



Der Kupferstich ist ein grafisches "kaltes" Tiefdruckverfahren. Von manuellem bzw. "kaltem" Verfahren spricht man, wenn die Vertiefungen auf der Druckplatte durch direktes Einritzen mit Radierwerkzeugen erzeugt wird.
Geschichte des Kupferstichs
Der Kupferstich (engl. copperplate engraving) wurde als erstes Tiefdruckverfahren
in der Renaissance aus der
Gravierkunst der Goldschmiede entwickelt, deshalb auch der französische
Begriff "Gravure" für den Kupferstich. Mit sogenannten
Grabsticheln (daher auch die Bezeichnung
Grabstichel- oder Linienmanier) ritzten die Goldschmiede Dekore aus dem
Metall von Rüstungen, Schmuckstücken, Kannen etc. Die entstehende
Vertiefung wurde Creux (frz. = hohl, tief)
genannt. Schon relativ früh begannen die Goldschmiede, sich ihre
Dekore auf Papier aufgedruckt zu sichern, indem sie druckbare Pasten in
die Vertiefungen einrieben und dann die Gravur mittels Druckeinwirkung
auf Papier übertrugen. Sie erkannten auch, dass plane Metallplatten
sich gut für den Druck von Grafiken eigneten und waren die ersten
wirklichen Kupferstecher. Erste Kupferstiche entstanden um 1430. ALBRECHT
DÜRER, gelernter Goldschmied, war durch seine Ausbildung bereits
vertraut mit der Gravurtechnik. Er revolutionierte den Kupferstich. Bekannte
Kupferstiche DÜRERs sind:
Technik des Kupferstichs
Für den Kupferstich werden
1 bis 3 mm starke Kupferplatten zunächst geschliffen und poliert.
Eine dünne Firnis-, Kreide- oder Wachsschicht, die auf das Metall
aufgetragen wird, soll die Negativzeichnung des Motivs sichtbar machen.
Das heißt, man legt die Zeichnung seitenverkehrt auf die Metallplatte
und überträgt sie so, dass sie auf der aufgetragenen Schicht
sichtbar wird. Dann wird mit einem Grabstichel das Motiv in das Metall
eingeritzt. Geübte Kupferstecher stechen das Motiv in den Druckstock,
ohne auf diese Weise vorzuzeichnen. Sie zeichnen direkt auf das polierte
Metall. Die entstehenden Grate werden in jedem Fall entfernt. Vertiefungen
im Metall haben die Form von Linien
(auch Schraffuren, wenn man
Flächen herausarbeiten möchte) oder Punkten. Es
lassen sich sehr feine Linien und
Punkte aus dem Material herausstechen, sodass die Optik des Kupferstichs
auch insgesamt feiner wirkt als die des Holzschnitts.
Druckprozess
Nun kann, üblicherweise mit einer zweiwalzigen Druckerpresse,
gedruckt werden. Dazu erwärmt man die Kupferplatte, sodass die Druckerschwärze
gut in die Vertiefungen eindringen kann. Anschließend wird die Platte
gesäubert, d.h. an den Stellen, die nicht drucken sollen, wird die
Druckerschwärze entfernt. In den Vertiefungen bleibt sie erhalten.
Trägt man die Druckerschwärze mit einem Stoffballen auf und
lässt an den nicht druckenden Stellen etwas Druckerschwärze
stehen, entsteht der sogenannte Lappenton
auf dem Papier, ein leichter Grauschleier.

Das angefeuchtete Papier nimmt die Druckerschwärze, die sich in
den Vertiefungen befindet, während des Tiefdruckprozesses auf. Dazu
muss jedoch ein starker Druck auf Platte und Papier ausgeübt werden.
Dazu dienen die Andruckrollen. Der entstehende Rand, der durch den Druck
auf dem Papier zurückbleibt, nennt man Plattenrand.
Die Kupferstichtechnik kann auch mit anderen Tiefdrucktechniken kombiniert werden, wie es einige Impressionisten taten, unter ihnen JEAN-BAPTISTE-CAMILLE COROT (Bild 4). Aber bereits im Barock hatte man Radierung und Kupferstich kombiniert (Bild 5).
Vorteil des Kupferstiches
Vorteil des Kupferstiches
ist, dass man hohe Auflagen drucken kann, so hat ALBRECHT DÜRER bis
zu 500 Abzüge von einem Druckstock drucken lassen. Ein weiterer Vorteil
ist, dass jede Linie ganz scharf und sauber gestochen wird, da kein Grat
auf der Platte verbleibt.
Üblich war es, das gedruckte Blatt nachträglich zu beschriften. Man benutzte französische bzw. lateinische Bezeichnungen für bestimmte Zustände des Druckes:
Anmerkungen hatten dabei die Bedeutungen
Bedeutende Kupferstecher waren:
MARTIN SCHONGAUER (um 1445-1491)
ALBRECHT ALTDORFER (1480-1538)
ALBRECHT DÜRER (1471-1528)
HANS BALDUNG GRIEN (1484/1485-1545)
LUCAS VAN LEYDEN (1494-1534)
MATTHIAS MERIAN (1593-1650)
HEINRICH ALDEGREVER (1502-1555/1561)
MICHELANGELO BUONARROTI (1475-1564)
JOST AMMAN (1539-1591)
ISRAHEL VAN MECKENEM (um 1440-1503)
REMBRANDT HARMENSZ VAN RIJN (1606-1669)
DANIEL CHODOWIECKI (1726-1801)
WILLIAM HOGARTH (1697-1764)
FRANCISCO DE GOYA (1746-1828)
KÄTHE KOLLWITZ (1867-1945)
JOHANNES WÜSTEN (1896-1943)