Merkmale und Zentralthema des Barock
Merkmale
des Barocks
Der Barock strebte im Gegensatz zum Gleichmaß der Hochrenaissance
mit seinem Reichtum an plastischen und malerischen
Schmuckelementen
(Bild 1) nach dynamischer Wirkung. Das drückt sich z. B.
- in Blätterranken an Treppengeländern,
- steinernen sitzenden Figuren an Brunnenrändern
(Bild 2) und
- üppig gestalteten Gewölbemalereien
aus.
Blattgold und Stuckmarmor waren viel
verwendete Materialien (Bild 3).
Die im Zeitalter des Barocks gebauten
Kirchen
(Sakralbauten), Paläste (Profanbauten) und Gärten haben häufig
gewaltige Ausmaße und drücken leidenschaftliche, oft auch kühne
Bewegtheit aus. Besonders die neben barocken Schlössern großzügig
angelegten Gartenanlagen sind ein Merkmal des Barock.
Merkmale der Richtung, die im engeren
Sinne als "Barock" bezeichnet wird, wodurch sie sich von der Renaissance
und von Folgestilen abhebt und an denen man barocke Kunst erkennen kann,
sind:
- Bevorzugung von dynamischen Bewegungsformen
in der Architektur (bewegte Fassaden, Bild 4; Raumverschleifungen) anstelle
sichtbarer Statik
- Tendenz zu Überschwang und einer auch auf MICHELANGELO zurückgehenden
kraftvollen Bewegtheit in Malerei
und Plastik
- Betonung des Gegensatzes von Licht
und Schatten in Architektur, Malerei, Plastik und Dekorationskunst gegen
die gleichmäßige Ausleuchtung
- vehemente Kontraste in Lichtführung,
Farbigkeit, Formen
- Bevorzugung betont plastischer Modellierung
der Figuren und des Ornaments vor Flächigkeit (Bild 5)
- Dominanz der malerischen Auffassung
und farbigen Modulation statt zeichnerischer, also das Überspielen
und Überwuchern von konturierenden Linien, auch in Architektur
und Plastik
- hohes Maß an naturalistischer Wirkung
bei gleichzeitiger Veranschaulichung von Übersinnlichem (Bild 6)
- perspektivisch täuschend echt gemalte Scheinarchitekturen,
vielfach erstrebt wurde auch in der Malerei die architektonische Gestaltung
oder die illusionär gemalte Darstellung weiter, komplizierter,
bewegter Räume und Raumbeziehungen
- eine illusionistische Tendenz, Grenzverwischung zwischen Realraum
und Kunstraum (besonders bei Wand- und Deckenmalerei in Schlössern
und Kirchen, Bild 7); jedoch ist der Illusionismus
als Bildprinzip z. B. auch Teilen
der holländischen Malerei eigen, ihrer intensiven Vergegenwärtigung
des Alltäglichen, bis hin zu vergnüglichen Augentäuschungen
(u. a. in der Trompe-l'il-Malerei)
- spannungsvoll-rhythmisierte, dynamische
Komposition (Diagonale, Ellipse), die sich auf das Prinzip der Subordination
der Teile unter das Ganze stützt
- Architektur, Plastik, Malerei und Kunsthandwerk durchdringen und befruchten
sich gegenseitig - ein ikonologisch festgelegtes Gesamtkunstwerk,
oft unter Einbeziehung theatralischen, zeremoniellen oder festlich-ausgelassenen
Lebens, auch der Musik, wird angestrebt; die alle Künste einende
Gartenkunst ("Französischer Park") blüht (Bild 8)
- Bevorzugung außerordentlicher Geschehnisse,
Gestalten und Dimensionen, pathetisch-gehäufter, üppig-schwellender
oder kühl-hoheitsvoller Formen (etwas "Außerordentliches"
kann jedoch auch ein Bauerngenre sein, eine sensible
Detaildarstellung im Stillleben, eine dem Bewegten entgegengesetzte,
z. T. feierlich, in-sich-ruhende Stille (Bild 9).
Zentralthemen
des Barocks
Der
Triumph ist das große
Zentralthema der barocken Kunst
- und der Ruhm, denn im Ruhm erhält sich die Tat des Einzelnen,
vollendet sich die Zeit zur Ewigkeit.
Gleichsam ist das Barockzeitalter das Zeitalter der
Fantasie,
die notwendig war, um die Menschen geistig zu erheben. Triumphal ist das
gesteigerte, oft übersteigerte Lebensgefühl, mit dem uns die Persönlichkeiten
der Zeit von Bildnissen und Denkmälern entgegensehen. Triumphal ist
der Geist, aus dem heraus Schlösser, Kirchen, Plätze, ja selbst
ganze Stadtanlagen entstanden. Bauwerke und Denkmäler (Bild 10)
bilden die großen Formen einer noch heute verständlichen
Symbolik.
In den barocken Gärten mit ihrem geometrischen Regelmaß, ihrer
Strenge und mit den technischen Wunderwerken ihrer Wasserspiele triumphiert
die Kunst des Barock sogar über die Natur.