











Der menschliche Körper ist ebenfalls in seinen geometrisch-mathematischen
Verhältnissen Ausdruck vollkommener Harmonie.
Verschiedene Künstler versuchten, die menschliche Anatomie in Maßverhältnissen,
einer "Proportionslehre", festzulegen. LEONARDO DA VINCI setzte
den menschlichen Körper in Bezug zu den Idealfiguren Kreis und Quadrat,
fertigte ebenso zu anderen Figuren Proportionsstudien
an und ALBRECHT DÜRER verfasste die "Vier Bücher von
menschlicher Proportion" (Bilder 1-2).
MICHELANGELO lehnte eine solche Proportionslehre ab, der Mensch lasse
sich nicht in ein festes Maß pressen. Es gibt also keine verbindliche
Regel.
Konstruktionsmöglichkeit:
Man zeichnet die Strecke AB und errichtet über B das Lot BC mit BC=
½ AB. Dann schlägt man einen Kreis um C mit dem Radius CB,
der AC im Punkt D trifft. Danach schlägt man einen Kreis um A mit
dem Radius AD. Er schneidet AB in E.
E ist der goldene Schnitt von AB (Bild 3).
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½ AB
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=
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BC
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=
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CD
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||
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AE
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=
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AD
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||||
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EB
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:
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AE
|
=
|
AE
|
:
|
AB
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Aus dem goldenen Schnitt lässt sich das Pentagramm (Fünfeck) mit sich stetig nach diesem Prinzip teilenden Strecken entwickeln (Bild 6).
Anwendung des goldenen Schnitts in der Kunst"Allein die Ausgewogenheit der Verhältnisse macht die Schönheit" (GHIBERTI, 1444).
Übersetzung des Begleittextes zur Skizze Vitruv-Mann:Bereits in vielen Kunstwerken der Antike und später dann der Renaissance kann man diese Auffassung wiederfinden und auch den goldenen Schnitt entdecken. So ist die "göttliche Proportion zur Vollkommenheit" in der Statue der "Venus von Milo", im Skizzenbuch "Livre de portraiture" des VILLARD DE HONNECOURT (um 1230; vgl. Bild 7) wie in Gemälden von RAFFAEL (um 1511), LEONARDO DA VINCI (1452-1519) und ALBRECHT DÜRER (1471-1528) zu finden, manchmal aber erst mit ein wenig Übung. DA VINCI kamen während seiner Studien aber bald Zweifel, ob eine derartige Mathematisierung die Lösung des Schönheitsproblems bringen würde und rückte die natürliche Verschiedenheit in seinen Studienmittelpunkt:
"Der Baumeister VITRUVIUS behauptet in seinem Werk über die Baukunst, dass die Maße des Menschen von der Natur so geordnet seien, dass vier Finger eine Handbreite, vier Handbreiten eine Fuß, sechs Handbreiten eine Elle, vier Ellen die Größe des Menschen, sowie einen Schritt, und vierundzwanzig Handbreiten die Größe des Menschen ausmachen. Und diese Maße in seinen Bauten enthalten. Wenn du die Beine so weit spreizt, dass du um ein Vierzehntel deiner Größe abnimmst, und wenn du dann deine Arme ausbreitest und hebst bis du die Scheitellinie des Kopfes mit deinen Mittelfingern berührst, so musst du wissen, dass der Mittelpunkt des Kreises, der durch die Enden der gestreckten Gliedmaße gebildet wird, der Nabel ist und dass der Zwischenraum zwischen den Beinen ein gleichseitiges Dreieck bildet.
Die Spanne der ausgebreiteten Arme des Menschen ist gleich seiner Höhe (Größe).
Der Abstand von Haaransatz bis zum Rand des Unterkinns ist ein Zehntel der Größe des Menschen, der vom unteren Rand des Kinns bis zum Scheitel des Kopfes ist ein Achtel der Größe des Menschen, der vom oberen Rand der Brust bis zum Scheitel des Kopfes ein Sechstel des Menschen, ..."
(nach UHLMANN).
"Wer diese Verschiedenheit nicht berücksichtigt, der macht seine Gestalten immer nach der Schablone, als ob sie alle Geschwister seien, und das verdient strengen Tadel." (nach UHLMANN)Weitere Bildbeispiele:
Ob bewusst oder intuitiv nahmen (und nehmen) viele Künstler den goldenen Schnitt als Voraussetzung für die harmonischen Gestaltung von Kunstwerken, egal ob es die Maße des Bildes oder die Proportionen der Komposition betraf.
Kunst in der Architektur