Kunst
Pablo Picasso
PABLO PICASSO (1881-1973)PABLO PICASSO: "Les Demoiselles d´Avignon"PABLO PICASSO: "A green bowl and a black bottle"PABLO PICASSO: "Guernica"
PABLO PICASSO - Der Künstler des 20. Jahrhunderts
PABLO PICASSO wurde am 25. Oktober 1881 im südspanischen Málaga als PABLO RUIZ PICASSO geboren. Gemäß der spanischen Tradition erhielt er den einen Nachnamen von seinem Vater - Ruiz - den anderen von seiner Mutter (Bild 1).
1901 wird er, um sich von seinem Vater zu distanzieren, nur den Namen der Mutter tragen und mit diesem seine Bilder signieren. Er ist das erste Kind einer andalusischen Mutter und einem aus dem Baskenland stammenden Vater, der Maler und Zeichenlehrer an der Kunstschule in Málaga war.
1891 zieht die Familie - 1884 war die Schwester DOLORES, 1887 die Schwester MARIA, genannt CONCHITA, geboren - nach La Coruña an der Atlantikküste im Nordwesten Spaniens, wo der Vater als Zeichenlehrer eine Anstellung an der dortigen Kunstschule erhalten hatte.
Bereits als Elfjähriger wird PABLO in die Zeichenklasse der Kunstschule in La Coruña aufgenommen und erhält Zeichenunterricht bei seinem Vater. 1895 siedelt die Familie nach Barcelona über, weil der Vater einem Ruf an die Kunstakademie La Lonja gefolgt war.
Der 14-jährige PABLO besteht sofort die Aufnahmeprüfung an dieser Kunstschule und erhält eine akademische Ausbildung.
1897 besucht er für kurze Zeit die Königliche Akademie San Fernando in Madrid. 1900 hat PICASSO sein erstes Atelier gemeinsam mit dem jungen Künstler CARLOS CASAGEMAS. CASAGEMAS begeht 1901 in Paris aus Liebeskummer Selbstmord. PICASSO bringt seine Erschütterung darüber in mehreren Gemälden zum Ausdruck.
Von 1900 bis zu seiner endgültigen Übersiedlung (1904) reist PICASSO jährlich nach Paris und lernt dort die Arbeiten von HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC, EDGAR DEGAS und PAUL GAUGUIN kennen. 1901 hat er seine erste Ausstellung in Paris bei dem Kunsthändler AMBROISE VOLLARD mit Bildern, die bereits Zeugnisse für die bis etwa 1904 währende "blaue Periode" sind: Schwermütige, in verschiedenen Blautönen gehaltene, Figurenbilder.
1904 lässt sich PICASSO in Paris nieder. Er mietet ein Atelier im "Bateau-Lavoir", im Künstlerviertel Montmartre. FERNANDE OLIVIER wird sein Modell und seine Geliebte. Um die Jahreswende belebt sich PICASSOs Farbskala wieder, es beginnt die "rosa Periode" mit zahlreichen Darstellungen aus dem Zirkusmilieu.

Die große Stilwende im Werk PICASSOs erfolgt 1907. Unter dem Eindruck einer CÉZANNE-Ausstellung und in der Auseinandersetzung mit afrikanischen Masken entsteht das Epoche machende Gemälde "Les Demoiselles d'Avignon" (Bild 2), das erste kubistische Ansätze zeigt. Im selben Jahr lernt PICASSO GEORGES BRAQUE kennen. Fortan werden beide Künstler Stillleben (Bild 3), Porträts und Landschaften im kubistischen Stil malen. Viele ihrer Gemälde sind schwer voneinander zu unterscheiden oder einem Künstler zuzuordnen, mitunter sollen sie jeweils die Werke des anderen signiert haben.
Um 1912 entstehen aus der Hand PICASSOs dreidimensionale Objekte, Plastiken sowie vor allem Collagen, die als "Papier collés" bekannt geworden sind. Mit seiner neuen Geliebten EVA verbringt PICASSO jene Jahre in Paris, in der Vaucluse und in Céret.
1917 reist PICASSO nach Rom zur Vorbereitung eines Bühnenbildes für ein Ballett und lernt dort die russische Tänzerin OLGA KOKLOVA kennen, seine spätere Ehefrau und Mutter des Sohnes PAUL.
Um 1917 treten im Werk PICASSOs neben die kubistischen Bilder wieder realistisch wirkende Porträts, um 1919 entstehen dann die ersten neoklassizistisch antikisierenden Figurenbilder.
1925 erscheinen die Radierungen der "Minotauromachie". Der Minotaurus - die Fabelgestalt des Stiermenschen - wurde immer wieder als Sinnbild des Künstlers interpretiert, der zeitlebens den Stier zu seinem Tier erklärt hatte und die Stierkämpfe in südfranzösischen und spanischen Arenen regelmäßig besuchte.

1927 lernt PICASSO in Paris die 17-jährige Elsässerin MARIE-THERÈSE WALTER kennen, die seine Geliebte und 1935 Mutter der gemeinsamen Tochter MAYA wird.
1936 hat PICASSO engen Kontakt zum Kreis der Pariser Surrealisten um PAUL ÉLUARD, MAN RAY und der Fotografin und Künstlerin DORA MAAR, die seine Geliebte wird. Im selben Jahr bricht in Spanien der Bürgerkrieg aus, PICASSO ergreift Partei gegen FRANCO.

1937 malt PICASSO das wohl bedeutendste Anti-Kriegsbild "Guernica" (Bild 4), heute in Madrid im Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia ausgestellt.
PICASSO lebt weiterhin in Frankreich, 1943 lernt er die junge Künstlerin FRANÇOISE GILLOT kennen. 1947 wird der gemeinsame Sohn CLAUDE geboren, 1948 ziehen PICASSO, FRANÇOISE und CLAUDE nach Vallauris in Südfrankreich, 1949 kommt die Tochter PALOMA zur Welt. In jenen Jahren gestaltet PICASSO neben Gemälden zahlreiche Assemblagen (aus Fundstücken zusammengesetzte Skulpturen) und Keramiken.

1953 lernt PICASSO JAQUELINE ROQUE kennen, die er 1961 heiraten wird. In den 1950er- und 1960er-Jahren widmet sich PICASSO vor allem den Paraphrasen, den malerischen Bearbeitungen bekannter Meisterwerke von zum Beispiel VELÁZQUEZ, REMBRANDT oder ÉDOUARD MANET. Im südfranzösischen Mougins, wo PICASSO seit 1961 lebt, entstehen dann auch heiter-parodistische Zeichnungen sowie die großformatigen, starkfarbigen Ölgemälde. 1973 stirbt PICASSO im Alter von 91 Jahren in Mougins.

"Les Desmoiselles d'Avignon" und der Kubismus
Mitte 1907 vollendete PABLO PICASSO sein Gemälde Les Desmoiselles d'Avignon" (vgl. Bild 2). Dieses Schlüsselwerk des 20. Jahrhunderts, das in Anlehnung an die Darstellung gesellschaftlicher Außenseiter in der "blauen Periode" PICASSOs eine Bordellszene mit fünf nackten Frauen zeigt, verbindet sich eine neue innerbildliche Räumlichkeit mit der für das beginnende Jahrhundert charakteristischen Beschäftigung mit afrikanischen Kunst- und Kultgegenständen. Wesentlich für die Entstehung des Bildes war aber auch PICASSOs Kenntnis des Werkes von PAUL CÉZANNE, insbesondere seiner Bilder der "Badenden".
1943 macht PICASSO - nun ein berühmter Künstler - auch keinen Hehl aus seiner Bewunderung für den anerkannten "Vater der Moderne":

"Und ob ich CÉZANNE kenne! Er und kein anderer war mein Lehrmeister",

sagt er zu dem Fotografen und Freund BRASSAÏ. CÉZANNE, der in der Malerei die Natur auf die geometrischen Formen Kegel, Kugel und Zylinder zurückgeführt hatte und der die seit der Renaissance als Errungenschaft gefeierte zentralperspektivische Darstellung aufgegeben hatte zugunsten einer aus der Farbe heraus in der Fläche entwickelten Malerei ist Anregung.

Doch PICASSO vollzieht hier noch einen weiteren Schritt in Richtung einer dezentralisierten Raum- und Flächenkunst und einer eigengesetzlichen Bildwirklichkeit, die das Kunstwerk zu einem Ort der Erkenntnis auch über die Sehgewohnheiten, die von einer bildnerischen Nachahmung der Realität geprägt waren, werden lässt.
PICASSOs "Les Demoiselles d'Avignon" brechen mit der bisher gültigen Ästhetik. Die in der Fläche zersplitterten Formen und Farben führten dann auch - etwa zeitgleich mit den Bemühungen von GEORGES BRAQUE - zum analytischen Kubismus.
Die Auflösung der Gegenstände in stereometrische Strukturen näherte sich in den Bildern der Folgezeit der Abstraktion, ohne dass die Gegenständlichkeit ganz aufgegeben wird, so zum Beispiel in "Frauenkopf" (1909; Privatbesitz), "Porträt des Kunsthändlers Daniel-Henry Kahnweiler" (1910; Chicago, Ill. Art Institute) oder "Ma Jolie" (1911/12; New York, Museum of Modern Art).

Eine auf die Zweidimensionalität der Bildfläche bezogene Sicht lag auch dem PICASSO und BRAQUE entwickelten synthetischen Kubismus zugrunde. Über die "Papier collés", die aus geklebten Papierstücken entstandenen Collagen, gelangten die Künstler zu einer malerischen Zusammensetzung der Gegenstände aus kleinen geometrisierenden Farbformen, zum Beispiel in "Die Violine" (1912; Stuttgart, Staatsgalerie).

"Guernica"
Nach den Jahren neoklassizistischer antikisierender Bildgestaltung und einer eher aus dem privaten Leben schöpfenden Bildwelt wird PICASSO mit Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs 1936 zu einem politischen Künstler. Er ergreift Partei gegen den spanischen General FRANCO.

Anfang des Jahres 1937 entsteht die satirische Radierfolge "Traum und Lüge Francos", die zugunsten der Spanischen Republik verkauft wird.
Im neuen Pariser Atelier in der Rue des Grands Augustin malt er das von der spanischen Regierung für den spanischen Pavillon auf der Weltausstellung 1937 in Auftrag gegebene Monumentalbild "Guernica" (Madrid, Museo Nacional Centro de Arte Reina Sofia), das wohl einflussreichste und bedeutendste Anti-Kriegsbild des 20. Jahrhunderts (vgl. Bild 4).
Mit dem Titel nimmt es Bezug auf die vernichtende Bombadierung und Zerstörung der baskischen Stadt Guernica durch die deutsche "Legion Condor". Die Szenerie bleibt bis heute rätselhaft und vielen Interpretationsmöglichkeiten offen. Das Motiv der Mutter mit dem toten Kind im Arm bereitet PICASSO in vielen Studien vor. Es scheint, als habe ihm daran besonders viel gelegen.
Durch diese Kriegserfahrung politisiert, wird PICASSO 1944 Mitglied der Kommunistischen Partei Frankreichs.

Das Spätwerk
Bereits in den 1950er-Jahren begann PICASSO mit den sogenannten "Paraphrasen", den auch Metamorphosen genannten Überarbeitungen der Werke großer Meister der Kunstgeschichte wie VELÁZQUEZ (zum Beispiel "Las Meninas: Die Infantin Margarita María"; 1957; Barcelona, Museu Picassso) REMBRANDT, EL CRECO oder LUCAS CRANACH D. Ä. Damit wurde er ebenso wie mit seinen großformatigen und starkfarbigen, mit breitem Pinselstrich gearbeiteten Leinwänden mit meist erotisierenden Bildthemen in den 1960er-Jahren zum Vorbild vieler junger Künstler.

1963 wurde in Barcelona das Museu Picasso gegründet. Einen großen Teil des Nachlasses erhielt (zur Abgeltung von Erbschaftssteuern) der französische Staat, der daraufhin das Musée Picasso in Paris einrichtete. Im Picasso-Museum in Antibes an der Côte d'Azur sind weitere Arbeiten des Künstlers ausgestellt und seit 2004 kann man nun auch in der Geburtsstadt PICASSOs, in Málaga, in einem eigens für den Künstler eingerichteten Museum seine Werke betrachten.

 


Verwandte Themen
© Bibliographisches Institut & F. A. Brockhaus AG, Mannheim und DUDEN PAETEC GmbH, Berlin. Alle Rechte vorbehalten. www.schuelerlexikon.de