







Als Genre der Malerei beinhaltet diese Gattung die bildhaft künstlerische
Wiedergabe der den Menschen umgebenden unberührten oder von ihm beeinflussten
Natur. Dabei kann es sich um reine Naturlandschaften,
solche mit Zeichen menschlicher Gestaltung, Stadt- oder Industrielandschaften,
handeln.
Wiedergegeben werden die Besonderheiten einer Region, die die Künstler
aus ihrer subjektiven Sicht für darstellenswert erachten.
Entscheidenden Einfluss auf die Entwicklung der Landschaftsmalerei hatte die niederländisch-burgundische Buchmalerei, in der atmosphärische Landschaften in einheitlicher Sicht wiedergegeben sind (Brüder VON LIMBURG; Bild 3).
Zu den frühesten Darstellungen einer bestimmten Landschaft gehört die Ansicht des Genfer Sees im Petrusaltar des KONRAD WITZ ("Der wunderbare Fischzug", 1444). Jedoch erst in den Zeichnungen LEONARDO DA VINCIs und den Aquarellen ALBRECHT DÜRERs wurde die Landschaft ohne Staffage zum Studienobjekt. In der Malerei blieb sie weiterhin Schauplatz einer meist biblischen Szene, erhielt jedoch besonderes Gewicht als Träger von Stimmungen und als Sinnbild kosmischer Kräfte. Eines der frühesten reinen Landschaftsbilder nördlich der Alpen schuf ALBRECHT ALTDORFER mit "Donaulandschaft bei Regensburg mit dem Scheuchenberg", 1528 (Bild 4).Um 1600 verband ADAM ELSHEIMER diese
beiden Möglichkeiten und schuf die harmonische, sich kontinuierlich
weitende, lichterfüllte "ideale Landschaft", in deren Nachfolge
die lyrischen Kompositionen CLAUDE LORRAINs stehen. NOCOLAS POUSSIN entwickelte
die bis ins 19. Jahrhundert wirkende "heroische Landschaft"
mit antiken Architekturmotiven und mythologischen Szenen (Bild 5).
Die Landschaftsbilder der Renaissance
sind gekennzeichnet von atmosphärischen Stimmungen mittels starker
Licht-Schatten-Modulation, der Einbindung antiker Architekturelemente
und kleiner Figurengruppen, der Vereinheitlichung des Bildraums und einem
klaren Bildaufbau.
Die Romantiker suchten das
Aufgehen des Menschen in der Natur zu versinnbildlichen (PHILIPP OTTO
RUNGE, CASPAR DAVID FRIEDRICH). Zur gleichen Zeit entstand in England
mit JOHN CROME und JOHN CONSTABLE eine realistische Landschaftsmalerei,
die auf unmittelbarem Naturstudium beruhte. Ihrer Zeit voraus waren die
Landschaftsbilder WILLIAM TURNERs, in denen sich die Gegenstände
zunehmend auflösten (Bild 6).
Die Landschaftsmalerei der verschiedenen Kunstepochen verdeutlicht das sich wandelnde Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt, drückt seine Ideen und Gefühle gegenüber der Natur aus und lässt Veränderungen der gesellschaftlichen Verhältnisse erkennen. Besonders in der romantischen Malerei spiegelt sich die tiefe Liebe und Verbundenheit zur Natur wieder.
Auch die Landschaftsmalerei der Gegenwart
reflektiert die Umweltbeziehung und ökologische Zusammenhänge.
Im Zuge der vom Menschen mit verschuldeten Umweltkatastrophen und der
Zerstörung der Natur besitzen viele Werke Appellcharakter.
Die Künstler, die sich mit den unterschiedlichsten Ausdrucksformen
dem Thema Landschaft zuwenden, zeigen dabei eine breite Palette von kritisch-realistischer
Auseinandersetzung bis hin zu abstrakten Gedankenbildern.
In Japan entwickelte sich die Landschaftsmalerei
zwischen dem 8. und 11. Jahrhundert aus der buddhistischen
Malerei. Noch im 14. Jahrhundert bis zum 16. Jahrhundert können
die Tuschlandschaften
der Mönchsmaler im chinesischen Songstil, wie MINCHO, SHUBUN und
SESSHU, als Ausdruck des Zen-Buddhismus gesehen werden.
Ab Ende des 16. Jahrhunderts (Momoyamazeit) wurde die Landschaftsmalerei
zu einer selbstständigen Kunstrichtung in betont dekorativem Stil.
Um 1820 erlangte die Landschaft auch in den Farbholzschnitten des
UKIYO-E Beliebtheit (Bild 9).