



Flachdrucktechniken entstanden durch das von ALOIS SENEFELDER (1771-1834) im Jahre 1798 entwickelte Verfahren der Lithografie. Beim Flachdruck liegen zu druckende und nicht zu druckende Teile auf einer Ebene:

Dieses Verfahren ist zwar ein wenig zeitaufwendig, es hat aber den Vorteil, dass man den Druckstein, den Lithostein, mehrfach verwenden kann.
Geschichte der Lithografie
ALOIS SENEFELDER suchte
als Theaterschriftsteller eine preiswerte Möglichkeit, seine Manuskripte
zu vervielfältigen:
"Da wirst du, dachte ich, deine eigenen Geistesprodukte selbst drucken und so mit Geistes- und körperlichen Arbeiten gehörig abwechseln können",
schrieb er in seinem 1818 erschienenen Lehrbuch.Die Lithografie soll er zufällig beim Schreiben einer Wäscheliste entdeckt haben. Lange experimentierte er mit dem Kehlheimer Stein. Seine "Chemische Druckerey" erläuterte er folgendermaßen:
"Ich nahm einen reingeschliffenen Stein, bezeichnete ihn mit einem Stückchen Seife, goß dünnes Gummiwasser darüber und überfuhr ihn mit einem in Ölfarbe getauchten Schwamme. Alle mit dem Fette bezeichneten Stellen wurden sogleich schwarz, das übrige blieb weiß. Ich konnte den Stein abdrucken, sooft ich wollte; allemal nach dem Abdruck wieder benetzt, und wieder mit dem Schwamm überfahren, gab gleiche Resultate".
1818 veröffentlichte SENEFELDER sein Buch "Vollständiges
Lehrbuch der Steindruckerey".
Wie es SENEFELDER beabsichtigt hatte, wurde die Lithografie anfangs lediglich
für Text- und Notendruck verwendet. Rasch aber griffen die Künstler
das Druckverfahren auf, weil man tatsächlich wie auf Papier zeichnen
konnte.
Das Steindruckverfahren (diese Bezeichnung der Lithografie bezeichnet, wie der Kupferstich, das Material des Druckstocks) wurde schnell beliebt, weil die Künstler nun auch mit gewohnten Zeichengeräten, wie Feder und Kreide, arbeiten konnten.
HONORÉ DAUMIER (1808-1879) benutzte das Verfahren für seine berühmt gewordenen Karikaturen (Bild 1) und HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC (1864-1901) für seine Plakate und für die damalige Zeit freizügigen Darstellungen von Frauen des Pariser Kneipenmilieus (Bild 2). Im 20. Jahrhundert nutzten die Expressionisten die Lithografie u. a.
Auch KÄTHE KOLLWITZ arbeitete mit der Lithografie. Sie griff viele
sozialkritische Themen auf, klagte mit ihrer Kunst bessere Lebensverhältnisse
für die Armen ein.
Das Verfahren
Man macht sich die besonderen Eigenschaften
von Kalkschiefer zunutze. Dieser für den Druck benutzte Solnhofer
Stein (Bild 3 und 4) ist kohlensauer und kann Fett und Wasser gleich
gut aufnehmen. Als Druckplatte dient ein plan geschliffener Stein von
10-15 cm Dicke, der mit Alaun entsäuert wurde. Das Motiv wird
mit einer fetthaltigen Tusche oder Kreide direkt auf den Stein gezeichnet.
Diese Schicht verbindet sich mit der kohlensauren zu fettsaurem Kalk,
der Fett (also auch Druckerfarbe) aufnimmt, Wasser aber abstößt.
Dann wird der Stein mit einer Mischung aus Gummi
arabicum und verdünnter Salpetersäure
geätzt. Die fettfreien Stellen sind nun fettabstoßend und bleiben
druckfrei. Die getrocknete Ätzung wird mit Wasser abgespült.
Mit Terpentin entfernt man das nicht vom Stein aufgenommene Fett und streicht
den Stein mit einer Asphaltlösung
ein, um die zu druckenden Stellen zu verstärken. Nach erneuter Säuberung
ist der mit Druckerschwärze eingeriebene Stein druckbereit.
Algrafie und Zinkografie
Algrafie und Zinkografie
sind alternative Verfahren zur Lithografie. Statt eines Lithosteins benutzt
man eine gekörnte
Nach der Entsäuerung der Platte mit Oxalsäure, Alaun oder
verdünnter Salpetersäure kann man mit herkömmlichen Zeichengeräten
(Bleistift, Filzstift) auf die Platte zeichnen. Anschließend wird
die Platte geätzt, sodass sie eine fettabstoßende Schicht bekommt.
Nun kann wie bei der Lithografie gedruckt werden.
Handwerker und Künstler
Auch bei den Lithografen muss man unterscheiden zwischen dem Künstler
und dem Handwerker:
Einige Lithografen vereinigen beides in sich: Sie zeichnen und drucken.
Berühmte Lithografen waren:
ONOFRE ALSAMORA (um 1825-1870)
RICHARD PARKES BONINGTON (1802-1818)
PAUL CÉZANNE (1839-1906)
JEAN-BAPTISTE-CAMILLE COROT (1796-1875)
CHARLES-FRANÇOIS DAUBIGNY (1817-1878)
HONORÉ DAUMIER (1808-1879)
EDGAR DEGAS (1834-1917)
GUSTAVE DORÉ, auch: PAUL GUSTAVE DORÉ (1832-1883)
FRANCISCO DE GOYA (1746-1828)
ÉDOUARD MANET (1832-1883)
ADOLPH VON MENZEL (1815-1905)
CAMILLE PISSARRO (1830-1903)
AUGUSTE RENOIR (1841-1919)
HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC, eigentl.: HENRI-MARIE-RAYMOND DE TOULOUSE
LAUTREC MONFA (1864-1901)
EDVARD MUNCH
ERNST LUDWIG KIRCHNER
EMIL NOLDE
KÄTHE KOLLWITZ