Ordnungsprinzipien des Bildaufbaus
Die
Beziehungen der Bildelemente zueinander
Dem formalen Bildaufbau liegen relativ einfache
Ordnungsprinzipien
zugrunde, die die Beziehung der einzelnen Bildelemente zueinander bestimmen.
Selten treten sie alleine auf. Meist findet man sie in Gemälden in
komplexer Form, sodass sich die Komposition unübersichtlich gestaltet.
Zu den Ordnungsprinzipien gehören:
- Reihung:
Gleiche oder sehr ähnliche Bildelemente werden wiederholt, wobei
der Abstand gleichmäßig und ihre Gerichtetheit erhalten bleiben
(Bild 1).
- Rhythmus:
Sich ähnelnde oder verschiedene Bildelemente wiederholen sich als
Sequenz mindestens einmal oder sind in rhythmisch unterschiedlicher
Weise angeordnet (Bild 2).
- Gruppierung:
Eine Anzahl gleicher oder ähnlicher Elemente sind zentral oder
dezentral, symmetrisch oder asymmetrisch, geordnet oder ungeordnet in
einem relativ ausgewogenen Verhältnis an bestimmten Teilen der
Bildfläche verteilt angeordnet (Bild 3).
- Ballung:
Eine Anzahl gleicher oder ähnlicher Bildelemente mit geringem Abstand
und teilweiser Überdeckung ist in einem Teil der Bildfläche
konzentriert dargestellt (Bild 4).
- Streuung:
Die Fläche ist mit verschiedenen Bildelementen in regelmäßigen
und ausgerichteten (unlebendige, statische Wirkung) oder unregelmäßigen,
"zufälligen" (lebendigere, dynamische Wirkung) Abständen
gegliedert (Bild 5).
- Symmetrie:
Die Bildelemente sind meist achsensymmetrisch angeordnet und liegen
sich somit an einer Symmetrieachse, die waagerecht, senkrecht oder schräg
verlaufen kann, spiegelbildlich gegenüber, wobei eine ausgewogene,
geordnete Wirkung entsteht (Bild 6).
- Asymmetrie:
Bildelemente werden betont unregelmäßig angeordnet, Symmetrie
wird vermieden, sodass eine lebendige, spannungsvolle Wirkung erzielt
wird (Bild 7).
- Struktur:
Eine Bildfläche ist mit einer Folge gleicher oder ähnlicher
Bildelemente (Punkt, Linie, Zeichen, Muster o. Ä.) gefüllt
(nicht identisch mit Oberflächenstruktur oder Struktur als Werkzusammenhang),
wobei eine strenge bis unruhige Wirkung erreicht wird (Bild 8).
- Raster:
Es gilt als Sonderform der Struktur und ist eine normgebundene Flächengliederung,
bei der Punkte und Linien streng geometrisch gereiht oder rhythmisch
auf der Fläche angeordnet sind. Durch die Vielzahl der Bildelemente
entsteht eine unruhige Wirkung (Bild 9).
- Schwerpunkt:
Wenige oder nur ein Bildelement bilden durch Verdichtung oder farbliche
Hervorhebung auf der Bildfläche einen Schwerpunkt, der lagebedingt
unterschiedliche Wirkungen erzielen kann. Bei Zentralposition entsteht
ein spannungsärmerer, bei einer etwas aus der Mitte zum Bildrand
verlagerten Position ein etwas unausgewogenerer, aber optisch interessanter
Eindruck (Bild 10).
- Kontraste:
Durch gegensätzliche Formen von Bildelementen wird Spannung erzeugt.
Anwendung finden:
Form-an-sich-Kontrast, Quantitätskontrast, Qualitätskontrast
und Richtungskontrast (vgl. Bildspannung, Bild 11).
- Dynamik:
Ein Eindruck von Bewegtheit und Unruhe wird durch sich verdichtende
und anschwellende Formen und Linien, die betont diagonal oder geschwungen
im Format verlaufen, bzw. kontrastreich und asymmetrisch angeordnet
sind, vermittelt (Bild 12).
- Statik:
Vorwiegend geschlossene Bildelemente sind klar im Format angeordnet,
horizontale und vertikale Linien dominieren, sodass Ruhe, Bewegungslosigkeit
zum Ausdruck kommen (Bild 13).