Profanbauten: Burg- und Palastbauten
Profanbauten
Als
Profanbauten werden alle
Bauwerke ohne religiöse oder kultische Nutzung bezeichnet. Profan (lat.:
"pro" = "vor", "fanum" = "heiliger Bezirk")
bedeutet "vor dem geheiligten Bereich Liegendes". Drei
Hauptgruppen
sind in der Profanarchitektur zu unterscheiden:·
- Burg- und Palastbauten,
- Wohn- (Bürger-) und Kommunalbauten,
- Stadtentwicklung.
Burgbauten
Bereits im Altertum wurde mit dem
Burgenbau
begonnen
(Mykene, Troja, Tiryns). Später
schienen die mit Wällen, Mauern und Türmen befestigten normierten
Militärcastelle der Römer für
die Sicherheit der Legionäre im eroberten Land unerlässlich zu
sein.
Seit dem 7. Jh. ließen die fränkischen Herrscher im ganzen
Land
Pfalzen errichten, die nacheinander
den Hof unterzubringen und zu bewirten hatten, und auch Verwaltungszentrum
und Versammlungsort für
Reichsversammlungen
waren. Die Architektur hatte den Machtanspruch des Königs zu legitimieren.
Dafür wurden Bau- und Dekorationselemente aus dem zeitgenössischen
Kirchenbau verwendet (Kaiserpfalzen in
Aachen,
Goslar, Ingelheim).
Häufig sind Pfalzen Ausgangspunkt für Ansiedlungen und Städtebau.
HEINRICH I. (919-936) ließ
zur Grenzsicherung gegen Dänen-, Normannen- und Ungarneinfälle
Burgen bauen. Aus den zunächst
recht einfachen
Holzburgen entwickelten
sich im Verlauf des Mittelalters großartige Anlagen (Bild 1).
Zur Gebietssicherung und -beherrschung mussten diese strategisch günstig
angelegt werden.
Nach ihrer landschaftlichen
Lage unterscheidet man zwei grundsätzliche
Burgtypen:·
- Höhenburgen, Gipfelburgen und Kammburgen (Bild 3)·
- Niederungsburgen und Wasserburgen (Bild 1).
Die bauliche Sicherung erfolgte durch Gräben, Ringmauern, verstärkte
Schildmauern mit Wehrgängen (äußerlich durch Zinnen gekennzeichnet),
Tore mit Zugbrücken und Fallgattern. Innerhalb der Mauern befanden
sich in der Regel der Bergfried, der Palas mit Wohnräumen, Rittersaal
und heizbarer Kemenate, die Burgkapelle, Brunnen oder Zisterne.
Nach Herkunft und Grundrissform unterscheidet
man drei Burgtypen:·
- Die Ringburg (Bild 2)
entstand ursprünglich aus einer sogenannten Turmhügelburg
(Motte), bei der ein Erdaushub als
Hügel aufgeschichtet und mit einem Graben umgeben wurde. Auf dem
Hügel wurde ein Wohnturm aus Holz oder Stein errichtet, der durch
Graben, Palisaden oder Mauerring geschützt war (Ringburg
von Büdingen/Hessen, 12. Jh.).·
- Der Castelltyp,
eine byzantinisch-arabische Viereck- oder Achteckanlage (Castel
del Monte/Apulien, um 1240; Kastell
FRIEDRICH II./Sizilien, 1239-1250), geht auf die Ausführung
römischer Kastelle zurück. Vor allem die Kreuzritter bauten
diesen Typ in England, Frankreich, Spanien, Italien und auch in den
östlichen eroberten Gebieten.·
- Die unregelmäßige
Burganlage, die vor allem in
Mitteleuropa verbreitet ist, nutzte natürliche Möglichkeiten
aus, wie Felsen, Höhenrücken, Seen, Wasserläufe etc.
(Burg Eltz,
13.- 6. Jh., Bild 3; Wartburg,
um 1097-1217).
Mit der Entwicklung von Feuerwaffen und der Selbstständigkeit der
Städte verloren die Burgen zunehmend ihre eigentliche Schutzaufgabe.
Viele Burgen wurden in den Kriegen ab dem 15. Jh. zerstört,
manche zu Schlössern ausgebaut.
Palastbauten
Unter Palast (Bild 4) ist ein fürstlicher
oder herrschaftlicher Wohnsitz zu verstehen, der als·
- Residenz,
- Adelssitz, ·
- weitläufiges Stadt- oder Landhaus
reicher und privilegierter Familien erbaut wurde. Abgesehen von den frühen
Beispielen in Ägypten (Amarna),
in Kreta (Knossos, Phaistos) und in
Rom war die Palastarchitektur seit dem 14./15. Jh. vor allem in Italien
ausgeprägt. Sie löste die mächtigen Geschlechtertürme
des 12.-14. Jh. ab (San Gimignano). Berühmt geworden sind
die florentinischen
Paläste·
- der MEDICI (1445-1459),·
- der STROZZI (1489-1504) und·
- der RUCELLAI (1448-1469).
Die prächtigen Anlagen des Herzogs in
Urbino (1468-1472) und der Familie
D' ESTE in Ferrara ähneln eher Festungen als Stadtpalästen.
Schlossbauten
Aus den Burgenbauten des Mittelalters, den Palastbauten der Renaissance
und unter Einfluss der antiken Villen entwickelte sich ein
neuer Bautyp - das Schloss (Bild 4-6).
Als Wohn- und Regierungssitz von weltlichen und geistlichen Landesherren,
Adligen und reichen Bürgern dienten Schlösser vor allem dem
aufwendigen und prächtigen Wohnen, den Empfängen, Festen und
der Unterbringung des Hofstaates.
In der Frühzeit des Schlossbaus benutzte man einen vierseitigen
Grundriss mit einem Hof oder mehreren Innenhöfen (Chambord,
16. Jh.; Cheverny, 17. Jh.;
Frankreich).
Die Blütezeit des Schlossbaus liegt im
Barock
(Bild 5). Ihre typische Ausformung als weiträumige, zur Stadt
geöffnete
Dreiflügelanlage mit Ehrenhof
erfuhr die Anlage in
Versailles
(1661-1684). Strahlenförmig bezogen sich Straßen und Stadtteile
der neu angelegten Residenzstadt, Kanäle und Wege des auf der Rückfront
liegenden Parks auf das Schloss. Der
"Sonnenkönig"
LUDWIG XIV. hatte sich durch Architektur, Innendekoration, Bildprogramme
und Gartenanlage seine absolutistische Verherrlichung schaffen lassen.
Versailles wurde zum Vorbild für zahlreiche europäische Schlossanlagen.
Die wenigen im
Klassizismus erbauten
Residenzschlösser folgen bis auf klassizistische Stilelemente dem Barocktypus
(Koblenz, Oslo, Braunschweig). Im 19. Jh.
wurden vor allem bei den bayrischen Königsschlössern alle historischen
Stile übernommen (
Neuschwanstein,
1868-1886, Bild 6; Herrenchiemsee, 1878-1883).