







Manierismus (Maniera= soviel
wie Eigenart) als erste gesamteuropäische Kunstbewegung meint die
Werke, die, nach GIORGIO VASARI, in der "Maniera di Michelangelo"
entstanden, also den Spätstil MICHELANGELOs (Bild 1) nachzuahmen
trachteten. Es war für Jahrhunderte die letzte stilbildende Epoche,
die aus Italien kam.
Manierismus umfasst die Zeit zwischen etwa zwischen 1520 und 1600, die
durch Reformation und Gegenreformation gekennzeichnet ist.
Sacco di Roma
Der Anlass für die Abkehr vom Ideal der Renaissance war weltlicher
Natur: Die Parteinahme des Papstes KLEMENS VII. aus dem Hause der MEDICI
für Frankreich, gegen die Großmacht Spanien, führte 1527
zur Plünderung Roms (Sacco
di Roma) und zum Feldzug gegen
den Papst durch das spanisch dominierte kaiserliche Heer
KARLs V. Die Sacco di Roma, ital.: "Plünderung Roms",
begann am 06. Mai 1527 und dauerte rund einen Monat.
Auf kaiserlicher Seite nahmen teil:
Ihnen standen die Papsttruppen gegenüber:
In harten Kämpfen hatten auf kaiserlicher Seite 30 000 Mann in Norditalien gekämpft aber dafür keinen Sold erhalten, da der Kaiser zahlungsunfähig war. Die Meute drohte, gegen ihre eigenen Führer vorzugehen. Da kam den Befehlshabern die Idee, den Papst zu erpressen. Aber auch von Rom hatten sie nichts zu erwarten: Die Söldner sahen sich um ihr Entgelt betrogen und trachteten danach, sich dieses von den Einwohnern Roms zu beschaffen. Mehrere Monate lang wurden Häuser in Brand gesetzt, Bewohner Roms ermordet, ca. 90 % der Kunstschätze unwiederbringlich zerstört. Über 30 000 Menschen starben. FERDINAND GREGOROVIUS schilderte dieses Massaker in "Geschichte der Stadt Rom" (1889):
"Der Morgen des 7. Mai enthüllte einen Anblick zu furchtbar für jedes Wort: die Straßen bedeckt mit Trümmern, mit Toten und Sterbenden; brennende Häuser und Kirchen, widerhallend von Geschrei; ein gräßliches Gewühl von Raub und Flucht; trunkene Kriegsknechte belastet mit Beute oder fortschleppend Gefangene. Eine eroberte Stadt nicht nur zu plündern, sondern ihr gesamtes Volk als dem Schwert verfallen anzusehen, war damals Kriegsrecht. Kein Landsknecht würde begriffen haben, daß es unmenschlich sei, wehrlose Bürger als Kriegssklaven zu behandeln. Wer sein Leben lieb hatte, mußte es abkaufen. Mit der rohesten Einfalt schrieb der Ritter Schertlin in seinen Aufzeichnungen: 'Den 6. Tag May haben wir Rom mit dem Sturm genommen, ob 6.000 Mann darin zu todt geschlagen, die ganze Stadt geplündert, in allen Kirchen und ob der Erd genommen was wir gefunden, einen guten Teil der Stadt abgebrannt.'
Nichts und niemand wurde verschont. Die Häuser von Spaniern und Deutschen plünderte man wie die der Römer. In viele Paläste kaiserlich Gesinnter hatten sich Menschen jedes Standes geflüchtet, zu Hunderten und mehr. Die Spanier brachen sie auf, plünderten oder brandschatzten sie. So geschah es gleich in der ersten Nacht mit dem Palast des Markgrafen von Mantua und dem des portugiesischen Gesandten, wo man eine Beute von 500 000 Dukaten machte, wenn dies glaublich ist. Einige hundert Personen schützte der Kardinal Andrea della Valle in seinem großen Palast, dessen Plünderung er von Fabrizio Maramaldo um viele tausend Dukaten abkaufte. Die Geldsumme verpflichteten sich durch gerichtlichen Akt, wie überhaupt in allen solchen Fällen, die geflüchteten Personen dem Besitzer des Palasts zurückzuzahlen, nach Maßgabe der Schatzung, welche jede von ihnen betraf. "
Dieses Ereignis wirkte wie ein Schock auf die römischen Künstler
- ebenso wie Reformation und Gegenreformation auf Künstler in
Deutschland. Viele von ihnen flohen aus Rom in andere Regionen Italiens
und bis nach Frankreich. So verbreiteten sie die Formensprache MICHELANGELOs.
Schule von Fontainebleau
Der von ihm beeinflusste IL ROSSO FIORENTINO (d.i. GIOVANNI BATTISTA DI
IACOPO, 1494-1540) ging als Hofmaler nach Paris und begründete
dort die Schule von
Fontainebleau (École de Fontainebleau). In Frankreich wird
so der Manierismus genannt. In der Zeit des Manierismus baute man nördlich
der Alpen nicht mehr Burgen, sondern Schlösser. König FRANZ
I. (1515-1547) von Frankreich, ließ das Schloss Fontainbleu
von den Italienern ausschmücken. Nach ihm nennt man den neuen Stil
auch "François-premier-Stil"
(François I.-Stil). Neben FIORENTINO wirkte der Stukkateur
und Architekt FRANCESCO PRIMATICCIO (1504-1570, Bild 3) in Fontainbleu
stilbildend.
Zwischen 1590 und 1620 zeigten sich in der zweiten Schule von Fontainebleau
flämische Einflüsse (TOUSSAINT DUBREUIL, Bild 4, u. a.).
Das Werk der Radierer, Zeichner und Kupferstecher JACQUES CALLOT (1592-1635,
Bild 5) und JACQUES BELLANGE (gest.1616) ist durch diese Strömung
beeinflusst.
Tudor-Stil und Manuelismus
In England herrschten spätgotische bzw. neugotische Kunstformen vor,
die nach den Regenten bzw. Herrscherhäusern Tudor-Stil,
Elisabethanischer Stil und Jakobinischer Stil genannt werden. In Portugal
begann sich ein eigenständiger manieristischer Stil durchzusetzen,
der nach MANUEL I. (DEM GLÜCKLICHEN, 1495-1521) Manuelismus (Bild 8) bzw. Manuelinische Renaissance genannt wird.
Der Manierismus in Deutschland entstand in Auseinandersetzung mit dem
Spätrenaissancestil in Italien sowie der Spätgotik in Deutschland.
Zu Zentren der Spätrenaissance (Manierismus) wurden Ende des 16.
Jahrhunderts Süddeutschland und Österreich.
In Norddeutschland setzte sich ein von den Niederlanden beeinflusster
Stil durch.
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Merkmale des Manierismus
| Merkmale des Manierismus | Herausragendste Werke des Manierismus |
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