittelsteinzeitliche
Menschen noch jagten und sammelten, entstanden um 7000 v.Chr. im östlichen
Mittelmeerraum und in Südosteuropa
die ersten
jungsteinzeitlichen Siedlungen. Arbeitsteilung, Handwerk und Handel bildeten sich heraus. Religiöse
Anschauungen wurden erweitert. Die Götter des Regens und der Sonne
sollten die Fruchtbarkeit des Bodens erhalten. Frauen besaßen als
Verkörperung der menschlichen Fruchtbarkeit eine geachtete und einflussreiche
Stellung. Wichtig wurde die Verehrung der Ahnen.

Im
Neolithikum gelangte die Kunst zu neuer Blüte. Mit der Erfindung der
Keramik um 6500 v.Chr. war die Grundlage zu Erschaffung von Statuetten, Gefäßen,
Reliefs und Kultgegenständen aller Art gelegt (Bild 4). Die
Architektur entstand. Erstaunlich sind noch heute die Tempel und
Megalithanlagen, Kult- und Grabbauten der Jungsteinzeit (Bild 3), die keinem unmittelbaren
alltäglichen Nutzen dienten, sondern Ideen verwirklichten.

In den Jahrtausenden der Steinzeit erfolgte ein Übergang von der Natur
nachahmenden, beschwörenden Kunst zur bewusst gestaltenden und ordnenden
Auffassung. Diese kommt auch durch die Formung und
Ornamentierung
der Keramik zum Ausdruck. Die Kunst wurde "architektonisch". Sie
schuf Räume: große - als Tempel und Grabbauten; kleine -
als Hohlräume von Gefäßen, die den Toten in die Gräber
mitgegeben wurden.