Mittel der Raumdarstellung
Gliederung
des Bildraumes
Der
Bildraum beinhaltet die Gliederung
des Formates in räumliche Bezüge (Vordergrund, Mittelgrund, Hintergrund)
und die Entscheidungen über die Mittel der Körper- und Raumdarstellungen
auf der
Bildfläche.
Die Schaffung von körperhaft-plastischer und räumlicher Illusion
beim Betrachten von Bildern war das Ziel vieler Künstler in den verschiedenen
Kunstepochen. Sie beruht auf den realen Raumerfahrungen des Betrachters.
Um den Eindruck von
Dreidimensionalität
auf der zweidimensionalen Fläche zu erreichen, nutzt man unterschiedliche
bildnerische Mittel.
1. Einfache Mittel der Raumdarstellung
Im Mittelalter gab es keine wahrnehmungsgetreue Raum- oder Körperdarstellung.
Man bediente sich der Farbsymbolik (z. B. Gold als Farbe für
Heilige) und Bedeutungsgröße (Rangordnung bestimmt die Größe
der Figur) auf der einen Seite und einfacher Mittel zur räumlichen
Tiefenwirkung auf der anderen Seite:
-
Höhenunterschied:
Der
Höhenunterschied
von Objekten ist das älteste und einfachste Mittel der Raumdarstellung.
Objekte, die im Bild unten angeordnet sind, befinden sich vorne, solche,
die sich weiter oben befinden, hinten.

- Überdeckung:
Ein bereits in der antiken ägyptischen Wandmalerei eingesetztes
Mittel ist die Überdeckung,
die sich ebenfalls aus den räumlichen Seherfahrungen ableitet.
Objekte mit teilweise verdeckten Formen scheinen sich weiter entfernt
bzw. tiefer im Raum zu befinden als nicht verdeckte.

- Staffelung:
Findet eine Überdeckung von Bildobjekten in einer bestimmten Richtung
und mit systematischen Abständen statt, spricht man von Staffelung.

-
Größenunterschied:
Werden Bildobjekte, die in der Realität gleich groß sind,
auf der Bildebene unterschiedlich groß dargestellt
(Größenunterschied),
scheinen die kleineren Objekte weiter entfernt zu sein als die größeren.
Findet diese bewusste Verkleinerung der Bildelemente von unten nach
oben auf der Bildebene statt, erreicht man eine starke Tiefenräumlichkeit.

2. Raum- und
Körperdarstellung durch Licht- und Schattenmodulation
Mittels bewusst eingesetzter
Helligkeitsabstufungen
von Hell zu Dunkel oder umgekehrt können Bildgegenstände plastisch
erscheinen und räumliche Wirkungen erzielt werden.
Die körperhafte Wirkung entsteht durch eine
Licht-Schatten-Modulation
(Bild 1).
Auf den dargestellten Flächen werden Lichteinfall, Reflexionen auf
Oberflächen und Übergänge zu
Schattenzonen
durch kontinuierlich abgestufte Grauwerte, von leicht getrübtem Weiß
bis zu stark getrübtem Schwarz, oder durch gedunkelte und gehellte
Farbtöne wiedergegeben. Auf kugeligen Körpern werden so
Glanzpunkte
(sogenannte Highlights) und auf zylindrischen Körpern
Glanzstreifen
gesetzt (Bild 2).Ebene Flächen besitzen auf jeder Körperseite
eine einheitliche Helligkeit im Farbton, während bei allen gerundeten
Körpern ein stufenloser Übergang von Hell zu Dunkel stattfindet,
bis hin zu den dunkelsten Körperpartien, auf die kein Licht fällt.
Je größer der
Helligkeitsunterschied
zwischen den hellsten Bereichen und dem dunkelsten Körperschatten (=
Schattenverläufe auf Objekten) ist, desto intensiver nimmt der Betrachter
eine plastische Wirkung wahr. Durch die Darstellung von Außenschatten
(Kernschatten, Halbschatten oder Schlagschatten) wird der Eindruck der Räumlichkeit
verstärkt. Werden Objekte im Bild ohne Schlagschatten dargestellt,
wirken sie raumlos.
Hinter beleuchteten lichtundurchlässigen Körpern bilden sich
Schatten:
- Schlagschatten:
Schatten, den ein beleuchteter Gegenstand auf seine Standfläche
wirft (Bild 3),
- Kernschatten:
dunkle Zone in der Nähe von Objekten,
- Halbschatten:
Bereiche, die etwas weiter entfernt und heller sind.