




NICOLAS POUSSIN - Etappen des
Künstlers
NICOLAS POUSSIN kam am 15. Juni 1594 in Villers-en-Vexin nahe Les
Andelys in der Normandie zur Welt (Bild 1). Sein erster Lehrer
war QUENTIN VARIN, der sich um 1612 in Les Andelys aufhielt und mit dem
POUSSIN 1613 nach Paris ging. Es folgten Jahre der künstlerischen
Ausbildung in Paris, über die kaum etwas dokumentiert ist. 1624 reiste
POUSSIN über Venedig nach Rom, wo er nachhaltige Eindrücke von
den Werken RAFFAELs, den Werken des römischen Frühbarock (ANNIBALE
CARRACCI) und der Antike empfing.
Das eingehende Studium der
Antike - POUSSIN hatte enge Kontakte zum Kreis der Gelehrten
und Künstler, die sich um den Kardinalnepoten (Nepotismus = Vetternwirtschaft)
FRANCESCO BARBERINI scharten - und die Bemühungen um eine regelhaft
begründete Kunstlehre gaben seinen Werken jene Klarheit und Gesetzmäßigkeit,
die als vollendete Ausbildung klassischer Gesinnung vor allem in Frankreich
als vorbildlich galt. Sie waren auch Ausdruck eines weiten geistigen Horizonts
des Künstlers, vor dem die Versöhnung
zwischen antiker und christlicher Welterklärung möglich schien.
Ende des Jahres 1640 folgte POUSSIN einem Ruf LUDWIGS XIII. nach
Paris.
Er erhielt den Auftrag, die Grande Galerie des Louvre
auszustatten. Doch der große öffentliche Druck, der auf diesem
umfangreichen Ausstattungsprogramm lag, und die Schwierigkeiten mit den
zahlreichen Assistenten und Kollegen veranlassten POUSSIN 1642, wieder
nach Rom zu seiner Frau zu reisen. Die folgenden mehr als zwanzig Jahre
bis zu seinem Tod 1665 verblieb er in Rom
und war neben CLAUDE LORRAIN der zweite bedeutende französische Maler
des 17. Jahrhunderts, dessen Werk vorwiegend in Italien entstand.
Der italienische Kunstschriftsteller GIOVANNI PIETRO BELLORI hat 1672
zur Interpretation des Bildes vorgeschlagen, dass POUSSIN hier einen Hirten
im glücklichen Arkadien gemalt
habe, der gerade einen Grabstein entdeckt und dessen Inschrift "Et
in Arcadia ego" entziffere. Was bedeuten würde, dass der Tod
auch in den Gefilden Arkadiens waltet, am sprichwörtlichen Schauplatz
glückseligen Lebens. Der Überraschungsmoment, der der ersten
Fassung eine größere Bewegtheit verliehen hatte, ist in der
zweiten Fassung zurückgenommen zugunsten einer meditativen und kontemplativen
(religiös versunkenen) Stimmung, einem Nachdenken über die Sterblichkeit
und Vergänglichkeit. Die statuarische, an der klassischen Antike
geschulte Haltung der Figuren, die Harmonie der Posen und Linien entsprechen
dem klassischen Ideal, aufgrund dessen POUSSIN zum unumstrittenen Vorbild
der akademischen Kunst in Frankreich und Europa wurde. Letztlich löste
er damit einen Malereistreit
aus, der bis mindestens zu Beginn des 19. Jahrhunderts die akademische
Kunstwelt beherrschte.
Angeführt von dem Maler und Theoretiker CHARLES
LE BRUN, der lange Zeit mit der Aufsicht über die künstlerischen
Unternehmungen am Hof LUDWIGS XIV. betraut war, entwickelte sich
ein Streit, ob dem Kontur, der Linie oder dem Kolorismus, der Farbe bei
der malerischen Gestaltung, der Vorrang eingeräumt werden soll. Die
Anhänger des ersten Standpunktes bezogen sich dabei auf NICOLAS POUSSIN,
wurden entsprechend auch Poussinisten
genannt, die Befürworter der Farbe bezogen sich vor allem auf den
flämischen Künstler PETER PAUL RUBENS und gingen als Rubenisten
in diesen kunsttheoretischen Streit ein.