














Von Rom aus verbreiten sich die tiefräumigen, wohlgebauten, oft mythologisch staffierten "idealen Landschaften" [ADAM ELSHEIMER (1578-1610), CLAUDE LORRAIN (1600-1682)]; später entsteht die archäologische oder topographisch getreue Vedute [GIOVANNI PAOLA PANNINI (1691-1765), GIOVANNI ANTONIO CANALETTO (1697-1768), BERNADO BELOTTO, genannt CANALETTO (1721-1780)], die im "Capriccio" FRANCESCO GUARDIs (1712-1793, Bild 1) eine phantasievolle Abwandlung erfährt bzw. bei GIOVANNI BATTISTA PIRANESI (1720-1778) zur dramatischer Vision großer Vergangenheit wird.
Die Barockmalerei gipfelt in der scheinbar Innen- und Außenraum, Erde und Himmel verbindenden illusionistisch untersichtigen, apotheotischen Deckenmalerei [PIETRO DA CORTONA (1596-1669), ANDREAS POZZO (1642-1709), LUCAS GIORDANO (1634-1705), GIOVANNI BATTISTA TIEPOLO (1696-1770), FRANZ ANTON MAULBERTSCH (1724-1796)]. Insgesamt kennzeichnend ist eine neue und vielgestaltige Bildpraxis. Sie wird geprägt durch eine in der Reformation angelegte Herausforderung des Bildverständnisses, mit Konsequenzen bis zur neuartigen Verflechtung von Wort und Bild (Emblemliteratur, Buchillustration, einschließlich der sich entfaltenden wissenschaftlichen Illustration; Druckgraphik, Flugblätter).
Im Barock vollzieht sich eine fortschreitende Differenzierung der Gattungen und Genres, einschließlich der Spezialisierung von Künstlern (nicht nur in der holländischen Kunst, z. B. nur auf Stilllebenmalerei, Bild 2, Seestücke oder Bildnisse). Kennzeichnend ist ein ausgeprägt lebensnahes vergegenwärtigendes Bildverständnis mit einer entsprechend reichen Syntax und Vollkommenheit der Beobachtung und Darstellung. Das tendenziell vorherrschende Selbstverständnis des Künstlers als das eines Virtuosen in der perfekten Naturnachahmung als Resultat der Bildfantasie eines Künstlers. Hier hat auch das in der Kunsttheorie verbreitete Modus-Verständnis seinen Platz, das zum Teil zu einer neuen (akademischen) Hierarchie der Genres führte.Die Bilder fordern auf eine neue Weise die Wahrnehmungskraft des Betrachters
heraus, der die Kunst der Beobachtung und
Selbstbeobachtung auch
in seinem alltäglichen Leben brauchte. Die reiche und natürlich
wirkende Bildform begünstigte ein "... Ausleben
der Affekte im Zusehen ..." (NORBERT ELIAS,
1897-1990). Das schließt auch die Spannung zwischen Freude
an den Dingen, der Natur und der Erkenntnis einerseits und andererseits
den Zweifel an des Menschen Beständigkeit, an der Gewissheit seiner
Wahrnehmung und an seiner Fähigkeit, die Affekte zu beherrschen.
Zugleich wird die neue Fülle des Gegenständlichen, der Wahrnehmung
zugänglich, geordnet, klassifiziert, noch einmal in universelle Zusammenhänge
eingebunden (Jahreszeitfolge u. a. in der Landschaftskunst; Fünfsinn-Darstellungen
u. a. m.).
Eine wachsende Rolle begann der Kunsthandel zu spielen, mit ihm ist, besonders in Holland, die Entfaltung des "mobil" gewordenen Tafelbildes als profanes Handelsgut widersprüchlich verknüpft. Dazu gehört auch die große Bedeutung der Zeichnung und des Entwurfs, die auch Sammelgegenstand werden.
Der Wille zur monumentalen Repräsentation und zum absolutistischen Machtanspruch verliert gegen Ende der Epoche an Gültigkeit. Die Fürstenhöfe, der Adel und auch die Geistlichkeit entdecken den Reiz und die Schönheit einer Welt fern der großen Gesten des barocken Pathos. Kirchenräume werden zur Bühne gemacht. Dekoration und Plastik wirken fast überladen und mit verspielter Leichtigkeit organisiert. Die genialen Ideen eines GIOVANNI LORENZO BERNINI (1598-1680) sind nicht vergessen, leben aber in kleineren Gesamtkunstwerken fort und erfahren gelegentlich eine Spur von Witz und Ironie. Am Übergang zum Rokoko entfaltet der Barock noch einmal die ganze Fülle seiner Fantasie, die nun über Ernst, Schwere und Pathos triumphiert.
Freskomalerei
Mit der Architektur eng verbunden ist die Freskomalerei.
An den großen Kuppeln und in den Tonnengewölben der Barockkirchen
konnte sich die Malerei wieder entfalten.
In den Palästen
der mächtigen römischen Familien, der Päpste und ihrer
Nepoden fand die weltliche Kunst ihren Ausdruck.
Der düsteren Wucht der Malerei MICHELANGELO DA CARAVAGGIOs (1571-1610)
stellte der Bologneser ANNIBALE CARRACCI eine helle schönfarbige
Bildwelt entgegen, die an RAFAEL (1483-1520), MICHELANGELO (1475-1564)
und CORREGGIO (1489-1534) geschult war.
Im Festsaal des Palazzo FARNESE - einem der großartigsten Dekorationsprogramme des römischen Frühbarock - konnte CARRACCI seine Idee von einer Wiederkehr des "goldenen Zeitalters" der Renaissance am besten verwirklichen. Das Hauptbild der Deckenmalereien zeigt in dynamischer Komposition den Triumphzug des liebestrunkenen Dyonysos und der Ariadne in Begleitung orgiastischer Tänzer und Musikanten. Der Wirklichkeitsgrad zwischen Gemaltem, Reliefhaftem und Vollplastischem in figürlichen Motiven, Rahmungen der Bildfelder und Architekturelementen ist hier kaum zu unterscheiden.
Sein Können stellte CARRACCI auch in seinen Ölgemälden (Bild 3) unter Beweis.
CARRACCIs Tradition setzt PIETRO DI CORTONA mit seinem riesigen Fresko im Palazzo BARBERINI (1639) fort. Es verherrlicht die Regierung Papst URBAN VIII. als ein Geschenk der göttlichen Vorsehung. Eine illusionistisch gemalte Rahmenarchitektur gibt den Blick in den Himmel frei. Dort empfängt die Gestalt der Vorsehung die Sternenkrone der Unsterblichkeit für das Haus BARBERINI. Tugendfiguren tragen sowohl die päpstlichen Insignien als auch das Familienwappen der BARBERINI himmelan. Das Fresko ist ein Kompendium aller Gattungen und Aufgaben der Malerei und vereinigt gleichsam Figur, Landschaft, Stillleben, Historie, Mythos und Allegorie. Die Grenzen zwischen Bildwerk, Plastik und Architektur sind fließend und die Überfülle ist einem einzigen Ziel untergeordnet: der Apotheose Papst URBANs.
GIUSEPPE ANTONIO FELICE ORELLI (1706–1776) bemalte für den Palazzo Riva in Lugano die Decke (Bild 4) mit der mythologischen Szene „Selen und Endymion“, allerdings schon unter dem Einfluss von TIEPOLO.
TafelmalereiDas Selbstbildnis mit seiner
Frau (Bild 7) ist eines der wenigen Werke, in denen sein privates Glück
zum Ausdruck kommt. Sein eigentliches Thema sind aber die großen
Dramen der Bibel und der antiken Mythologie. Die ganze Dynamik und Bewegtheit
der Barockmalerei zeigt sein Bild "Höllensturz der Verdammten".
Im 18. Jh. gab es in Deutschland keinen Deutschen, der Weltgeltung erlangen konnte. Auch die Tafelmalerei des aus Frankfurt (Main) stammenden und in Italien tätigen Malers ADAM ELSHEIMER leidet oft an einer geradezu manierierten Übersteigerung der Beleuchtungsgegensätze.