










1625 wechselte der junge Künstler in das Atelier des angesehenen
Amsterdamer Historienmalers PIETER
LASTMAN. Ende des Jahres kehrte
er nach Leiden zurück, wo er mit dem etwa gleichaltrigen Künstler
JAN LIEVENS eine Ateliergemeinschaft gründete.
1628 bildete er bereits seinen ersten Schüler GERRIT DOU aus.
1629 wurde CONSTANTIJN
HUYGENS, Schriftsteller und Sekretär
des Prinzen von Oranien, auf den Künstler REMBRANDT aufmerksam. HUYGENS
lobte die Erfindungsgabe des jungen Künstlers, bedauerte aber, dass
er im Rahmen seiner Ausbildung nicht Italien besucht hätte. Doch
langfristig gesehen, scheint dies für den Erfolg des Künstlers
REMBRANDT kein wirklicher Mangel gewesen zu sein.
Um gewinnbringende Aufträge zu erhalten, kehrte REMBRANDT 1631 nach
Amsterdam zurück und wurde dort Mitglied der Lukasgilde,
eine jener seit dem 14. Jahrhundert bestehenden, nach dem Evangelisten
Lukas, der der Legende nach das erste Marienbildnis geschaffen hat, benannten
zunftähnlichen Zusammenschlüsse von Malern. REMBRANDT nahm Kontakt
auf zu dem Amsterdamer Kunsthändler HENDRICK VAN UYLENBURGH. Als
REMBRANDT 1634 die wohlhabende Juristentochter und Nichte des Kunsthändlers
SASKIA VAN UYLENBURGH
heiratete, stieg er in die höheren Kreise der Stadt auf. Zahlreiche
Porträts des Künstlers geben die Schönheit der Patriziertochter
wieder, zum Beispiel "Saskia als Flora" (1634, Bild 2).
Vier Kinder gingen aus dieser Ehe hervor, von denen nur der Sohn TITUS,
der ebenfalls Maler wurde, überlebte.
Nach SASKIAS Tod (1642) lebte REMBRANDT seit 1647 mit HENDRICKJE STOFFELS
zusammen; 1654 wurde die gemeinsame Tochter CORNELIA geboren.
Verluste bei Handelgeschäften und finanzielle
Schwierigkeiten aufgrund unbesonnenen Geschäftsgebahrens führten
1656 dazu, dass REMBRANDT Konkurs anmelden musste. Sein gesamter Besitz
- darunter sein 1639 erworbenes großes Haus in der Amsterdamer
Jodenbreestraat (heute das Museum Het Rembrandthuis) - wurde verkauft.
Das bei dieser Gelegenheit angelegte Inventarverzeichnis
vermittelt eine Vorstellung von den letztlich doch beträchtlichen
Besitztümern des Malers. Die folgenden Lebensjahre verbrachte REMBRANDT
in der Rozengracht im Stadtteil Jordan. Dort eröffneten HENDRICKJE
und TITUS eine Kunsthandlung, über die REMBRANDT weiterhin seine
Werke veräußern konnte, ohne eine Pfändung befürchten
zu müssen.
Auch in diesen Jahren erhielt er bedeutende Aufträge und seine Schülerzahl
wuchs ständig. In den besten Jahren versammelte er wohl mehr als
zwanzig Schüler um sich, obwohl er damit gegen die strengen Regeln
der Lukasgilde verstieß. Doch seine finanzielle Situation verbesserte
sich nicht mehr.
1663 starb HENDRICKJE, 1668 der Sohn TITUS, ein Jahr vor seinem Vater,
der 1669 in der Amsterdamer Westerkerk beigesetzt wurde.
Bei der Darstellung historischer und biblischer Themen orientierte sich
REMBRANDT zunächst an dem flämischen Maler PETER PAUL RUBENS,
bevor er mit Bildern wie "Die
Blendung Simsons" (1936, Bild 9)
einen eigenständigen Stil zeigte.
In den Jahren ab 1660 gelangte REMBRANDT zu ruhigen und ausgewogenen Kompositionen
und beschränkte sich bei der Farbwahl
zunehmend auf Braun- und einige Rottöne.
"Die Nachtwache"
REMBRANDTs wohl berühmtestes Gemälde ist
"Die Nachtwache"
(1642, Bild 10). Dieses Gruppenbildnis, das eigentlich den Titel "Die
Kompanie des Kapitäns FRANS BANNING COCQ und des Leutnants WILLEM
VAN RUYTENBURGH" trug, erhielt seinen populären Titel Ende des
19. Jahrhunderts, aufgrund des starken Nachdunkelns des Gemäldes
und seiner zahlreichen Firnisschichten. Denn eigentlich handelte es sich
um eine Tagszene und keineswegs um einen "Abmarsch bei Nacht".
Im Zentrum des Bildes erteilt Hauptmann FRANS BANNING COCQ seinem Leutnant
WILLEM VAN RUYTENBURGH den Befehl zum Aufbruch. In der für REMBRANDT
nicht zuletzt mithilfe des gezielt eingesetzten Lichtes dramatischen Inszenierung
wird aus dem traditionellen Gruppenporträt
- wie es für Bankettsäle üblicherweise geschaffen
wurde - ein Geschehen, das in den Rang eines Historienbildes
gehoben wird.
Dargestellt sind zudem die verschiedenen Aufgaben eines Musketiers, etwa
das Laden der Waffe mit Pulver oder das Anblasen der Lunte. Jede der abgebildeten
Personen musste für die Aufnahme ihres Porträts bezahlen. Nur
der Trommler am rechten Bildrand kam als Charge kostenlos ins Bild. Rätselhaft
bis heute ist, woher REMBRANDT die riesige Leinwand
hatte und wo er sie bearbeitete. Das Bild misst, trotz einer Beschneidung
im Jahr 1711, 359 x 438 cm. Für solche Formate wiesen die Ateliers
zu REMBRANDTs Lebzeiten Zeit eigentlich nicht die ausreichende Größe
auf.
REMBRANDTs Selbstporträts
Etwa 50 gemalte, rund 30 radierte und zehn gezeichnete Selbstporträts
geben Zeugnis von der Selbstbeobachtung des Malers. Damit ist REMBRANDT
neben VINCENT VAN GOGH, PAUL CÉZANNE und MAX BECKMANN als ein Maler
mit sehr hoher Anzahl an Selbstporträts in die Kunstgeschichte eingegangen
(vgl. Bild 1).
In schonungsloser Selbstbefragung
hat sich der Künstler in allen Lebens- und Schaffensphasen dargestellt.
Und so wird auch das "Selbstbildnis als 63-jähriger" (Bild 11)
als das letzte Bild des Künstlers angesehen, das er im Todesjahr 1669
geschaffen hat.