





Die Radierung (lat.: radere = kratzen, wegnehmen, entfernen) ist eine
Ätztechnik. Unter Ätztechnik
bzw. Ätzverfahren fasst man alle Tiefdrucktechniken zusammen, bei
denen mittels Säure Vertiefungen in der Platte erzeugt werden, die
beim Druck die Druckerschwärze aufnehmen.
Die Radierung ist die bekannteste
Ätztechnik. Sie wird aber fälschlich auch synonym gebraucht
für das "kalte" Verfahren der Kaltnadel (Kaltnadelradierung).
Die Radierung bezeichnet man auch als Strichätzung,
weil nur Linien und Punkte aus dem Metall geätzt werden.

Geschichte der Radierung
Voraussetzung für das Entstehen dieses grafischen Tiefdruckverfahrens
war die Erfindung des Papiers in Europa. Erst nachdem bezahlbarer Bedruckstoff
vorhanden gewesen war, konnten Gold- und Waffenschmiede ihre Entwürfe
auf dem Papier archivieren. Nachdem man mit dem Kupferstich bereits ein
grafisches Verfahren in die Kunst übernommen hatte, soll der Holzschneider,
Glasmaler, "Münzeisenschneider" und Graveur URS
GRAF (um 1485-1527/29), Sohn eines Goldschmieds, im Jahre 1513
als Erster die aus der Niello-Technik
übernommene Radierung in der Grafik ausgeführt haben. GRAF zeichnete
besonders gern Landsknechte und Dirnen. Das mag daher kommen, dass er
als Bürger der Schweizer Stadt Basel an mehreren Kriegszügen,
u. a. nach Mailand und Dijon, teilnehmen musste und sich so sehr
gut im "Milieu" auskannte. Die Niello-Technik schien ihm geeignet,
seine zeichnerischen Intentionen problemlos in grafischen Techniken umsetzen
zu können. Auch ALBRECHT DÜRER (1471-1528) experimentierte recht
früh mit der neuen Technik. Um die Farbigkeit der Malerei zu erhalten,
experimentierte der Holländer HERCULES PIETERSZ SEGHERS (um 1590-um
1638) mit koloristischen Effekten (Bild 2). REMBRANDT lernte viel von
SEGHERS.
Möglich, dass SEGHERS bei ALBRECHT ALTDORFER (vor 1480-1538)
abschaute, denn bereits er kolorierte, allerdings wagte ALTDORFER so kühne
Farbkombinationen, wie SEGHERS sie anwandte, nicht. Er arbeitete eher
Ton in Ton, wie es in der Claire-Obscure-Technik des Holzschnitts üblich
war.
Der Holländer CRISPIN VAN DEN BROECK, auch: PALUDANUS (1524-1591),
stellte Radierungen mit einer Schwarzplatte und einer Tonplatte her, wie
er es von der Claire-Obscure-Technik her kannte (Bild 3). CLAUDE VIGNON (1593-1670, Bild 5) schuf üppig-bewegte
Barock-Radierungen.
Das Verfahren stieß jedoch bald an seine Grenzen. Frühzeitig
begannen die Künstler, mit der Ätztechnik zu experimentieren.
Im 17./18. Jh. wurde diese weiterentwickelt. Mit dem Vernis
mou (Weichgrundätzung) gelang es, dem Druck die Optik einer Kreidezeichnung
zu verleihen.
Für die Crayon-Manier (Kreidemanier), deren Erfinder JEAN CHARLES FRANÇOIS ist, werden spezielle Werkzeuge
benötigt, um dem fertigen Druck einen zeichnerischen Gestus zu geben.
Man verwendet
Seit etwa 1740 experimentierte FRANÇOIS in dieser Technik. Die Aquatinta entstand 1765/68, als man
begann, nicht nur Linien, sondern auch ganze Flächen zu ätzen.
Als Erfinder dieser Technik gilt JEAN-BAPTISTE LE PRINCE (1734-1781).
Das Ätzverfahren
Die sorgfältig gereinigte Platte wird gleichmäßig mit
einem Ätzgrund abgedeckt,
der aus einer säurefesten, wachsartigen Masse besteht. Nach dem Trocknen
werden die Stellen, an denen Vertiefungen in die Platte eingeätzt
werden sollen, mit geeigneten Werkzeugen (Radiernadeln, Stichel) entfernt.
Anschließend taucht man die Platte in ein Säurebad. Sollen
Linien unterschiedlicher Tiefe entstehen, wird nach dem Ätzbad an
der Platte weiter gearbeitet, werden neue Linien frei gelegt. Man arbeitet
zunächst einen kräftigeren Vordergrund heraus, ätzt die
Platte und arbeitet anschließend am Mittelgrund, zuletzt am zarteren
Hintergrund. So gibt der Radierer einer Landschaft Weite und einem Raum
Tiefe.
Weitere Ätzverfahren sind:
Die Weichgrundätzung
(Vernis mou) unterscheidet sich von der Radierung durch einen weicheren
Ätzgrund, der auf die Platte aufgetragen wird. Man legt Papier darauf
und zeichnet wie gewohnt mit Kreide oder Bleistift. Der Druck auf den
weichen Ätzgrund legt das darunter liegende Metall frei. Der Ätzvorgang
geschieht wie bei der Radierung.
Beim Aquatintaverfahren wird
das Motiv oft zunächst im Aussprengverfahren mit einer Farbe aufgetragen,
danach mit Ätzgrund versehen. Im Wasserbad wird an jenen Stellen,
an denen Farbe aufgetragen worden war, der Ätzgrund weggespült.
Anschließend bedeckt man die Platte mit einer säurefesten Staubschicht
aus Kolophonium und Mastix. Leichtes Erwärmen lässt den geharzten
Staub an der Platte haften. Beim Ätzprozess schützt jedes kleine
Staubteilen die unter ihm liegende Metallschicht. Variieren kann man die
Körnigkeit der Flächen durch unterschiedlich große Staubkörnchen.
Stellen, die auf dem Blatt weiß bleiben sollen, werden vor der Ätzung
mit Ätzgrund überzogen. FRANCISCO DE GOYA, JOAN MIRÓ,
PABLO PICASSO und A.R. PENCK verwendeten auch diese Technik.
Der Ausschnitt der unten abgebildeten Aquatinta zeigt vier Helligkeitsstufen,
d.h. es wurde viermal geätzt.

Die Heliogravüre
(auch: Fotogravüre oder Chemigravüre) ähnelt der Aquatinta,
allerdings wird nicht direkt auf die Platte gezeichnet, sondern die Übertragung
des Bildes erfolgt mit fotomechanischen Mitteln. Dabei wird ein Diapositiv
auf lichtempfindliche Gelatine projiziert, die dann mit dem Metall reagiert.
Man benutzt dazu Chromgelatine, das ist eine mit Chromsäure versetzte
Gelatine.
Die Crayon-Manier unterscheidet
sich von der Radierung durch die Wahl der gröberen bzw. breiteren
Werkzeuge (Roulette, Moulette), die dem fertigen Blatt später die
Optik einer Kreide- oder Rötelzeichnung geben.
Materialien und Drucktechnik
Für die Radierung werden Metallplatten
aus Zink, Kupfer, Messing oder Aluminium benutzt. Des weiteren benötigt
man Radiernadeln, einen Ätzgrund und ein Ätzbad. Gedruckt wird
auf einer Tiefdruckpresse:
Man legt die geätzte, gereinigte, mit Druckerschwärze
versehene und abgeriebene Platte auf den Drucktisch, darauf das Papier,
darüber den Druckfilz.

Nun muss der Druck der Presse optimal eingestellt sein, dann kann der Druckvorgang beginnen:
Vorteil der Radierung
Vorteil der Radierung
ist, dass man das Motiv fast wie mit einem Bleistift in den Ätzgrund
zeichnen kann und so weichere, der Zeichnung nahe kommende Linien erhält.
Bekannte Radierer waren:
ALBRECHT ALTDORFER (vor 1480-1538)
ALBRECHT DÜRER (1471-1528)