










MICHELANGELOs Wirken wurde fest in die europäische Kunstgeschichte eingeschrieben: „Manierismus“ nannte der italienische Kunsthistoriker GIORGIO VASARI (1511–1574) die Werke, die in der „Maniera di Michelangelo“ entstanden, also den Spätstil MICHELANGELOs nachzuahmen trachteten.
Kindheit
MICHELANGELO BUONARROTI, eigentlich MICHELAGNIOLO DI LUDOVICO DI LIONARDO DI BUONARROTI SIMONI, wurde am 6. März 1475 als Sohn eines Florentiner Beamten im italienischen Caprese geboren. Kindheit und Jugend verbrachte er in Florenz.
Künstlerische Anfänge
Schon früh zeigte sich sein Interesse an der Kunst. Gegen den Widerstand seines Vaters, entschied sich der junge MICHELANGELO, Künstler zu werden. Bereits im Alter von dreizehn Jahren ging er beim Maler DOMENICO GHIRLANDAIO (1449–1494) in die Lehre und wurde in der Technik der Freskomalerei unterrichtet. Wichtig für seine Stilbildung war das Studium GIOTTOs (1267–1337) und MASACCIOs (1401–ca.1428).
Noch vor Ende seiner Lehrzeit als Maler begann MICHELANGELO 1489 unter der Protektion des Stadtpatriziers LORENZO DE MEDICI („der Prächtige“; italienisch: „il Magnifico“, 1449–1492) eine Ausbildung als Bildhauer an der Kunstschule in den Mediciischen Gärten von San Marco, wo sich auch eine Sammlung antiker Skulpturen befand. Sein Lehrmeister war BERTOLDO DI GIOVANNI (um 1420–1491), ein alter Schüler DONATELLOs (um 1386–1466).
MICHELANGELO und die Familie MEDICI
Auf das junge Talent aufmerksam geworden, holte ihn LORENZO DE MEDICI 1490 bis 1492 als Hausgast an seinen Fürstenhof, der ein bedeutendes kulturelles Zentrum des Humanismus bildete. Hier traf MICHELANGELO auf führende Philosophen, Dichter und Gelehrte, wie ANGELO POLIZIANO (1454–1494) und MARSILIO FICINO (1433–1499). Die Lehren des Neuplatonismus, die christliches und antikes Gedankengut vereinen, bildeten das weltanschauliche Fundament für sein künftiges Schaffen. Die Werke dieser Frühphase, die Reliefs
(beide um 1491/1492, Casa Buonarotti, Florenz) zeigen bereits die intensive Auseinandersetzung MICHELANGELOs mit antiker Kunst.
Aufgrund der immer verworreneren politischen Lage in Florenz und dem Tod seines Gönners LORENZO DE MEDICI im Jahre 1492 ließ sich MICHELANGELO vorübergehend in Venedig und Bologna nieder. In seinen 1494 und 1495 für die Kirche San Domenico geschaffenen Marmorplastiken
wird der Einfluss JACOBO DELLA QUERCIAs (1374–1438) deutlich, mit dessen Werk sich MICHELANGELO während seines Aufenthaltes in Bologna vertraut gemacht hatte.
Erster Romaufenthalt
Von 1496 bis 1501 hielt sich MICHELANGELO BUONARROTI erstmals in Rom auf. Dort entstanden
In diesen beiden kontrastierenden großformatigen Skulpturen zeigen sich das Ausdrucksvermögen und die technischen Fertigkeiten des Florentiner Künstlers voll entwickelt. Das verbindliche Formenrepertoire der Frührenaissance bleibt insgesamt noch bestimmend, doch in Teilen kündigt sich bereits die Monumentalität späterer Schaffensphasen an.
Der „David“Zur selben Periode gehören andere Bildhauerarbeiten, wie
Von den Gemälden dieser Zeit ist einzig das Rundbild der Heiligen Familie mit Johannes dem Täufer erhalten, die sogenannte „Madonna Doni“ (1504, Uffizien, Florenz). Unvollendet blieb der Karton für das nicht ausgeführte Fresko „Die Schlacht von Cascina“, welches im Herbst 1504 bei MICHELANGELO in Auftrag gegeben wurde. Dieser Entwurf entstand im Wettstreit mit LEONARDO DA VINCIs „Schlacht von Anghiari“ für den Großen Rathaussaal des Palazzo Vecchio. MICHELANGELO hatte einen großen Teil des Kartons bis zur Vollendung gebracht, als er Anfang des Frühjahrs 1505 die Arbeit abbrach, um einer Berufung nach Rom zu folgen.
ausgemalt worden. Das bisher leer gebliebene große Gewölbe der Decke sollte nun MICHELANGELO gestalten.
An den Seiten dieses Mittelfelds lässt MICHELANGELO gewaltige Bilder alttestamentarischer Propheten mit Fresken der Sibyllen abwechseln. Diese machtvollen Männer und Frauen sitzen in Gedanken versunken, schreiben, lesen oder diskutieren. Darunter in den Stichkappen und Lünetten zugeordnet sind die Vorfahren Christi, wie sie in den Evangelien verzeichnet sind. Das Rahmenwerk all dieser Darstellungen füllt MICHELANGELO mit einer überwältigenden Menge an Figuren, die Medaillons mit den Szenen aus dem Buch der Könige halten. In den vier Eckzwiebeln schließlich sind Episoden der Befreiung des Volkes Israel abgebildet.
An Allerheiligen 1512 weihte Papst JULIUS II. die Deckenfresken der Sixtinischen Kapelle mit einer feierlichen Messe ein.
Grabmahl für Papst JULIUS II.
Nach Vollendung der Deckenausmalung nahm MICHELANGELO die Arbeit an dem Grabmahl für Papst JULIUS II. wieder auf. Es entstanden in der Zeit von 1513 bis 1516 ein
Im selben Jahr ernannte die Akademie in Florenz MICHELANGELO zu ihrem Mitglied. 1545 wurde das nicht zum Abschluss gebrachte Wandgrab in San Pietro in Vincoli aufgestellt.
Der MEDICI-Papst LEO X. betraute MICHELANGELO 1516 mit der Fassadengestaltung von San Lorenzo in Florenz. Die Ausführung dieses Vorhabens scheiterte jedoch. Zeichnungen überliefern eine opulente Skulpturen geschmückte Front, die sich vom traditionellen Querschnitt der Basilika abgrenzt und mit der Formenvielfalt der Hochrenaissance spielt.
Grabkapelle der MEDICI
Im Dienste der MEDICI begann MICHELANGELO 1520 mit der Errichtung und Ausgestaltung einer Grabkapelle der MEDICI für die verstorbenen Mitglieder dieser Familie, ein Pendant zur Alten Sakristei FILIPPO BRUNELLESCHIs (1377–1446) und deshalb „Neue Sakristei“ genannt.
Trotz jahrelanger Arbeit (mit Unterbrechungen bis 1534) kam auch dieses Projekt nicht zum Abschluss. Die ausgeführten Statuen für das MEDICI-Monument zählen zu den bedeutendsten Werken aus MICHELANGELOs mittlerer Phase der Bildhauerei. Neben einer Madonna mit Kind stellte der florentinische Künstler die Grabmäler der Herzöge GIULIANO und LORENZO DE MEDICI fertig. In gegenüberliegenden Nischen angeordnet, widerspiegeln die beiden Sitzstatuen in allegorischer und symbolischer Form die unterschiedlichen Charaktere der porträtierten Verstorbenen. Flankiert werden sie von Allegorien der vier Tageszeiten (LORENZO: „Der Tag“ und „Die Nacht“, GIULIANO: „Der Morgen“, „Der Abend“) in voluminösen Liegefiguren.
Das zweite große Projekt dieser Zeit war der 1524 begonnene Bau an der benachbarten Biblioteca Medicea Laurenziana, in der MICHELANGELO die Wendung zum Manierismus auch architektonisch vollzog. Erst nach Ende der Arbeiten an der Bibliothek im Oktober 1526 widmete er sich wieder der Arbeit an der MEDICI-Kapelle.
Als im Jahre 1527 Rom von der Armee Kaiser KARLs V. (1500–1558) belagert wurde, sollte MICHELANGELO den Ausbau der Verteidigungsanlagen überwachen. Die Angst vor Verrat trieb ihn allerdings zur Flucht nach Venedig.
Das Jüngste Gericht„Ohne die Sixtinische Kapelle gesehen zu haben, kann man sich keinen anschauenden Begriff machen, was ein Mensch vermag“VITTORIA COLONNA
(GOETHE).
An Vittoria Colonna.
Des besten Künstlers herrlichsten Gedanken,
Ein einz'ger Marmor kann ihn ganz enthalten,
Doch muss, will ihn der Meister uns entfalten,
Die Hand dem Geist gehorchen ohne Wanken.In dir auch birgt sich Glück und Pein; verdanken
Könnt’ ich dir höchstes Heil, doch zu gestalten
Dies Glück, es zu gewinnen, zu erhalten,
Fehlt mir die Kunst; so muss an Gram ich kranken.Nicht trägt denn Liebe Schuld an meinen Leiden,
Nicht darf das Schicksal ich zu schmähen wagen;
Kann Heil ich oder Tod von dir erwerben,Trägst du im Busen sie und ward von beiden
Mir Tod zuteil, muss ich mich selbst verklagen;
Mein schwacher Geist verschuldet mein Verderben.(Übersetzung: SOPHIE HASENCLEVER)
An Vittoria Colonna.
Wenn Kunst, im Stein gestaltend,
Erschaffend und erhaltend,
Dir dauernd Leben gibt durch Menschenhände
Bis an der Zeiten Ende,
Wie könnte erst der Himmel dich verklären,
Der Himmel, göttlich waltend,
Der höh’rer Schönheit Spende
Als Menschenkunst verleiht, wollt’ er dir Hehren
Auf Erden schon Unsterblichkeit gewähren!
Doch ach, dein Bild besteht, und du musst sterben?
Wer rächt hier dein Verderben?
Dich räche die Natur, denn sieh, es bleibet
Der Menschen Werk, indes ihr Werk zerstäubet.(Übersetzung: HANS GRASBERGER)
VITTORIA COLONNA und das florentinische Multitalent tauschten über mehrere Jahre ihre Sonette aus. Allein im Jahr 1541 erhielt MICHELANGELO 103 Sonette von ihr. Der Briefwechsel (PDF 1) zwischen beiden Künstlern wurde 1542 abrupt abgebrochen, weil COLONNA fürchtete, ins Visier der Inqusition zu geraten.
Thema der Pietà
Um 1535 wandte sich BUONARROTI erneut dem Thema der Pietà zu (1535–1550 Pietà im Florentiner Dom, um 1555 Pietà Palestrina). Von 1555 bis unmittelbar vor seinem Tod arbeitete der inzwischen 80-jährige Künstler an der „Pietà Rondanini“ (Castello Sforzesco, Mailand). Die letzten, im Auftrag Papst PAULs III. (1468–1549) geschaffenen Fresken, die „Bekehrung des Saulus“ und die „Kreuzigung Petri“ malte MICHELANGELO zwischen 1541 und 1549/1550 für die Capella Paolina im Vatikan.
Architektur