




Der nordöstliche Mittelmeerraum
An den Küsten und auf den Inseln des nordöstlichen Mittelmeerraumes
(Ägäis)
lebten um 3000 v.Chr. unterschiedliche Völker, die sich durch
einen ausgedehnten Seehandel gegenseitig beeinflussten (Bild 1). Der Tauschhandel
mit Zinn, Kupfer und der daraus gewonnenen Bronze, mit begehrten Gegenständen
aus diesen Metallen, mit Goldschmiede- und Elfenbeinarbeiten, sowie mit
keramischen Erzeugnissen blühte. Wissenschaftlich besteht keine Einigkeit,
ob diese ägäischen Kulturen bereits zur griechischen Kultur
zu zählen sind, da diese Territorien in späterer Zeit zu Griechenland
gehörten. Deshalb gibt es in der Kunstgeschichte bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt diesbezüglich keine einheitlichen Aussagen.
Kunst der Kykladen (um 3000-2000
v.Chr.)
Nach einer Inselgruppe in der südlichen Ägäis ist die Kultur
der Kykladen benannt worden. Sie ist die älteste der drei Mittelmeerkulturen.
Zunächst entwickelte sich diese Kultur durch die Insellage bedingt
ganz eigenständig. Bekannt geworden sind die sogenannten "Kykladenidole". Das sind kleine Statuetten aus Marmor, die in der frühen Phase noch
Ähnlichkeiten mit fettleibigen jungsteinzeitlichen Frauenstatuetten
aufweisen. Zunehmend werden diese kleinen Idole immer stärker vereinfacht.
Die Sitzfiguren ähneln in der Abstraktion von Kopf, Brust und Gesäß
den Formen von Streichinstrumenten. Deshalb werden sie auch als Violinidole bezeichnet. Die große Anzahl ähnlicher Figuren
lässt darauf schließen, dass damals ein Proportionskanon Verwendung
fand. Außer verschiedenen Keramikerzeugnissen, bei denen die besondere
Form der Schnabeltassen auffällt, sind zur Zeit keine weiteren bedeutenden
Kunstwerke bekannt. In der Spätzeit wird die Kykladenkultur
durch die minoische und mykenische Kultur überlagert.
Minoische Kunst
(um 3000-1200 v.Chr.)
Nach dem sagenhafte König MINOS wird die Kunst des 3. und 2. Jahrtausends v.Chr. auf
der Insel Kreta als minoisch bezeichnet. Die Insellage isolierte und schützte
diese Kultur. Als Besonderheit der Architektur gelten die verschachtelten
Grundrisse der Paläste von Knossos
(Bild 2), Malia und Phaistos. Irrgartengleich baute man relativ schmale Gänge, die ständig die
Richtung wechselten, mit Vor- und Rücksprüngen ausgestattet waren
und schließlich zum Innenhof führten. In dieser Palastarchitektur hatte vermutlich die Sage vom Minotaurus, der im Labyrinth lebte und jedes
Jahr ein schönes Mädchen forderte, ihren Ursprung.
Große Tempel waren in Kreta unbekannt. Den Göttern huldigte man an Hausaltären. Als Opfertier einer "Großen Göttin" galt wahrscheinlich der Stier. Davon zeugen Wandmalereien mit Stierspielen und Stierhörner als Kultsymbole. Bemalte, sich nach unten verjüngende Holzsäulen, die farbige Gestaltung von Türen, Fenstern, Treppen und Wänden, dazu Fußböden aus Stein, beheizbare und luftige Räume, Toiletten und Bäder deuten auf eine verfeinerte und üppige Lebensweise.
Bewegte, gut beobachtete Szenen aus Alltags-, Spiel- und Kulthandlungen schmückten die Wände der Paläste. Schlanke Jünglinge mit Wespentaille, geschmackvoll gekleidete Mädchen, springende Delfine und immer wieder Stiere sind die Motive der Fresken (Wandmalerei auf den noch feuchten Putz, Bild 3). Die Themen der minoischen Kunst sind hauptsächlich der Natur entnommen. Viele Motive liefern das die Insel umgebende Meer und die Landschaft. Vor allem auf bemalten Tassen, Krügen, Schalen und Vasen findet man Wasserpflanzen, Fische, Tintenfische, Vögel, Blumen usw. Diese bemalte Keramik gehört zu den Besonderheiten der minoischen Kunst. Die sogenannten Kamaresvasen sind auf der Scheibe gedrehte Gefäße, deren Ornamentik mit Weiß, Rot und Orange auf den schwärzlich gebrannten Tonschlicker gemalt wurde.Im plastischen Bereich gibt es mit Ausnahme von kleinformatigen Werken - vielleicht Weihegeschenken - kaum Kunstwerke mit kultischer Bedeutung und keine Herrscherplastiken wie in Vorderasien und Ägypten. Berühmt geworden ist die kleine Statuette einer Schlangengöttin (ca. 1600 v.Chr.) aus dem Palast von Knossos (Bild 4).
Mykenische Kunst (1 600-1 200 v.Chr.)Reichen Goldschmuck enthielten die von HEINRICH SCHLIEMANN in Mykene ausgegrabenen Schachtgräber. Sie deuten wie die aufwendig ausgestatteten Kuppelgräber auf einen Heroenkult. Das Schatzhaus des Atreus (Bild 6) war das berühmteste dieses Gräbertyps. Ein 35 m langer repräsentativer Korridor führte durch eine Fassade mit Eingangstür in einen Kuppelraum. Für Totenkult und Opfergaben errichtete man diesen 13,20 m hohen Raum mit falschem Gewölbe. Durch das Vorkragen und Behauen der großen Steine entstand ein richtungsloser Rundraum, von dem seitlich die eigentliche Grabkammer in den Felsen gehauen wurde.
Auch die mykenischen Paläste waren mit Wandmalereien geschmückt, die aber vorwiegend Jagd- und Kampfszenen darstellten.
Eine gestalterische Verwandtschaft zu kretischen Fresken ist nicht auszuschließen.
Im Kunsthandwerk gestaltete
man für eine reiche Oberschicht vor allem mit Gold. Getriebene Goldmasken
für die Männer und Zackendiademe für die Frauen waren wichtige
Ausstattungsstücke für die Toten.