
Das Plakat und die Erfindung des Buchdrucks
und der Lithographie
Die Erfindung des Buchdrucks
eröffnete die Möglichkeit einer ausgedehnten visuellen
Kommunikation. In beliebig hoher Auflage konnten Plakate
hergestellt werden. Damit bildete die Entwicklung des Buchdrucks die entscheidende
Grundlage für die Verbreitung des Plakats. ALOIS SENEFELDER entdeckte
die Lithographie und damit
eine neue Reproduktionstechnik. (Lithographie ist eine grafische Technik.
Das Bild wird mit fetthaltiger Farbe auf den Stein aufgetragen; die Teile
des Steins, die keine Zeichnung enthalten, werden so präpariert,
dass sie keine Farbe annehmen. Der Druck erfolgt nach Umdruck auf einen
Maschinenstein und erfolgt über Pressen. Dieses Druckverfahren
läuft nach dem Prinzip des Flachdrucks.)
Der große Aufschwung der Plakatlithographie kam etwa 1860 von England.
Große französische
Künstler, allen voran HENRI DE TOULOUSE-LAUTREC, schufen hervorragende
Plakate. So wurde Paris zur eigentlichen Geburtsstätte der Plakatära.
TOULOUSE-LAUTREC (1864-1901),
der mit 37 Jahren starb, hat 30 Plakate geschaffen. Er wird noch heute
als der größte Plakatkünstler bezeichnet. (Bild 1)
CHÉRET,
ebenfalls ein berühmter französischer Künstler,
hat über 1000 Plakate entworfen. Er gilt als der "Schöpfer
einer Galerie der Straße".
Auch in der Schweiz erfuhr die Plakatkunst
eine große Achtung. An der Kunstgewerbeschule Zürich lehrte
ERNST KELLER, der über 100 Plakate schuf. Er galt als Meister der
Lithographie.
In Deutschland kam das Plakat
relativ spät zur Geltung. So schrieb der Kunsthistoriker JULIUS MEIER-GRAEFE
(1867-1935):
"Es ist schwierig, von deutschen Plakaten zu sprechen, denn Plakate, wie sie in Frankreich konzipiert werden, gibt es eigentlich in Deutschland nicht, die Werbung bedient sich ausschließlich der Zeitungen."
Dafür gab es einen Grund: Es regierte immer noch das alte Vorurteil
der Bourgeoisie gegenüber den Künstlern und umgekehrt
der Künstler gegenüber der Bourgeoisie. Ein Fabrikant von damals
konnte keinen Gefallen daran finden, seine Produkte von einem Künstler
bewerben zu lassen, und ein Künstler wollte nicht so tief sinken,
seine Malkunst den profanen Zwecken eines Fabrikanten zu unterwerfen.
Durch die Initiative der Künstlervereinigung "BRÜCKE"
und der Zeitschrift "STURM" änderte sich das. Deutschland
hatte nun Plakate von Expressionisten-Künstlern
wie KOKOSCHKA, KIRCHNER oder HECKEL.
Den Vorsprung Frankreichs hat Deutschland bis heute nicht eingeholt. Dazu
ein Vergleich: Von den Werbeausgaben in Deutschland entfallen 74 %
auf Zeitungen, 15,8 % auf das Fernsehen und nur 3,9 % auf die
Außenwerbung. In Frankreich sieht das anders aus. Hier entfallen
53,7 % auf die Zeitungswerbung, 15,8 % auf das Fernsehen und
12 % auf die Außenwerbung.
Das Plakatkleben
Die Weiterentwicklung der Plakate von den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts
bis heute war unterschiedlichen künstlerischen Stilrichtungen
unterworfen. In diesem Zusammenhang ist auch das Plakatkleben
zu nennen. In Frankreich wie auch in Deutschland war das eine Angelegenheit
des Staates. Während das Plakat zu den ältesten Medien zählt,
war das Gewerbe des Plakatklebens relativ jung. Heute verrichten Klebeinstitute
die Arbeit. Die Technik der Plakatherstellung ist den technischen Entwicklungen
des Druckgewerbes gefolgt. In den letzten Jahren hat sich die Plakatherstellung
zunehmend verselbstständigt.
Aufgaben des Plakats
Das Plakat hat viele Aufgaben zu erfüllen. Es informiert über kulturelle Veranstaltungen, es soll
anregen, Konsumgüter zu kaufen,
einer politischen Partei Glauben zu
schenken, ihre vorgeschlagenen Kandidaten zu wählen. Es soll anregen,
die Vielfalt der Natur kennen zu lernen. Das Plakat an der Wand will Neugier wecken. Die große Auswahl an den Plakatwänden fasziniert immer
wieder und beeinflusst viele Menschen. Das Plakat ist Werbemittel und Werbeträger. Es
befindet sich in ständiger Konkurrenz zu anderen Werbemedien und
erfordert große Anstrengungen von Grafikern, Werbefachleuten und
Druckern.
Trotz vieler anderer Medien ist das Plakat immer noch ein fester Bestandteil
unserer Umwelt.
Seiner Aufgabe noch besser gerecht wurde das Plakat durch die Citylightposter. Darunter sind beleuchtete Plakate an dunklen Orten zu verstehen. Der Erfinder dieser Citylightposter ist der Franzose J. C. DECAUX. Von ihm wird folgende Geschichte erzählt: Er war an einem regnerischen Tag in einer Großstadt unterwegs. Während er sich an einer Bushaltestelle aufhielt, sah er die Leute zwar trocken, aber im Dunkeln stehen. DECAUX dachte sich, dass man diesen gut besuchten Ort doch durch eine Seitenwand mit einer beleuchteten Werbung aufhellen, verschönern und zugleich werblich nutzen könne. Das war die Geburtsstunde der sogenannten Abribusplakate (Abri = Unterstand, Bus = Bus).
Hat das Plakat eine Zukunft?
Die Zukunft der Kommunikation ist nicht vorherzusagen, damit auch nicht die des Plakats. Sie ist eng
verbunden mit technologischen Entdeckungen und Entwicklungen. Die Datenautobahnen
und das Internet werden die bestehenden Kommunikationswege in Bild und Ton verändern. Trotzdem werden sie wohl das Medium Plakat
nicht ersetzen können. Es gilt als sicher, dass Plakatwände und Citylightposter auch in Zukunft ihren festen Platz in der Werbelandschaft
haben werden. Die Geschichte lehrt, dass der Mensch immer neue Werkzeuge
erfunden hat, ohne deshalb die alten zu vergessen. Das Plakat,
das anfangs nur der Mitteilung diente, wirkt heute durch seine Verbindung
von Text und bildlichen Elementen als Werbemittel.
Es enthält nur noch kurze, überschaubare Texte und meist großflächig
knappe, häufig stilisierte grafische Darstellungen.