Altsteinzeit
- die Frau der soziale Mittelpunkt
In der Lebenswelt der steinzeitlichen Jäger haben neben den Tieren
auch die Frauen eine besondere Rolle gespielt. Die Frau war der
soziale
Mittelpunkt und sorgte für die Fortpflanzung und den Erhalt
bzw. die Vergrößerung der Sippe. Die Rolle des Mannes als Vater
scheint damals noch nicht klar gewesen zu sein.
Die berühmteste Skulptur aus der
jüngeren
Altsteinzeit ist die sogenannte
"Venus
von Willendorf", eine in Österreich
gefundene Frauenstatuette (Bild 1). Etwa zeitgleich mit den Bildern der
Höhle von Chauvet entstand diese nur 11,5 cm große Skulptur aus
Kalkstein. Hände, Arme, Unterschenkel und Kopf sind nur skizzenhaft
dargestellt. Durch die Überbetonung der weiblichen Geschlechtsmerkmale
wird sie als
Wunschbild einer gebärtüchtigen
Frau empfunden, die auch für ihre Nachkommenschaft sorgen kann.
Fast ausschließlich solche
Frauenstatuetten
fanden sich in einer riesigen Verbreitungszone zwischen Atlantik und Baikalsee.
Bei einigen ist der Leib so stark vorgewölbt, dass es sich um Schwangere
zu handeln scheint; einige sind mit Halsketten und Gürteln geschmückt.
Nicht alle dieser weiblichen Figuren haben Köpfe. Wohl aus ritueller
Scheu hat man viele völlig gesichtslos, manchmal mit einer Haube oder
angedeuteten Haartracht dargestellt. Gefunden wurden sie meist in Nischen
oder in Herdnähe von Behausungen. Vielleicht waren sie Symbole der
"Stammmutter", der "Herrin des Herdes" und der Fruchtbarkeit.
Als Material verwendete man Elfenbein, Geweih, Knochen, Gagat (Pechkohle),
Rötel, Ton und Stein. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Figuren nackt.
Unweit der Höhle von
Lascaux bei
Laussel wurde an einem Felsüberhang ein 47 cm großes Relief einer
Frau entdeckt, das möglicherweise eine Muttergottheit darstellt und
ca. 20 000-19 000 v.Chr. entstanden ist. Der Körper
ist frontal aus dem Fels geschlagen, der Kopf im Profil zur rechten erhobenen
Hand, die ein Bisonhorn hält, gedreht.
Aus Baden-Württemberg sind kleine Tierstatuetten (Mammut, Löwe,
Bär, Wisent, Pferd) und ein "Löwenmensch"
bekannt geworden. Dieser "Löwenmensch" - eine kleine
Elfenbeinstatue - ist nur 29,6 cm groß. Seine einzelnen
Körperteile sind verschiedenen Lebewesen entlehnt. Wahrscheinlich
stand dafür der Höhlenlöwe als Totem Pate (Bild 2).
Plastiken der Jungsteinzeit
In der Jungsteinzeit (Neolithikum)
war die Gestaltung und Anbetung weiblicher
Götter auf der Basis eines mutterrechtlichen Gesellschaftssystems
entstanden. Die Frau war nicht nur der soziale Mittelpunkt, sondern bestimmte
auch das Geschlecht der obersten Gottheit. Deshalb wurden vor allem weibliche
Statuetten, die Gottheiten symbolisierten, aus Ton geformt. Auf Tempelaltären,
an Opferplätzen, in Vorratsbehältern, in Höhlen und Gräbern
wurden offensichtlich Figurengruppen für die Ausübung religiöser
Rituale eingesetzt. Die kleinen Statuen sind als Idole menschlich bzw.
halb menschlich und halb tierisch gekennzeichnet.
| Gestaltungsformen
von Plastiken und ihre Bedeutung |
| Gestaltungsformen |
Bedeutung |
|
Göttinnen als Herrin der Natur
|
Verkörpern Lebenserhaltung und Lebensvernichtung
Kreislauf von Geburt, Tod, Wiedergeburt; Kreislauf der Jahreszeiten
|
|
Göttinnen mit betonten Geschlechtsmerkmalen oder deren Symbolen
Tiere: Kröten, Frösche, Igel, Bienen, Stierköpfe,
Schmetterlinge
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Verkörpern Fruchtbarkeit |
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Vogelgöttinnen, Schlangengöttinnen, Haus- und Tempelgöttinnen
|
Verkörpern Lebensenergie, Schutzfunktion |
|
Götter
Kentauren, Schlangen
|
Verkörpern die Wächter der Natur |
Eine Ausnahme bildet die sogenannte
"
Magna Mater" von Malta (ca. 3000-2500
v.Chr.). Der Torso dieser Skulptur mit dicken Beinen ist in ein rockähnliches
Gewand gekleidet und bildet das untere Teil einer vermutlich über 2 m
großen korpulenten Kolossalstatue. In Malta wurde sie vermutlich als
"Große Muttergöttin" bzw. als "Mutter Erde",
aus deren Schoß alle Dinge und Wesen hervorgehen und in den sie wieder
zurückkehren, verehrt (Bild 3).