


Führungsschicht der Nationalsozialisten
Tatsächlich gehörten der Führungsriege
des Nationalsozialismus auffallend viele Personen an, die sich zu
Künstlern berufen fühlten:
JOSEPH GOEBBELS hatte einen Roman geschrieben und sich an mehreren Dramenstoffen versucht.
ALFRED ROSENBERG war der Malerei verfallen und interessierte sich stark für Literatur, in der er sich auch ausprobierte.
BALDUR VON SCHIRACH war der Poet der Nationalsozialisten.
Schließlich ADOLF HITLER selbst, der in Wien Malerei studieren wollte und von der dortigen Kunsthochschule abgelehnt wurde.
Auch viele, einst oftmals linke Intellektuelle, schlossen sich den Nationalsozialisten
an - als Sympathisanten, wie GEORG BENN und LENI RIEFENSTAHL oder
als Parteimitglieder, wie BODO UHSE -, nur einige distanzierten sich
später von der Ideologie der Nazis.
Die Führungsschicht der Nationalsozialisten war nicht nur prominent
mit gescheiterten Künstlern besetzt, sie versuchte auch, einen antikisierenden
Ästhetizismus durchzusetzen, der verhängnisvoll für die
ganze Welt wurde.
HITLERs Kunstauffassung
ADOLF HITLER hatte ein Schlüsselerlebnis, als er mit seinem Freund
eine Aufführung von RICHARD WAGNERs "Rienzi" - eine
Oper, die von politischem Scheitern erzählt - in Linz besuchte.
Am besten gefiel ihm jedoch der Schluss, wenn der Held, Rienzi, die agierenden
Helden und sich selbst in den Untergang treibt:
Rienzi und seine Geliebte kommen in den brennenden Trümmern des Kapitols
um.
Die Achse
Linz - Antike - Wagner
prägte HITLERs Weltbild entscheidend. Er fühlte sich seitdem
zum "Künstlerfürsten"
berufen. Er wollte die Welt und insbesondere Deutschland "mit Macht
verschönern". Das klassische Athen, das militaristische Sparta
und das antike Rom faszinierten ihn. Die Synthese dieser drei antiken
Staaten wurde zum Vorbild für ein "neues Deutschland".
Somit verordnete er seine Kunstauffassung dem gesamten deutschen Volk
und deklarierte sie zur "Staatskunst".
JOSEPH GOEBBELS, "Minister für Volksaufklärung und Propaganda"
bemerkte:
"Der Sinn der Revolution, die wir gemacht haben, ist die Volkwerdung der deutschen Nation. Freilich musste dabei die Freiheit des Individuums insoweit eingegrenzt werden, als sie sich an der Freiheit der Nation stieß oder in Widerspruch befand ...", und er erklärte: "Das gilt auch für den schaffenden Künstler. Die Kunst ist kein absoluter Begriff, gewinnt erst Leben im Leben des Volkes".
In den 1920er-Jahren schuf der an den Aufnahmebedingungen der Wiener
Kunstakademie kläglich gescheiterte ADOLF HITLER Aquarelle von Stadtansichten,
die er zum Teil verkaufte und damit seinen Lebensunterhalt verdiente.
Mitte der 1920er-Jahre betätigte er sich als "Designer",
entwarf er Uniformen, Fahnen und Standarten für die Truppen von SA
und SS. Sie wurden nach seinen Entwürfen verwirklicht.
Diffamierung der Avantgarde
Seine Kunstauffassung wurde bestimmend, als man schon vor dem Machtantritt
der Nationalsozialisten die deutsche und internationale Avantgarde
als "Entartung von Seele und Verstand" diffamierte und als Geisteskrankheit
desavouierte. Die Nazis erfanden den Begriff des Kulturbolschewismus,
worunter sie nicht nur jede Kunst begriffen, deren Künstler sich
als linke Intellektuelle verstanden, sondern unter den sie jede nicht
an der Antike und dem Klassizismus geschulte Kunst subsummierten. Kulturbolschewismus
und Judentum wurden gleichgesetzt.
Zum Zweck der Zusammenführung verschiedener nationalsozialistischer
Kulturvereine war bereits 1920 in Dresden die "Deutsche Kunstgesellschaft"
gegründet worden, die 1930 im "Führer-Rat der Vereinigten
Deutschen Kunst- und Kulturverbände" aufging. 1929 gründeten
die Nazis den zum Teil paramilitärisch organisierten "Kampfbund
für deutsche Kultur".
Bereits 1933 organisierte der Kampfbund in Mannheim, Nürnberg, Dessau
und Dresden Ausstellungen über die sogenannte "Verfallskunst".
Diese Ausstellungen waren Vorläufer der 1937 parallel zur "Großen
Deutschen Kunstausstellung" (Bild 2) stattfindenden Schau über
"Entartete Kunst" sowie die am 24.5.1938 eröffnete Ausstellung
"Entartete Musik". In den Ausstellungen stellten die Nazis Bilder
von Behinderten, die entstellte Gesichtszüge trugen oder deren Köpfe
oder Körper deformiert waren, den Werken der Avantgarde gegenüber.
Daraus leiteten sie ab, dass Kunst den idealisierten Menschen darzustellen
habe. Vorbild waren die Antike, die Renaissance und der Klassizismus des
19. Jahrhunderts. Zugleich forderte man, das "Kranke" müsse
ausgemerzt, das "Gesunde, Starke" gefördert werden, man
rief nach dem gesunden Körper, in dem ein gesunder Geist stecke.
In der Dokumentation "Das Wunder des Lebens" von 1935 fand ein
offener Angriff auf das Judentum, auf "Rassenmischung" und den
Verfall des menschlichen Körpers und Geistes statt. Man verunglimpfte
Geisteskranke und Asoziale, forderte eine "Rassenkunde und Rassenpflege"
mit dem Ziel einer "Rassenveredelung". Die Folge dessen waren
die 1935 beschlossenen "Nürnberger Gesetze", bestehend
aus "Reichsbürgergesetz" und "Gesetz zum Schutze des
deutschen Blutes und der deutschen Ehre". Letzteres verbot Eheschließungen
zwischen Nichtjuden und Juden, stellten Geschlechtsverkehr zwischen Juden
und "Arier" (so nannte man "rassenkundlich" das deutsche
Volk) als "Rassenschande" unter Strafe.
Wie inkonsequent die Rassenideologie der Nazis war, zeigt das Beispiel
der Sinti und Roma.
Die aus dem nördlichen Indien stammenden "Zigeuner", wie
man sie in Europa teilweise bis heute verächtlich nennt, sind "rassengeschichtlich"
die eigentlichen "Arier". Das Volk der Sinti und Roma war jedoch
ebenso von der Ausrottung betroffen, wie Juden und Behinderte.
Diese rassenideologische Entwicklung führte einerseits zur farbrikmäßigen Ermordung von Millionen von Juden ab 1943 und andererseits zur sogenannten Euthanasie, dem Mord an zigtausenden Behinderten.
Euthanasie
Euthanasie bedeutet eigentlich
"guter" bzw. "schöner Tod". Aus dem Munde der
Nationalsozialisten klang es wie "Gnadentod", meinte aber die
systematische Ermordung "unwerten Lebens". HITLER selbst erließ
diese Verordnung im Oktober 1939 (rückdatiert auf den 1.9.39).
Bis 1941 wurden über 40 000 Menschen mit geistigen oder körperlichen
Gebrechen ermordet. Dem deutschen Arzt kam dabei eine besondere Rolle
zu. Ärzte sollten in den Augen der Nationalsozialisten nicht nur
Menschen heilen, sondern sie sollten zu Kämpfern gegen das Kranke
und Schwache werden. Sie sollten die Auswahl für die Tötung
treffen, sie sollten die Anweisung zum Mord geben, sie sollten den Tod
der Ermordeten feststellen. Der deutsche Arzt sollte den "neuen deutschen
Menschen" schaffen, die unheilbar Kranken töten helfen. Über
55% aller deutschen Ärzte wurden Mitglieder der NSdAP. Nach der "Tiergartenstraße
4" in Berlin benannt wurden Anfang der 1940er-Jahre die sogenannten
"T4-Aktionen". Nationalsozialistische Ärzte und Pfleger
verschleppten Behinderte aus ihren Heimen, in denen sie untergebracht
waren, und überführten sie in die Tötungsstationen. Benachrichtigungen
über eine Verlegung der Patienten wegen Bombengefahr waren mit falschen
Unterschriften versehen. Ebenso die Benachrichtigungen über die erfolgreiche
Verlegung. Erst recht aber die Nachricht über das plötzliche
Verscheiden der Patienten. In Wirklichkeit hatte man die körperlich
bzw. geistig Behinderten mit Kohlenmonoxid in Gaskammern, später
mit der Todesspritze ermordet. Zuvor aber, bevor die Patienten "überführt"
wurden, füllten die gründlichen deutschen Beamten Formulare
aus: Ein blaues Minus bedeutete dabei,
dass der Patient leben durfte, ein
rotes Plus, dass er getötet
werden sollte. Dies entschieden deutsche Ärzte. Ärzte
führten auch die Selektionen in Auschwitz durch und kontrollierten,
ob die Ermordeten auch wirklich tot waren. Ärzte führten an
Menschen Experimente durch, in deren Folge sie bleibende körperliche
Schäden davontrugen oder gar starben. Ärzte entschieden über
"wertes" und "unwertes Leben". Das Plakat von Ende
der 1930er-Jahre (Bild 3) informiert scheinheilig: "60.000 RM kostet dieser Erbkranke die Volksgemeinschaft auf Lebenszeit"
und : "Volksgenosse das ist auch Dein Geld".
Behinderte entsprachen nicht dem von den Nationalsozialisten favorisierten
Nützlichkeitsdenken, sie widersprachen sogar dem Schönheitsideal,
dem ihr Führer ADOLF HITLER anhing. Sie ließen sich ihrem Aussehen
nach nicht mit dem idealischer antiker Statuen vergleichen: Deshalb mussten
sie sterben.
Eine Sonderaktion war die "Aktion
14f13", bei der psychisch
Kranke in den Konzentrationslagern erfasst unhd systematisch ermordet
wurden. Dabei entsprach die Zahl 14
dem Ort: dem KZ, und die Zahl 13 der Tötungsart: Gas.
Massenmord an Millionen Juden
Der Massenmord an Millionen
Juden wurde zunächst mit konventionellen Waffen durchgeführt.
Nach dem Einmarsch der Nationalsozialisten in Österreich und dem
Überfall auf Polen 1939 kamen im Gefolge der Wehrmacht die SS-Horden,
trieben die jüdischen Bewohner der Orte zusammen und erschossen sie.
Später wurden die osteuropäischen Juden in gasabgedichtete LKWs
getrieben und mit den Abgasen der Autos vergast. Mit dem Vernichtungslager
Auschwitz-Birkenau begann die fabrikmäßige Ermordung der Juden.
Daran beteiligte sich die SS (Schutzstaffel), für die HITLER die
Uniformen, Fahnen und Standarten entworfen hatte. Der Kommandant des Konzentrationslagers
Auschwitz, RUDOLF HÖSS (1900-1947), bemerkte sinngemäß
zum Einsatz von Zyklon B (einem Gas auf Basis von Blausäure, das
die IG Farben in den Enddreißigern zur Schädlingsbekämpfung
entwickelt hatte), dass er über die Vergasung von Juden mit diesem
Gift froh sei, denn auch den Juden sei die bis dahin übliche Erschießung
auf Dauer nicht zuzumuten. Zyklon B lasse den Juden bis zuletzt ihre Würde
und brächte einen weniger schockierenden Tod.
Vernichtung durch Arbeit
Der Zweite Weltkrieg brachte aber nicht nur den Massenmord an Millionen
Juden und den geplanten Mord an zigtausenden Behinderten. Für die
deutsche Wirtschaft brachte der Krieg die systematische Versklavung von
Millionen Menschen, billigste Arbeitskräfte und "die Vernichtung
durch Arbeit". Für die Umgestaltung Berlins forderte z.B.
HITLERs Architekt ALBERT SPEER über 30 000 sowjetische Kriegsgefangene
an. Während man in den deutschen Fabriken und Werken eine Kampagne
startete mit dem Ziel, eine ästhetische Arbeitswelt zu schaffen,
damit der Arbeiter den "Klassenkampf" vergisst und Freude an
der Arbeit empfindet, wurden die Arbeitssklaven der deutschen Nationalsozialisten
- das waren zunächst die deutschen politischen Gegner der NSdAP,
später auch wahllos aus den eroberten Gebieten Verschleppte -
in Konzentrationslager gepfercht und langsam physisch und psychisch zugrunde
gerichtet.
All diese Aktionen dienten dem Ziel einer umfassenden Umgestaltung der
deutschen und europäischen Gesellschaft auf der Basis der rein subjektiven
Antikevorstellung eines Einzelnen: HITLER.
HITLER und die "deutsche Kunst"
HITLER bestimmte die gesamte deutsche
Kunst nach 1933. Auf seinen Ideen fußte nicht nur die politische
Architektur des Staates Deutschland,
der "Architekt" HITLER entwarf sogar zentrale Gebäude selbst.
So geht die Neue Reichskanzlei in Berlin unmittelbar auf seine Entwürfe
zurück. ALBERT SPEER, sein Architekt und Intimus, war nur sein Werkzeug,
der Vollstrecker seiner Ideen. Auch das Modell der großen Halle
in Berlin (Kongresshalle, sie sollte 1950 fertig gestellt und 17 mal größer
als der Petersdom in Rom sein) geht auf frühe Entwürfe des Diktators
aus den 1920er-Jahren zurück, während die 260 m lange Tribüne
auf dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg den Pergamonaltar
in Berlin zum Vorbild hatte. Nicht ausgeführt wurde der gigantische
Triumphbogen in Berlin, der gleichfalls auf einen Entwurf HITLERs zurückgeht.
Mit dem Bau der Neuen Reichskanzlei begann die Um- und Neugestaltung Berlins,
die zum Glück nur rudimentär erfolgte, weil der Zweite Weltkrieg
auf deutschem Boden zu Ende gefochten wurde. Im Zuge des Umbaus hatte
HITLER veranlasst, die Siegessäule vom Königsplatz vor dem Reichstag
zum Großen Stern zu schaffen, um einen Fixpunkt für die geplante
Ost-West-Achse zu haben. Für eine geplante Nord-Süd-Achse wurden
tausende Berliner umgesiedelt und schon die ersten Häuser gesprengt.
Große Halle, Triumphbogen, Springbrunnen und HITLERs gigantomanische
Residenz, vieles auf Ideen HITLERs zurückgehend, wurden nicht gebaut.
HITLERs "Berghof" auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden in
Bayern, von ihm selbst bis ins Kleinste geplant, wurde "Führersperrgebiet".
Von ihm sind heute nur noch Ruinen vorhanden.
"Große Deutsche Kunstausstellung"
Seit 1937 fand jährlich im "Haus der deutschen Kunst" in
München, das 1933 von PAUL TROOST geplant worden war, die "Große
Deutsche Kunstausstellung"
(Bild 2) statt. Von den 15 000 eingesandten Werken ließ HITLER
durch seinen Leibfotografen HEINRICH HOFFMANN nach eigenen Wünschen
diejenigen auswählen, die ihm gefielen und die am 18. Juli 1937 der
Öffentlichkeit gezeigt werden sollten. Nur sein Geschmack galt auch
in den anderen deutschen Kunstausstellungen. HOFFMANN wurde zum Professor
ernannt und durfte jedes Jahr nach HITLERs Geschmack auswählen.
In jedem Jahr kaufte HITLER große Teile der Kunstwerke für
seine Privatgalerie.
In der Plastik waren ARNO BREKER und JOSEPH THORACK seine Favoriten: Der
athletische Mann als "Held und Kämpfer" und die gebärfreudige
Frau als "Mutter und Hüterin des Lebens".
In der Malerei mochte der Diktator besonders die in der Schule des Neoklassizismus
des 19. Jahrhunderts Stehenden. So besaß er Werke aus jener Zeit
von HANS MAKART (1840-1884), FRANZ DEFREGGER (1835-1921), RUDOLF
EPP (1834-1910), FRANZ VON STUCK (1863-1928).
Die im "Haus der Deutschen Kunst" ausgestellten Werke zeigten,
welche Vorstellungen die Nationalsozialisten von einer "rein deutschen
Kultur" hatten, die ihre Wurzeln im "Völkischen Wesen"
haben sollte. Der Themen-Katalog entsprach inhaltlich der offiziellen
Propaganda und ließ formal die längst überholt geglaubte
Gattungsmalerei des 19. Jahrhunderts wieder auferstehen: Männliche
und weibliche Akte, Genrebilder, Porträts, Historienbilder, Landschaften,
Stillleben, Tiermotive, einige Schlachtengemälde sowie Motive aus
dem Arbeitsleben. Die in einem äußerst konservativen, akademischen
Stil ausgeführte Malerei versuchte, den Betrachter durch süßliche,
zum Kitsch tendierende Allegorien oder durch ein vordergründiges
hohles Pathos zu beeindrucken.
Bilder der Avantagarde zeigte man in einer gesonderten Ausstellung:
"Entartete Kunst"
Zeitgleich mit der "Großen Deutschen Kunstausstellung"
fand seit dem 19. Juli 1937 in München die Ausstellung "Entartete
Kunst" (Bild 5) statt. 730
Künstler wurden mit Teilen ihres uvres vorgestellt und diffamiert.
Unter ihnen: EMIL NOLDE, OSKAR KOKOSCHKA, FRANZ MARC, MAX BECKMANN, ERNST
LUDWIG KIRCHNER. Auch hier stellte man den Werken der Künstler Fotografien
von deformierten Köpfen und Körpern gegenüber. Über
zwei Millionen Besucher sahen diese Ausstellung.
Die aus den Museen entfernten und beschlagnahmten Bilder wurden entweder
zerstört oder größtenteils über Auktionen in der
Schweiz ins Ausland verkauft.
Ein eifriger Sammler expressionistischer und anderer avantgardistischer
Kunst war der "Minister für Volksaufklärung und Propaganda"
JOSEF GOEBBELS.Geplanter, militärisch organisierter
Kunstraub
Seit dem Einmarsch der Deutschen in Österreich und dem Überfall
auf die Länder Europas, beginnend mit dem Überfall auf Polen
am 1. September 1939, wurden die Kunstwerke der europäischen Juden
geraubt, und das stabsmäßig organisiert. Sofort nach dem Einmarsch
in Wien begann man, Kunstwerke von österreichischen Juden zu beschlagnahmen.
Dieser Kunstraub blieb einmalig
in der Kunstgeschichte. Selbst der Raub deutscher Kunstwerke durch die
Sowjetunion nach der Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945
hält einem Vergleich kaum stand. Konnten die Nationalsozialisten
nicht einfach enteignen oder "beschlagnahmen", weil ihre Besitzer
eben keine Juden waren, wurden sie oftmals erpresst, unter Druck gesetzt,
bis sie den deutschen Räubern ihre Werke für einen Spottpreis
überließen. Der Diskuswerfer von MYRON (um 450 v. Chr.,
Bild 6) gelangte noch vor dem Krieg in deutsche Hände. Er sollte
den Grundstock bilden für ein Museum in Linz, das HITLER seit langem
plante. Hier sollten auch alle geraubten Schätze Europas einer staunenden
Öffentlichkeit präsentiert werden. Die ersten Entwürfe
für den Bau lieferte HITLER selbst.
Epilog
Das seit dem deutschen Klassizismus des 19. Jahrhunderts so oft beschworene
"Wahre, Schöne, Gute" musste herhalten für den Mord
an Millionen und aber Millionen von Menschen: Zivilisten und Soldaten,
Frauen und Kinder, Alte und Junge, Angehörige aller Völker Europas.
Zynisch bemerkte ADOLF HITLER kurz vor seinem Selbstmord am 30. April
1945, die Starken seines Volkes wären alle gefallen, nur die Schwachen
hätten überlebt. Sie seien nicht wert weiterzuleben: deshalb
seine Strategie "Bis zum letzten Mann". HITLER verstand es noch
bis "kurz nach zwölf" seinem Volk Glauben zu machen, sie
stürben für eine edle Sache. Am besten verstand HITLER es jedoch,
wie er es aus "Rienzi" kannte, die gescheiterten Helden -
seine Offiziere und Soldaten, seine SS und SA, sein Volk - und sich
selbst in den Untergang zu treiben. Nichts sollte bleiben, nur ein paar
Ruinen, aus denen Efeu wachsen sollte. So hatte es der Diktator bereits
für das Reichsparteitagsgelände in Nürnberg geplant. Alles
traf ein. Nur ging das deutsche Volk nicht unter, wie HITLER es wollte,
wurde es nicht ausgelöscht, sondern besann sich seiner demokratischen
Traditionen.