







Das
Prinzip der Zentralperspektive
Obwohl der Mensch mit zwei Augen sieht, geht man bei der Perspektivkonstruktion
vom einäugigen Sehen aus.
Das sogenannte Glastafelverfahren kann das Prinzip
der Zentralperspektive veranschaulichen.
Der Betrachter nimmt einen Standpunkt auf der Grundebene ein, auf der
auch der abzubildende Körper steht. Zwischen Körper und Betrachter
verläuft als rechtwinklige Schnittlinie zwischen Bildebene und Grundebene
die untere Bildlinie. Auf der Bildebene liegt in Augenhöhe des Betrachters
parallel zur Bildlinie die Horizontlinie. Wo der Hauptsehstrahl die Horizontlinie
trifft, befindet sich der Augenpunkt (= Fluchtpunkt). Die Lichtstrahlen,
die ein beleuchteter Körper reflektiert, hier Sehstrahlen genannt,
treffen auf das Auge. Zieht man von jedem Oberflächenpunkt des Körpers
einen Sehstrahl zum Auge, entsteht eine "Sehpyramide". (Für
die Linienzeichnung sind nur die Sehstrahlen zu den Eckpunkten wichtig.)
Auf der Bildebene (als Glasscheibe gedacht) ergeben die Schnittpunkte
der Sehstrahlen mit der Ebene (Glasscheibe) den jeweiligen Punkt des Körpers
als Bild. Eine zweidimensionale verkleinerte Projektion des Körpers
ist als Gesamtheit der Schnittpunkte entstanden (Bild 5).
Erläuterung wichtiger Begriffe:
Um starke Verzerrungen zu vermeiden, besagt eine Künstlerregel,
dass der an sich frei zu wählende Abstand zwischen Betrachterstandpunkt
und Bildebene ungefähr die zweifache Breite des darzustellenden Gegenstandes
betragen sollte. Je größer die Entfernung ist, um so größer
wird das Bild und umgekehrt.
Darstellungen in der Zentralperspektive sind im Gegensatz zu technischen
Zeichnungen, wie Grund- und Aufrissen von Architekturzeichnungen, sehr
subjektiv. Das perspektivische Bild
ändert sich je nach Augenhöhe des Betrachters, Bildausschnitt,
Distanz zur Bildebene und zum Körper. Der Künstler wählt
nach rein ästhetischen Kriterien, während der Architekt oder
technische Zeichner eine optimale körperhaft-räumliche Anschaulichkeit
auf der Fläche vermitteln will.
Mit der Zentralperspektive lassen sich nur geometrische Körper genau darstellen. Alle anderen Objekte müssen auf geometrische Grundformen zurückgeführt werden, um sie perspektivisch zu konstruieren, oder freihändig, möglichst wahrnehmungsgetreu gezeichnet werden. Das untere Schema zeigt sowohl die Vogel- als auch die Froschperspektive. Ist die Horizontlinie und damit der Betrachterstandpunkt sehr hoch, spricht man von Vogelperspektive (Aufsicht), liegt sie extrem niedrig im Bild, handelt es sich um die Froschperspektive (Untersicht).

Schema Vogel- und Froschperspektive

Mittels Zweifluchtpunktperspektive (auch Übereck- oder Normalperspektive genannt) werden quaderförmige Körper dargestellt, die schräg zum Betrachter (über Eck) stehen. Die vordere Kante läuft parallel zur Bildebene. Alle nicht senkrechten Kanten konvergieren zu den beiden Fluchtpunkten auf der Horizontlinie, die linke Fläche zum linken und die rechte Fläche zum rechten Fluchtpunkt. Es gibt keinen rechten Winkel mehr. Dabei bleiben die vertikalen Parallelen erhalten und verkürzen sich progressiv (Bild 8).

Weiterhin gibt es die Dreifluchtpunktperspektive, bei der der Betrachter auf einen Eckpunkt des rechtwinkligen Körpers sieht. Alle in der Realität vorhandenen Parallelen verlaufen in drei verschiedene Richtungen zu je einem Fluchtpunkt (Bild 9).
