


LUDWIG MIES VAN DER ROHE
Der am 27. März 1886 in Aachen geborene Architekt
und Designer LUDWIG MIES VAN DER ROHE (Bild 1) absolvierte nie
ein Architekturstudium. Er hatte jedoch früh von seinem Vater, einem
Steinmetz, viel über die Beschaffenheit von Baumaterialien gelernt.
Von 1905 bis 1907 arbeitete er bei dem auch noch jungen Architekten und
Designer BRUNO PAUL in Berlin. 1908 wurde der Architekt PETER BEHRENS
auf MIES VAN DER ROHE aufmerksam und nahm ihn in sein Büro auf.
1912 machte sich MIES VAN DER ROHE mit einem eigenen Büro selbstständig.
1930 bis zur Auflösung durch die Nationalsozialisten
im Jahr 1933 leitete MIES VAN DER ROHE das Bauhaus,
zunächst in Dessau, dann in Berlin (Bild 2). 1937 emigrierte
er in die USA und wurde von 1938 bis 1958 Leiter der Architekturabteilung
des Illinois Institute of Technology in Chicago.
1944 nahm MIES VAN DER ROHE die amerikanische Staatsbürgerschaft
an. Am 17. August 1969 starb MIES VAN DER ROHE in Chicago.
Um 1920 begann MIES VAN DER ROHE mit Entwürfen für seine Glashochhäuser
in dreieckigen oder gekurvten Formen (Berlin, Friedrichstraße),
die durch die Verwendung von Glas und Stahlbeton auf eine neuartige Leichtigkeit
und Belebung der Fassaden durch Lichtreflexe abzielten und eine Transparenz
suggerierten. Bis heute ist das Glas bestimmendes Material beim Bau
von Büro- oder Geschäftshochhäusern geblieben.
1927 errichtete MIES VAN DER ROHE erstmals einen Wohnhauskomplex in Stahlskelettbauweise:
die Appartementhäuser in der Weißenhofsiedlung
in Stuttgart (Bild 3).
Für die Weißenhofsiedlung hatten insgesamt 16 internationale
Architekten, unter anderem WALTER GROPIUS, BRUNO und MAX TAUT, PETER BEHRENS,
HANS SCHAROUN und LE CORBUSIER, unter der Leitung von MIES VAN DER ROHE
anlässlich der Werkbundausstellung 1927
die Musterhäuser entworfen und errichtet. Mit funktionalen, aufeinander
abgestimmten Proportionen wurde das Wohnviertel auf dem Stuttgarter Killesberg
zu einem bedeutenden Beispiel für den sogenannten "International Styl"
in der europäischen Architektur und Epoche machend für den Bau
von Stadtwohnungen und -häusern.
MIES VAN DER ROHEs Bedeutung als Architekt zeigte sich international mit
dem von ihm entworfenen Deutschen Pavillon
der Weltausstellung
in Barcelona 1929 (1986 rekonstruiert). Dabei verwirklichte
er konsequent seine Vorstellungen von "fließenden Räumen".
Die Wände sind ohne tragende Funktion, sie sind Versatzelemente mit
ästhetischer Bedeutung aus Edelhölzern, Marmor, Travertin, Onyx
und Glas. Die gestalterische Einheit von Innen- und Außenbau lässt
MIES VAN DER ROHEs Streben nach technischer und ästhetischer Perfektion
erkennen. Der anlässlich der Innenausstattung von MIES VAN DER ROHE
ebenfalls entworfene Sessel "Barcelona" ist zu einem der größten
Klassiker des Designs des 20. Jahrhunderts geworden. Die für
den Deutschen Pavillon gefundenen Gestaltungsprinzipien übertrug
MIES VAN DER ROHE dann im Haus Tugendhat in Brünn
(1928-1930) auf ein privates Wohnhaus.
1938 hatte MIES VAN DER ROHE einen Ruf als Professor für Architektur
an das Illinois
Institute of Technology in Chicago erhalten; 1939 begann er mit
den Entwürfen und Plänen für die Neugestaltung des Hochschulgeländes
des Illinois Institute of Technology. Charakteristisch für die Gesamtanlage
der ab 1944 errichteten Bauten sind die Gruppierung von rechteckigen,
flachen Kuben mit halb geöffneten Höfen und Passagen -
die sich den jeweiligen Erfordernissen der einzelnen Institute anpassten
-, die sichtbaren Stahlprofile und die Präzision aller Details.
Motive wie den offenen Pavillon oder große "schwebende"
Plattformen variierte MIES VAN DER ROHE in verschiedenen Bauten unterschiedlichen
Maßstabs wie in dem Privatgebäude Haus Farnsworth in Plano, Illinois
(1946-1951) oder in der Crown Hall des Illinois Institute of Technology
in Chicago.
Betonskelett und Stahlskelettkonstruktionen
bestimmen auch seine weiteren Bauten: die Promontory Apartements (1946-1949)
und die Lake Shore Drive Apartements in Chicago (1948-1951), das
Verwaltungsgebäude Seagram Building in New York
(1954-1958). Bei dem Entwurf der Neuen Nationalgalerie in Berlin
(1962-1967) griff er erneut die Pavillonform auf.